«Ich kann auch Härte zeigen»

SPEICHER ⋅ Am 8. April wird eine Nachfolge für den zurücktretenden Gemeindepräsidenten Peter Langenauer gewählt. Drei Kandidaten stellen sich zur Wahl. Wir stellen alle vor. Heute: den parteiunabhängigen Paul König.
05. Februar 2018, 10:43
Astrid Zysset

Astrid Zysset

astrid.zysset@appenzellerzeitung.ch

Er bezeichnet sich als «Heimwehappenzeller». Paul König hatte lange Zeit in Speicher gewohnt und pflegt auch heute noch Kontakte in die Gemeinde. «Jene hatten mich dann auch auf die Wahl zum Gemeindepräsidenten aufmerksam gemacht. Und ich dachte, warum nicht?» Spontan sei der Entscheid gefallen. Diese Spontanität liegt in der Familie. Seine Frau habe auf die Ankündigung hin, dass er kandidieren werde, sogleich gefragt, ob sie in seinem Wahlkomitee mitwirken dürfe. Und das tut sie heute auch. Das kleine Komitee besteht aus vier Leuten. Doch diese sind engagiert: Als einer der ersten Kandidaten hat König eine Website eingerichtet. Darauf angesprochen lächelt er und meint: «Schön, dass sie aufgefallen ist. Das gibt wieder ein paar Klicks mehr.» Das politische Parkett ist neu für ihn. König arbeitet als Produktionsleiter auf Mandatsbasis respektive als Manager ad interim. Nebenbei ist er als Reiseleiter unterwegs. Im vergangenen Jahr waren es deren 13 Wochen. «Das Amt des Gemeindepräsidenten wäre ein besonderer Meilenstein für mich», sagt der 54-Jährige.

Wie sich Speicher entwickeln soll, darüber hat sich König schon detailliert Gedanken gemacht. Langfristig will er die Gemeinde «vom Traditionellen ins Digitale» führen. Was er genau damit meint, lässt er aber offen. «Virtuelle Sachen» betreffe dieser Grundsatz wie auch Zusammenschlüsse. Kurzfristig gebe die Demographie den Lead vor. Angebote müssten sichergestellt werden, welche die Bedürfnisse der Jugend, der 30- bis 50-Jährigen und der älteren Generation abdecken. König spricht von Schulen, Ausbildungsplätzen, Kinderbetreuung und Altersheimen. «Allenfalls muss auch die Zusammenarbeit über die Kantonsgrenzen hinaus gesucht werden. Wichtig ist einfach, dass Speicher seine eigene Identität jederzeit beibehalten kann.» Und dass es eben alles bereitstellen kann, was spätere Generationen brauchen. Königs Idee: eine Art Zukunftswerkstatt in Speicher zu lancieren. Dies, gemäss dem Herisauer Vorbild, ebenfalls in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung. Aus der gewonnenen Auslegeordnung sollen dann die Legislaturziele abgeleitet werden. Den Durchhaltewillen, die Ziele auch tatsächlich umzusetzen, habe er, ist sich der 54-Jährige sicher. «Um etwas zu erreichen, braucht es zehn Prozent Inspiration und 90 Prozent Transpiration.»
 

«Ich weiss, was in Speicher läuft»

Und eine positive Grundeinstellung. Die hat König. Er lässt sich auch nicht von der Wahrscheinlichkeit beirren, als Auswärtiger – König wohnt in Aadorf – in der Wahl um das Gemeindepräsidium verminderte Chancen zu haben. Im Gegenteil: «Die Nähe zur Gemeinde, welche die anderen beiden Kandidaten vorweisen können, wird vielleicht nicht von allen Bürgerinnen und Bürgern geschätzt», so König. «Ich bin neutral, unabhängig und objektiv.» Die Sachpolitik liege ihm am Herzen. Er möchte sich nicht verbiegen, nicht auf bestehende Allianzen Rücksicht nehmen. Und: keine «Windfahnenpolitik» betreiben. «Ich bin zwar ein Konsensmensch, aber ich kann auch Härte zeigen.» Klingt schwer zu glauben, denn König besitzt ein sonniges Gemüt, lacht viel. Er fügt an: «Man muss nicht allen Recht geben.» Die Kritiken gelte es zu bündeln und abzuwägen, was ziel- und sachorientiert ist. «Echte Kritiker bringen auch vernünftige Gegenvorschläge. Und mit dem andern Gegenwind käme ich schon klar.» Das Appenzellerland nennt König das «gelobte Land». In Teufen aufgewachsen und lange Zeit in Speicher und Herisau gelebt, hat er über die Hälfte seines Lebens im Appenzellischen verbracht. «Hier ist es so familiär – das gefällt mir.» Nach Speicher kommt König lediglich drei bis viermal im Jahr, um Freunde und Bekannte zu besuchen. Trotzdem sagt er von sich: «Ich weiss, was hier läuft. Ich bin stets auf dem Laufenden.» Die SP Speicher-Trogen unterstützt Königs Kandidatur.


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