Rio de Janeiro feiert Karneval

BRASILIEN ⋅ Auftakt zum "grössten Spektakel auf Erden": Mit der traditionellen Schlüsselübergabe an die Feierwütigen hat der weltberühmte Karneval von Rio de Janeiro begonnen.
09. Februar 2018, 18:04

Ein Vertreter der Stadtverwaltung übergab den glitzernden Schlüssel am Freitag an "König Momo", die Symbolfigur des Karnevals. "Ich erkläre den Karneval offiziell für eröffnet", rief daraufhin "König Momo", gekleidet in ein blaues Kostüm, Krone auf dem Kopf und begleitet von der Karnevalskönigin und zwei Prinzessinnen.

Mit grosser Spannung war der Auftritt von Bürgermeister Marcelo Crivella erwartet worden. Der evangelikale Politiker gilt wegen seines Glaubens als Karnevals-Gegner, die finanzielle Unterstützung für die Feierlichkeiten strich er im Vorfeld um die Hälfte zusammen.

Während normalerweise der Bürgermeister der brasilianischen Millionenmetropole "König Momo" den Schlüssel übergibt, blieb Crivella der Eröffnungszeremonie im vergangenen Jahr fern. Er ignorierte sogar den Wettbewerb der Sambaschulen im Karnevalsstadion Sambodrom.

Dieses Jahr erschien Crivella bei der Eröffnungszeremonie - und verteidigte sich gegen den Vorwurf, ein Karnevals-Gegner zu sein. "Es ist nicht wahr, dass der Bürgermeister Vorurteile gegen Karneval hat", sagte er in einer Rede. "Ich will die Party nicht verderben."

Den Schlüssel an "König Momo" übergab Crivella aber auch dieses Jahr nicht. Er überliess das dem Leiter des städtischen Tourismusbüros und trat im entscheidenden Moment selbst einen Schritt zurück.
 

600 Umzüge angemeldet

Rio befindet sich bereits seit Tagen in Ausnahmezustand. Insgesamt sind dieses Jahr 473 Blocos und rund 600 Umzüge angemeldet. Dabei geht es auch um hochpolitische Themen: Viele Brasilianer nutzen die Strassenpartys, um ihrem Unmut über Korruption, hohe Kriminalität und die anhaltende Wirtschaftskrise im Land Luft zu machen.

Angemeldet waren unter anderem Proteste für und gegen den früheren Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva. Der beliebte linke Ex-Präsident (2003-2010) wurde kürzlich in zweiter Instanz zu über zwölf Jahren Haft wegen Korruption verurteilt, trotzdem will sich Lula erneut als Präsidentschaftskandidat für die Wahlen im Oktober aufstellen lassen.

Brasiliens berühmteste Open-Air-Party ist ein Tourismusmagnet. In den kommenden Tagen werden sechs Millionen Feiernde erwartet. Die Stadtverwaltung hofft auf 1,5 Millionen Touristen. In der unter hoher Kriminalität leidenden Stadt werden mehr als 17'000 Polizisten im Einsatz sein, um für Sicherheit zu sorgen.

Auch in anderen Städten des Landes wie die Wirtschaftsmetropole São Paulo oder Salvador da Bahia im Nordosten wird ausgiebig gefeiert. (sda/afp/dpa)


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