Gewerkschaft und Belegschaft wollen bei Zinctec retten, was zu retten ist

EGNACH ⋅ Die Unia will mit der Geschäftsleitung der Egnacher Verzinkerei über einen Sozialplan verhandeln. Das Management hüllt sich derweil in Schweigen.
08. Februar 2018, 17:18
Thomas Griesser Kym
Die umstrittene Art und Weise der angekündigten Einstellung des Betriebs der Egnacher Verzinkerei Zinctec AG hat die Gewerkschaft Unia auf den Plan gerufen. Am Donnerstagnachmittag hat sich eine Delegation unter Sektionsleiter Stefan Brülisauer mit der Belegschaft zu einer rund einstündigen Betriebsversammlung getroffen. Dabei haben die Beschäftigten die Unia mandatiert, mit der Firmenleitung über einen Sozialplan zu verhandeln. Ein solcher liegt bis jetzt nicht vor. Am Tisch sitzen und mitverhandeln soll auch eine gestern ad hoc gegründete Personalkommission, wie Brülisauer sagt. «Die Mitarbeitenden sind sehr enttäuscht von der Geschäftsleitung. Sie fühlen sich über den Tisch gezogen und im Stich gelassen.»
 
Laut Brülisauer geht es nun vorerst darum, den Kontakt zur Zinctec-Leitung unter Geschäftsführer und Verwaltungsrat Roman Heil herzustellen. Danach wolle man Verhandlungen aufnehmen. In einen Sozialplan gehören laut Ansicht Brülisauers Elemente wie Frühpensionierungen, Abgangsentschädigungen und Hilfe einer Outplacement-Beratungsfirma bei der Stellensuche. Die Unia fordert, dass Zinctec Zahlen betreffend des Geschäftsgangs und der Finanzlage offenlegt, damit man sich ein Bild von der Lage des Unternehmens machen könne. Ausserdem existiere eine Fürsorgestiftung der Zinctec. Deren Zweck ist laut Handelsregister die Vorsorge zugunsten der Arbeitnehmenden und darüber hinaus deren Unterstützung in Notlagen wie unter anderem Arbeitslosigkeit. «Wir wollen wissen, wie viel Geld vorhanden ist», sagt Brülisauer.
 
Noch besser wäre es laut dem Gewerkschafter natürlich, wenn alle oder wenigstens ein Teil der gut 40 Arbeitsplätze erhalten werden könnten. In diesem Zusammenhang äussert Brülisauer die Hoffnung, dass sich vielleicht doch noch Investoren finden; angeblich gebe es Interessenten. «Die Frage ist allerdings, ob die Geschäftsleitung wirklich eine Verkaufsabsicht hat oder den Betrieb lieber dichtmachen will.»
 
Zinctec-Chef Roman Heil antwortete am Donnerstag auf einen Fragenkatalog per E-Mail, er habe diesen «zur Kenntnis genommen. Der Verwaltungsrat hat hierzu den Beschluss gefasst, diesbezüglich keine weiteren Informationen zu verbreiten.» Am Vortag hatte er die geplante Schliessung auf Anfrage in einem Schreiben bestätigt, nachdem er mit anonym zugespielten Informationen darüber konfrontiert worden war. Heil sowie Zinctec-Verwaltungsratspräsidentin und -Inhaberin Carole Schmidt argumentieren, das Unternehmen bedürfte hoher Investitionen, die man nicht aus eigener Kraft stemmen könne. Gespräche mit möglichen Investoren und Unternehmen hätten zu keinem zählbaren Ergebnis geführt.
 
Die Schliessungsabsicht sei den Mitarbeitenden, die Ende Januar die Kündigung erhalten haben, bereits Ende vergangenen Septembers kund getan worden, dies im Rahmen eines «Konsultationsverfahrens». Brülisauer kritisiert, dass die Unia weder beigezogen noch eingeweiht worden war. Der Gewerkschafter vermutet unter diesem Vorgehen Kalkül: «Die Zinctec-Leitung wollte vollendete Tatsachen schaffen und  bewusst verhindern, dass wir uns frühzeitig einbringen können.»

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