Die Kunst lagert im Keller

AUSSERRHODEN ⋅ Im Kanton existieren weder ein Kunstmuseum noch künstlerische Ausbildungsmöglichkeiten. Aus der Not wurde eine Tugend gemacht: alternative Aufbewahrungs- und Ausstellungsorte sind entstanden.
05. Februar 2018, 10:42
Simon Roth

Simon Roth

simon.roth@appenzellerzeitung.ch

Appenzeller Kunstschaffende haben es schwer: Im Kanton gibt es kein eigentliches Kunstmuseum, auch an Ausbildungsmöglichkeiten mangelt es. Durch diese Umstände bedingt ziehen viele in grössere Metropolen. Damit sie auch in der Heimat wahrgenommen werden, unterstützt das Amt für Kultur deren Projekte mit Bezug zum Appenzellerland mit Förderbeiträgen.

«Jede Kunstsparte hat ihre Eigenheiten und erfordert entsprechende Förderformen», sagt Margrit Bürer, Leiterin des Ausserrhoder Amts für Kultur. Im Bereich der bildenden Kunst können die Werke einheimischer Künstler angekauft und in die kantonale Kunstsammlung integriert werden. Neben dem Fördereffekt bietet die Sammlung einen Überblick über die Entwicklung der regionalen Kunst.
 

Zivilschutzanlage bietet optimale Lagerbedingungen

Seit der Gründung des Amts im Jahr 2006 befindet sich die kantonale Kunstsammlung am selben Ort wie die Kantonsbibliothek: auf acht Räume verteilt in einer Trogner Zivilschutzanlage. «Zivilschutzanlagen sind zentral gelegen, gut gebaut und sicher», sagt Patrick Lipp. Der wissenschaftliche Mitarbeiter betreut die Sammlung. Die trockene und kühle Atmosphäre biete optimale Bedingungen für die Lagerung von Bildern und Archivgut. Vieles, was heute im Zivilschutzkeller lagert, war früher in privaten Estrichen und Kellern verteilt.

Seit über zehn Jahren werden Ankäufe digitalisiert. Alle Bilder, Plakate, Lichtbilder, Foto-Negative und Ölgemälde erhalten einen Strichcode. Die Werke sind über eine Datenbank im Internet ersichtlich und abrufbar. Teile der Sammlung hängen auch in Amts- und Verwaltungsräumen des Kantons, oder werden an Museen verliehen. Dabei handle es sich laut Margrit Bürer vor allem um Werke mit besonderer Ausstrahlung. «So werden die Arbeiten hiesiger Kunstschaffenden auch ohne eigenes Kunstmuseum in der Region oder in Museen in anderen Kantonen ausgestellt.»
 

Kulturelles Schaffen in seiner Vielfalt ermöglichen

Die kantonale Kulturförderung ist nicht auf bildnerische Kunst beschränkt. Laut aktuellem Kulturkonzept soll das kulturelle Schaffen in seiner Vielfalt ermöglicht werden. Neben bildender Kunst werden unter anderem auch die Sparten Film, Musik, Tanz, Theater und Literatur, das Brauchtum sowie das zeitgenössische Schaffen gefördert. Wer Gelder für ein Projekt anfragt, muss einen Antrag stellen. Sofern der ersuchte Betrag unter 5000 Franken liegt, entscheidet das Amt für Kultur. Sobald dieser Betrag höher ist, gibt der siebenköpfige Kulturrat eine Empfehlung an die Regierung ab. Diese fällt den abschliessenden Entscheid. Während in anderen Kantonen die Summe des Förderbetrags angepasst werden kann, werden in Appenzell Ausserrhoden Annahme- oder Ablehnungs-Entscheide zu der beantragten Summe ­gefällt. «Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht», sagt Margrit Bürer. Die Qualität der Anträge sei damit höher. Auch die Planungssicherheit für die Künstler sei gewährleistet.

Der grösste Teil des Budgets von jährlich 1,55 Millionen Franken geht an kantonale Körperschaften wie Bibliotheken, Museen sowie weitere bedeutende Kulturinstitutionen. Zudem hat das Amt für Kultur in den vergangenen Jahren Projekte in Bereichen initiiert, wo ein Förderbedarf besteht. So wurde 2016 der Literaturland-Schreibwettbewerb durchgeführt. Bald soll ein Kompositionsprojekt ausgeschrieben werden. Auch der Ausserrhoder Kulturpreis ist bereits fünf Mal verliehen worden. «Damit können wir überragenden Kunstschaffenden unsere Wertschätzung zeigen», sagt Bürer.
 

Kulturvermittlung beginnt in der Schule

Neben der Kulturpflege und der Förderung des aktuellen Kulturschaffens wird ein besonderes Augenmerk auf die Förderung der Kulturvermittlung gelegt. Kultur soll so möglichst breiten Teilen der Gesellschaft zugänglich gemacht werden. Im Bereich der Kulturvermittlung an Schulen setzt Ausserrhoden seit über drei Jahren auf das Projekt «kklick», das es mit den Kantonen St. Gallen und Thurgau aufgebaut hat. «Für einen kleinräumigen Kanton wie den unsrigen macht es Sinn, Synergien und Ressourcen in diesem Bereich zu bündeln», sagt Bürer.

Zwar besitzt Ausserrhoden keine Kunsthochschule oder ein Kunstmuseum, trotzdem zeichnet sich der Kanton durch eine sehr lebendige und vielseitige Kulturszene mit einer hohen Anzahl angesehener Kunstschaffenden aus, die weit über den Kanton hinausstrahlen. «Es freut mich, wenn Künstlerinnen und Künstler zurückkommen und hier Ausstellungen, Konzerte oder Filmvorstellungen durchführen», sagt Margrit Bürer. «Es ist aber auch schön, sie unterwegs zu begleiten, damit sie den Bezug zu ihrer Heimat nicht verlieren.»


Leserkommentare

Anzeige: