«O wunnikliches Paradies»

FUSION ⋅ Das Literatur- und Musikfestival «Minne meets Poetry» im März in Konstanz steht im Mittelpunkt des diesjährigen Kulturjahres im Rahmen des Konzil-jubiläums.
08. Februar 2018, 08:41

Das abschliessende Jahr des Konstanzer Konzil-Jubiläums steht im Zeichen des Kulturaustausches, wobei Oswald von Wolken- stein, Ritter und Minnesänger, «Schirmherr» ist. Die Vielfalt dessen, was Dichtung und Musik zu bieten hat, greift die zentrale Veranstaltung dieses Jubiläumsjahres auf: Fünf Tage im März geht es mit dem Literatur- und Musikfestival «Minne meets Poetry» an 16 Orten um ein Crossover zwischen Mittelalter und Heute, um Hohe Minne und Rap. Kulturamt Konstanz, Eigenbetrieb «Konzilstadt Konstanz» und der Schweizer Kurator Urs Heinz Aerni haben ein Programm mit 18 Veranstaltungen unterschiedlicher Formate auf die Beine gestellt, das sich an «alle Zielgruppen und Leidenschaften» wendet, wie Kulturamtsleiterin Sarah Müssig sagt.

Wie Sprache in Bilder übersetzt werden kann, zeigt eine begleitende Ausstellung zur Lyrik Oswald von Wolkensteins im Turm am Kulturzentrum am Münster. Studierende der Universität Konstanz sowie der Hochschule Konstanz haben sich unter dem Titel «w(ort)verliebt in Konstanz» mit dem Dichter beschäftigt.

Zu den Begleitveranstaltungen zählt auch das Lichtkunstprojekt «Costnitz tanzt», das drei Tage im Wessenberg-Haus zu sehen sein wird. Die Künstler Jeremias Heppeler und Ines Fliegert stossen dabei direkt zum Herzen der Minne vor – mit Vorbehalten: Es geht ihnen um Reichtum und Gewalt im Mittelalter. Auch Pablo Walser thematisiert mit seiner Ausstellung im Gewölbekeller des Kulturzentrums mehr «Die Abwesenheit der Liebe».

Von «Weltgedanken» bis «Heimatliebe»

Zur Vielfalt der Einzelveranstaltungen schickt Kurator Urs Heinz Aerni seine Gedanken voraus: «Es war auch elendiglich damals, es herrschten Kriege und Not.» Da stelle sich schon die Frage, wieso es überhaupt Kultur oder Poesie gebe oder gegeben habe. Mit «Weltgedanken» geht es am Eröffnungstag dann auch gleich los. Im Wolkensteinsaal des Kulturzentrums sind die Wortmenschen Nora Gomringer, Safiye Can und José F. A. Oliver Gäste von Aerni, der moderiert. Musikalisch begleitet wird der Abend von Domenico Cerasani, Förderpreisgewinner der Stadt Konstanz 2015. Musikalisch geht der Abend weiter mit dem italienisch-bündnerischen Liedermacher Marco Todisco und Samuel Messerli, einer «lebenden Rhythmusmaschine» (Kommunales Kulturzentrum K9).

Beim Überbegriff «Heimatliebe» steht die Mundart im Mittelpunkt mit Olaf Nägele, Markus Manfred Jund und Hanspeter Müller-Drossaart. Aber auch musikalisch lässt sich Heimat verorten. Was nicht fehlen darf, sind Lesungen in den Weinstuben. Wer sie nicht kennt, sollte sich auch für eine der Stadtführungen entscheiden. Noch mehr Mittelalter lässt sich inhalieren mit dem «Minnesänger» Alan Julseth mit seiner Harfe – er tritt im Pulverturm auf und widmet sich nicht nur Oswald von Wolkenstein, sondern auch Walther von der Vogelweide und Neidhardt von Reuenthal.

Mit Arne Rautenberg kommt ein Star der Lyrikszene von Kiel nach Konstanz. Zur Rubrik «Wortakrobatik» trägt er mit einer Lesung für Kinder bei, da es ihm wichtig ist zu zeigen, dass Sprache Spass machen kann. Wie die «Wortakrobatik» zieht auch der «Tonwechsel» an unterschiedlichsten Orten ein, und das Zusammentreffen des Rappers Curse mit der Südwestdeutschen Philharmonie ist sicher mehr als blosses Aushängeschild des Phänomens «Crossover».

 

Brigitte Elsner-Heller

ostschweizerkultur@tagblatt.ch

Vorverkauf auf minne-meets-poetry.de


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