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12.03.2010-
Aktuell
Im Kampf für gleiche Löhne sind alle gefordert
Frauen erhalten in der Schweiz für gleiche Arbeit 24 Prozent weniger Lohn als Männer, in der Ostschweiz sind es sogar 27 Prozent. Was dagegen getan werden kann, war Thema des gestrigen Equal Pay Day.
Von Gian Ehrenzeller St. Gallen. – Eigentlich garantiert die Bundesverfassung Frauen gleiche Löhne, und dies seit 29 Jahren. Und eigentlich verbietet das Gleichstellungsgesetz seit 14 Jahren jegliche Diskriminierung. Tatsache ist aber: Frauen verdienen gemäss einer Erhebung des Kantons St. Gallen schweizweit rund 24 Prozent weniger als Männer. 40 Prozent davon sind tatsächliche Lohndiskrimierung. Wenn sich die Angleichung der Löhne wie bis anhin entwickelt, dauert es noch 70 Jahre, bis endlich faire Löhne bezahlt werden. Um auf diese Missstände aufmerksam zu machen, wurde der Equal Pay Day ins Leben gerufen. Dieser findet jeweils weltweit an jenem Datum statt, bis zu dem eine Frau über das Jahresende hinaus arbeiten muss, um den Jahresverdienst ihres männlichen Kollegen zu erreichen – also bis am 11. März. So verteilten gestern die organisierenden Business and Professional Women (BPW) auch in St. Gallen und Vaduz mit Informationsmaterial gefüllte rote Taschen. Unfaire Löhne sind nicht nur für die betroffenen Frauen ein Problem, sondern auch für die Wirtschaft. Dies führte Beda Meier, Leiter des kantonalen Kompetenzzentrum Integration, Gleichstellung und Projekte vor Ort in St. Gallen aus. Denn unfaire Löhne könnten Frauen demotivieren oder sie gar vom Arbeitsmarkt vertreiben – das kann sich die Wirtschaft in Zeiten drohenden Fachkräftemangels nicht leisten. «Für viele Firmen ist Lohnungleichheit schlicht kein Thema», sagte Beatrice Zanga, Präsidentin der BPW St. Gallen-Appenzell. Es sei kein Druck vorhanden und das alte Rollenbild in den Köpfen verankert. So gelte das Motto: «Günstig produzieren auf dem Rücken der Frauen». Frauen müssen mutiger werden Im Kampf gegen die Lohnungleichheit sind alle gefordert. Frauen müssten ihre Karriere planen, sich weiterbilden und bestimmter auftreten, sagt Zanga. Denn gerade in den entscheidenden Lohnverhandlungen seien sie weit zurückhaltender als ihre männlichen Kollegen. Welches Salär angemessen wäre, können sie im Internet unter www.lohnrechner.ch berechnen. Um ihren Forderungen mehr Geltung zu verleihen, könnten sich Frauen zusammenschliessen, so Zanga weiter. Unternehmen sollen für mehr Lohntransparenz sorgen und die eigene Lohnpolitik hinterfragen: Über www. logib.ch können Firmen errechnen, ob sie gerechte Löhne zahlen. Der Kanton schliesslich bleibt auch nicht untätig. Er unterstützt die Infostelle Frau und Arbeit in Weinfelden finanziell. Diese begleitet Frauen in ihren Lohnforderungen, im Extremfall bis zur Klage gegen ein Unternehmen. Und der Kanton will sich selbst als vorbildlicher Arbeitgeber profilieren. So will er über eine Reihe von Massnahmen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern. Bleibt zu hoffen, dass dem Beispiel viele folgen.
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