Weltweit gefragter Zeichner zeigt Comics in St.Gallen: "Mit Trump geht mir die Arbeit nicht aus"

COMICZEICHNER ⋅ Der kubanische Künstler Ramsés ist weltweit gefragt, er zeichnet politische Cartoons für die internationale Presse. 2016 zog er der Liebe wegen nach Arbon. Jetzt stellt er seine Werke in der Galerie vor der Klostermauer in St.Gallen aus.
06. Februar 2018, 09:15
Nina Rudnicki

Nina Rudnicki

ostschweizerkultur@tagblatt.ch

Donald Trump rennt auf eine Klippe zu und die Welt hinterher. Auf der nächsten Zeichnung trägt Mona Lisa eine Virtual-Reality-Brille und schaut sich Kunst­werke von Leonardo da Vinci an. Ein weiteres Bild zeigt einen Mann ohne Kopf, aber mit Einkaufs­wagen. Er stürmt los, denn es ist Black Friday. Die Cartoons des kubanischen Künstlers Ramsés Morales Izquierdo sind aktuell, politisch und gesellschaftskritisch. "Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an einem neuen Cartoon oder einer Illustration arbeite", sagt der 47-Jährige, während er durch seine Ausstellung in der Galerie vor der Klostermauer in St.Gallen führt. Dort zeigt er bis zum 4. März einen Auszug seiner Arbeiten des Jahres 2017.

Der Künstler Ramsés Morales Izquierdo zeichnet politische Cartoons für die internationale Presse. Nun stellt er seine Karikaturen in der Galerie vor der Klostermauer in St.Gallen aus. (Bilder: Ramsés Morales Izquierdo)

Ramsés, der seit 2016 in ­Arbon lebt, veröffentlicht regelmässig in der Satirezeitschrift "Nebelspalter". Längst hat er sich aber auch international einen Namen gemacht. In Frankreich erscheinen seine Cartoons in der Wochenzeitschrift "Courrier International". Und in seiner Heimat gehört er zu den bekanntesten Comiczeichnern.
 

Ein Rat des Grossvaters

Ramsés kam 1970 in Trinidad in Kuba zur Welt, wo er auch die Kunstschule besuchte. Er arbeitete zunächst als Künstler und später als Kunst-Dozent sowie als Illustrator für das Office of Conservation in Trinidad. Schon als Kind war er fasziniert von den Cartoons im Magazin "The New Yorker", von dem sein Grossvater einige Ausgaben besass. Dieser gab ihm damals auch den Rat, sofort mit Üben anzufangen, wenn er selbst eines Tages ein erfolgreicher Cartoonist werden wolle.

Auch für Politik interessierte sich Ramsés schon seit seiner ­frühen Jugend. "In Kuba ist Politik wie das Brot auf dem Tisch. Das ist alleine schon deshalb so, weil Kuba so nahe an den USA liegt, wir aber in so verschiedenen politischen Systemen leben", sagt er.

Alles habe gute und schlechte Seiten. Wegen der wirtschaftlichen Probleme fehle es in Kuba zwar an vielem. Die Menschen hätten jedoch ihre Lebensfreude bewahrt, denn im Gegensatz zu anderen Ländern gebe es ein verhältnismässig gutes Gesundheits-, Bildungs- und Rentensystem. "Ich mache mir viele Gedanken darüber, wie sich das Land mit der Öffnung und all den äusseren Einflüssen nun verändern wird." Ein Cartoon, der ebenfalls an der Ausstellung zu sehen ist, ­thematisiert diese Unsicherheit: Ein Fisch in kubanischer Flagge schwimmt durch das Meer und zwischen zahlreichen Angel­haken hindurch. Der Cartoon trägt den Namen ­"Options".
 

Bauer, Dummkopf, ­Verrückter und Bärtiger

Während die Cartoons vor allem internationale Ereignisse und gesellschaftliche Entwicklungen aufgreifen, befasst sich ein wei­terer Teil der Ausstellung mit Ramsés humoristischer Inter­pretation seines Heimatlandes. Es handelt sich dabei um Zeichnungen in Tusche und Aquarell, auf denen stets die vier historisch wichtigsten Charaktere der ku­banischen Presse-Cartoons zu sehen sind. Diese sind der Bauer, der Dummkopf, der Verrückte sowie der Bärtige, der Fidel Castro darstellt. Auf einem der Bilder in der Ausstellung sitzen diese vier Charaktere um einen Tisch und spielen das kubanische Nationalspiel Domino. Alle Spielsteine sind allerdings Doppelnullen und so spielen die vier quasi ein Nullsummenspiel.
 

Schweizer Politiker als Zukunftsprojekt

An seinen Comics arbeitet ­Ramsés Morales Izquierdo bei sich zu Hause in Arbon. Von Kuba dorthin gezogen ist er im Februar 2016 wegen der Liebe. Inspiration für seine Arbeit findet er in der internationalen Presse wie in der "New York Times" sowie auf CBC und CNN. "Ich gehe so vor, dass ich mich zuerst über ­Medien in der politischen Mitte infor­miere und danach schaue, was die linke und rechte Presse schreibt", sagt er. "Ich finde ­immer ein Thema für meine ­Cartoons. Solange es Politiker wie Trump gibt, die es lieben, ­jeden Tag in den Medien zu sein, geht mir meine Arbeit nicht aus."

Der amerikanische Präsident gehört zu jenen Personen, die er zurzeit am häufigsten zeichnet. Auf einem Bild, das jüngst entstanden ist, hackt er der Demokratie den Arm ab. Schweizer Poli­tiker fehlen in Ramsés Arbeiten hingegen noch. Diese gehören zu seinen Zukunftsprojekten. Er sagt: "Das politische System hier ist einzigartig. Ich lerne den Schweizer Kontext aber gerade erst kennen. Dafür brauche ich noch etwas Zeit."

Vernissage: Fr, 19 Uhr, Galerie vor der Klostermauer, St.Gallen


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