«Konflikte sind zum Lösen da»

SPEICHER ⋅ Am 8. April wird eine Nachfolge für den zurücktretenden Gemeindepräsidenten Peter Langenauer gewählt. Drei Kandidaten stellen sich zur Wahl. Wir stellen alle vor. Heute: Der parteiunabhängige Ruedi Herzig.
03. Februar 2018, 08:17
Astrid Zysset

Astrid Zysset

astrid.zysset@appenzellerzeitung.ch

«So wie ich die Speicherer Bevölkerung kennen gelernt und aus verschiedenen Gesprächen erfahren habe, hätte sie gerne jemanden aus dem Dorf», sagt Ruedi Herzig. Seit über sieben Jahren wohnen er und seine Frau Marlis in der Gemeinde. Zudem ist er Präsident und Gründungsmitglied des ortsansässigen Vereins «isaz-theater». Er rechnet sich daher reelle Chancen aus – Chancen auf die Wahl zum neuen Gemeindepräsidenten. «Ich bin in Speicher gut verwurzelt und fühle mich wohl im Dorf.» Der Entscheid, zu kandidieren, sei «sehr durchdacht» gewesen. «Für ein solches Amt muss man sich gut überlegen, ob man auch den breiten Rücken, den nötigen Sachverstand und das KnowHow hat, die es dafür braucht.» Mit seiner Frau habe er mehrmals darüber diskutiert. Ihre erste Reaktion war: Willst du dir das wirklich antun? Ja, ist Herzig heute überzeugt. «Natürlich hätte ich grosse Freude und wäre stolz, wenn sich die Wählerinnen und Wähler für mich entscheiden würden. Ich bin sehr motiviert, neue Aufgaben anzupacken.»

Auf die Frage, wohin sich Speicher entwickeln soll, gibt sich Herzig zurückhaltend. Es wäre vermessen, jetzt zu sagen, was es zu verändern gilt, meint er. Er hält inne, beginnt zu lächeln und sagt: «Wenn ich gewählt werde, beantworte ich diese Frage gerne in einem Jahr.» Wichtig für die Gemeinde sei es indessen, die Stärken beizubehalten. Generell gelte Speicher als «lebendiger Wohnort» an schöner Lage mit einem guten Schulsystem, einer ausreichenden Infrastruktur, einem funktionierenden Gewerbe, einem vielfältigen Vereinsleben und gesunden Finanzen. «Daran muss festgehalten werden, um attraktiv zu bleiben.»

Politisch kein unbeschriebenes Blatt

Eine offene Kommunikation sei Herzig wichtig. Diese pflege er auch in seiner jetzigen Funktion. Er leitet seit über zwölf Jahren die Betriebsstelle St. Gallen der PostAuto AG Region Ostschweiz. «Ich würde nicht aus Unzufriedenheit von dort weg gehen. Mir gefällt meine Stelle.» Zu seiner täglichen Arbeit zählen Gespräche mit Mitarbeitenden, Verhandlungen mit Partnern und Kunden. «Angenehme wie auch unangenehme Gespräche – das gehört dazu.» Herzig zuckt mit den Schultern. Streitigkeiten gehe er ruhig und gelassen an. «Konflikte sind zum Lösen da», sagt er nüchtern. Auch wenn es manchmal «holprig» sei. «Ich habe gelernt, nicht alles an mich heranzulassen und die Dinge sachlich zu betrachten.» Dennoch schätzt er es, wenn ein Problem offen angesprochen wird. Und zwar direkt, von Angesicht zu Angesicht. «Das ist immer noch der beste Weg, um etwas aus der Welt zu schaffen.»

Politisch ist der 55-Jährige kein unbeschriebenes Blatt. Als Gemeinderat wie auch Feuerschutzkommissionspräsident in Schönengrund und als Schulrat im Zweckverband Schönengrund-Wald konnte Herzig auf kommunalpolitischer Ebene Erfahrungen sammeln. «Ich hatte mich immer für die Gemeindepolitik interessiert.» 2004 zog er dann aus Schönengrund weg, und kehrte damit der Kommunalpolitik den Rücken. Seither zeigte er sich nicht mehr auf dem politischen Parkett. Warum eigentlich nicht? «Es lag zeitlich nicht drin. Beruflich bin ich zu stark eingespannt.» Nicht verwunderlich: Die Region, die er betreut, reicht vom Bodensee über Wil, ins Toggenburg bis hin nach Bad Ragaz. Sechs Teamleiter mit insgesamt 100 Mitarbeitenden sowie neun selbstständige PostAuto-Unternehmer unterstehen Herzigs Führung. Ein Pikettdienst macht das Engagement in ausserberuflichen Aktivitäten zusätzlich schwierig. «Und wenn ich mich für etwas entscheide, dann ganz oder gar nicht.» «Standpunkt Speicher» und der «Verein Gewerbe Speicher» haben bekannt gegeben, dass sie Herzigs Kandidatur unterstützen.


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