Frauenfelderin ist Mitglied der deutschen Buchpreis-Jury: "Ein gutes Buch gibt mir Arbeit"

DEUTSCHER BUCHPREIS ⋅ Die Frauenfelder Buchhändlerin Marianne Sax ist Mitglied der Jury für den Deutschen Buchpreis 2018. Das siebenköpfige Gremium wird von der Akademie des Preises jedes Jahr neu bestellt.
07. Februar 2018, 05:18

Marianne Sax, wie wird man als Frauenfelder Buchhändlerin Mitglied der Jury für den Deutschen Buchpreis?
Die Akademie Deutscher Buchpreis ist die Jury, welche die Jury aussucht. Die Formalitäten werden sehr genau befolgt. Jeweils ein Mitglied der Akademie ist aus der Schweiz. Aktuell ist das die Verlegerin Sabine Dörlemann aus Zürich. Sie hat mich als Buchhändlerin vorgeschlagen.

Haben Sie damit gerechnet?
Nein, überhaupt nicht. Es ist eine grosse Ehre für mich. Als zweite Schweizerin ist dieses Jahr auch Kritikerin Christine Lötscher Mitglied der Jury.

Welche Arbeit wartet auf Sie?
Seit gestern läuft die Ausschreibung für dieses Jahr. Ich weiss noch nicht, welche Bücher vorgeschlagen werden. Die Verlage dürfen bis zu zwei Bücher einreichen. Die kommen auf den Tisch der Jury. Das werden wohl ein paar hundert Bücher sein. Es muss nicht jeder alle lesen. Und dann hat es sicher etliche Werke darunter, bei denen nach erstem Überfliegen klar ist, dass sie nicht in die engere Wahl kommen.

Dennoch werden Sie viel zu lesen haben?
Ja, das ist klar. Ich weiss nun doch schon seit November, dass ich Mitglied der Jury werde. Seither lese ich nur deutsche Bücher, von denen ich mir erhoffe, dass sie beim Preis eingereicht werden, etwa die neuen Romane von Peter Stamm oder Arno Geiger. So habe ich im Idealfall einen Teil der Arbeit vorweggenommen.

Was macht für Sie ein gutes Buch aus?
Es muss mir etwas aufzeigen von dieser Welt und mich sprachlich herausfordern. Es gibt durchaus Krimis und Unterhaltungsliteratur, die okay sind. Aber ein richtig gutes Buch ist eines, das mir Arbeit gibt. Am Schluss sollte ich mir sagen können, ich bin reicher und ein bisschen gescheiter geworden durch die Lektüre. Ich erfahre etwas über eine Zeitepoche, einen Ort oder auch über die seelische Verfassung von Menschen, darüber, was uns zusammenbringt oder auch auseinander.

Wann legen Sie ein Buch ungelesen zur Seite?
Sobald es voller Floskeln steckt. Wenn zu vieles darin steht, von dem ich denke, das habe ich anderswo schon gelesen. Wir Jurymitglieder haben alle schon Tausende Bücher gelesen. Da sind wir ein Stück weit davor gefeit, auf Hochstapelei hereinzufallen.

Worin liegt die Bedeutung des Deutschen Buchpreises?
Kommerziell ist es der wichtigste Buchpreis im deutschsprachigen Raum. Die Preisträger schaffen es in der Regel auf die Bestseller-Liste und sind oft gar Nummer 1. Der Markt für deutschsprachige Bücher ist global der zweitgrösste. Der Preis ist daher auch weltweit eine grosse Nummer.

Ein Vorwurf lautet aber gerade, dass der Preis nur die Bestseller befeuert.
Es ist doch gerade die Absicht eines Preises, dass Bücher gelesen werden. Robert Menasses «Die Hauptstadt», das den Preis 2017 gewann, ist grosse Literatur und wird nun von einem breiten Publikum gelesen. Das ist doch nichts Schlechtes, oder? (hil)
 

Bisher gab es eine Schweizer Preisträgerin

Seit 2005 zeichnet eine Jury aus zwei Schriftstellern, vier Journalisten und einem Buchhändler den besten deutschsprachigen Roman des Jahres mit dem Deutschen Buchpreis aus. Stifter des Preises ist der Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Die Akademie Deutscher Buchpreis bestimmt jährlich eine neue Jury. Die Bekanntgabe der Gewinnerin oder des Gewinners findet am Montag, 8. Oktober, vor der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse satt. Bislang einzige Schweizer Preisträgerin war Melinda Nadj Abondji mit «Tauben fliegen auf» im Jahr 2010. Die Auswahl des Sieger-Romans erfolgt zweistufig. Die Jury sichtet die Einsendungen der Verlage und ernennt daraus zwanzig Titel für die Longlist, die am 14. August bekannt gegeben wird. Daraus wählt die Jury im September die sechs Titel der Shortlist aus. Ein Titel daraus gewinnt den Buchpreis (25'000 Euro), die Autoren der anderen fünf Titel erhalten als Finalisten je 5000 Euro. (hil)


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