OhO bricht Spendenrekord

SPENDENAKTION 2016 ⋅ Über 1,5 Millionen Franken sind bei der Weihnachtsaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern zusammengekommen. Die Spendensumme ist nicht der einzige Rekord, der neu aufgestellt wurde.

Katharina Brenner

Die Weihnachtsaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern (OhO) ist ihrem Namen einmal mehr gerecht geworden. Über 1,5 Millionen Franken haben Ostschweizerinnen und Ostschweizer gespendet, um Menschen in Not hier in der Region zu helfen. Das ist ein neuer Rekord. Er übersteigt den aus dem Vorjahr um gut 150 000 Franken. «Das freut uns sehr», sagt OhO-Vereinspräsidentin Nadine Knecht. «Noch nie durften wir so viele Ostschweizer, die nicht auf der ­Sonnenseite des Lebens stehen, unterstützen wie dieses Jahr.» Nicht nur die Spendensumme ist ein Rekord, sondern auch die Zahl der eingereichten Gesuche. 1858 waren es, fast 300 mehr als im Vorjahr. Rund 1650 davon wurden bewilligt.

Nadine Knecht erklärt den Erfolg der Spendenaktion damit, dass die Bekanntheit von OhO seit der Gründung im Jahr 2004 stetig zugenommen habe. «Offensichtlich vertrauen uns die Spender und schätzen es, dass der Spendenfranken fast eins zu eins an die Begünstigten weitergegeben werden kann.» Neben der Bekanntheit und dem Vertrauen spiele die Nähe eine grosse Rolle. «Viele Ostschweizer wollen in der Region helfen. Wir haben die Kontakte und Gesuche, um diese Nähe zu gewährleisten.»

Arztkosten und Anschaffungen für Kinder

Viele Gesuche würden von oder für Alleinstehende oder Allein­erziehende eingereicht, sagt Nadine Knecht. Häufig würden die Gesuchsteller um Unterstützung für Anschaffungen für Kinder und Arztkosten bitten. Beides könne das Haushaltsbudget von Menschen mit kleinem Einkommen rasch sehr belasten. «Die Not hat viele Gesichter, und es ist darum dringend erforderlich, dass jedes Gesuch einzeln an­geschaut und sorgfältig geprüft wird.» Bei Zahnarztbehandlungen etwa prüfe der Beirat minutiös, ob diese tatsächlich notwendig seien. Die Mitglieder des ehrenamtlich arbeitenden Beirats kommen aus den Kantonen Thurgau, St. Gallen und den beiden Appenzell und haben ganz unterschiedliche Hintergründe.

«Wir arbeiten gewissenhaft und prüfen seriös jedes einzelne Gesuch», sagt Beiratspräsidentin Marianne Kleiner. Momentan zählt der Beirat 15 Mitglieder. Nehme die Zahl der Gesuche weiter zu, müsse der Beirat personell vielleicht etwas ausgebaut werden. Die Monate November und Dezember sind für das Gremium am intensivsten. In dieser Zeit gehen die meisten Gesuche ein, und der Beirat möchte so viele wie möglich vor Weihnachten bearbeiten.

Vater hat Hirntumor, Mutter hat multiple Sklerose

Kleiner bestätigt, was Knecht über die Gesuche sagt: «Die meisten kommen von Menschen, die mit unglaublich schmalen Budgets leben müssen.» Jede unvorhergesehene Ausgabe bereite ihnen Kopfschmerzen, jede kleine Extrafreude, die sie sich gönnen, bringe ihre Finanzen aus dem Lot. Ein Schicksal aus der aktuellen Aktion sei ihr besonders in Erinnerung geblieben, sagt Kleiner. In einer Familie mit zwei Kleinkindern habe der Vater einen Hirntumor und kurze Zeit später die Mutter multiple Sklerose bekommen. «Was das für eine hoffnungsfroh gestartete Familie bedeutet, können wir wohl nur schwer nachvollziehen.»

Am meisten freue sie, dass der Beirat so vielen Menschen helfen dürfe. «Erstmals konnten schon vor Weihnachten praktisch alle Beiträge ausbezahlt werden», sagt die Beiratspräsidentin. Damit hat die Spendenaktion einen weiteren Rekord aufgestellt: Noch nie sind so viele Gelder vor Weihnachten bewilligt und ausgezahlt worden. Beendet ist die Aktion nach Weihnachten deshalb aber nicht. Denn Notsituationen sind an keine Jahreszeit gebunden.

Katharina Brenner

katharina.brenner@tagblatt.ch

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