Die meisten boykottieren den Boykott

OBERES RHEINTAL ⋅ Trotz umstrittenem Reglement für die Wagenbaugruppen: Die Fasnacht findet statt. Einige wenige Gruppen haben sich zwar zu einem Boykott entschieden. Es haben sich teils aber auch neue Gruppen angemeldet.
02. Februar 2018, 05:17
Max Tinner

Max Tinner

Bei manchen Fasnächtlern kam es gar nicht gut an, das Reglement, das die Organisatoren der Fasnachtsumzüge in Altstätten, Oberriet, Kriessern, Rebstein und Diepoldsau für die Wagenbaugruppen aufgestellt haben. Es geht darin um die Einhaltung der ohnehin geltenden Vorgaben hinsichtlich Brandschutz und Verkehrssicherheit, aber auch um die Begrenzung der Lautstärke der auf den Wagen installierten Musikanlagen. «So macht ihr die Fasnacht kaputt», hatte ein Wagenbauer letzten August geharnischt auf das Reglement reagiert. Und ein anderer meinte, dass er es sich ernsthaft werde überlegen müssen, ob er sich überhaupt noch die Mühe machen wolle, einen Wagen zu gestalten.

Tatsächlich werden nun einzelne der bisherigen Wagenbaugruppen an den Umzügen vom nächsten und übernächsten Wochenende nicht dabei sein. Etwa die «Läschtiga» aus Kriessern, wie Radio FM 1 kürzlich berichtete. In Kriessern wird die Fasnacht von der Musikgesellschaft organisiert. Marc Sieber, der für den Umzug verantwortlich ist, bedauert den Entscheid der Gruppe, weil sie stets mit überraschenden Mottos aufgefallen sei. Sieber steht aber weiterhin hinter dem Reglement. Es sei auch bei der ­einen Wagenbaugruppe geblieben, die den Umzug boykottiert. Mit 28 teilnehmenden Gruppen werde er etwa so lang sein wie ­andere Jahre: «Wir haben immer so zwischen 25 und 30 Gruppen», sagt Sieber. Es würden ­dieses Jahr auch eine oder zwei Gruppen erstmals teilnehmen.

Gleich sieht es in Rebstein aus, wo morgen Samstag der erste Umzug im Reglementsgebiet stattfindet. Kathrin Schmitter-Keel, OK-Präsidentin der Räbschter Dorffasnacht, spricht von «ein, zwei Gruppen», die heuer nicht mitmachen. Mit 41 gemeldeten Gruppen sei der Umzug aber «auch dieses Jahr voll». Besonders freut sie sich über Fussgruppen mit ideenreichen Mottos. Angesichts des von Jahr zu Jahr länger werdenden Umzugs und immer mehr Publikum am Strassenrand erachtet Kathrin Schmitter das Reglement für die Wagenbaugruppen für nötig. «Sicherheit ist für uns als OK oberste Pflicht», betont sie. Und wem die Fasnacht lieb sei, der akzeptiere das Reglement der Sicherheit zuliebe, ist sie überzeugt.

Um zehn Gruppen kleiner als letztes Jahr wird der Umzug in Oberriet sein. Aber 32 Gruppen sind es immer noch. «Für unsern Kinderfasnachtsumzug ist das eine stattliche Grösse», sagt Sonja Huber vom Blauring, der den Umzug organisiert. Einige wenige Wagenbaugruppen hätten sich entschieden, dieses Jahr den Umzug vom Strassenrand aus als Zuschauer mitzuverfolgen und sich erst einmal ein Bild von den Auswirkungen des Reglements zu machen, sagt die Oberrieter OK-Präsidentin: «Wir akzeptieren das und freuen uns, wenn sie ein anderes Jahr wieder dabei sind.» Es habe aber auch viele positive Rückmeldungen aufs Reglement gegeben. Vor allem Familien mit Kleinkindern und ältere Leute freuten sich auf einen weniger lauten Umzug, sagt Sonja Huber.

In Altstätten meldet man sich bereits fürs Jubiläum an

Auch am grössten Umzug, jenem in Altstätten, werden dieses Jahr einige bisherige Wagengruppen nicht teilnehmen. Dafür hätten sich andere angemeldet, sagt OK-Präsident Alex Zenhäusern. Letztlich seien es nur zwei Wagengruppen weniger als letztes Jahr, 14 statt 16. Mit insgesamt 52 Gruppen wird der Umzug in Altstätten heuer aber ohnehin etwas kleiner ausfallen als andere Jahre. Das liege daran, dass einige Gruppen, vor allem auswärtige, heuer auf eine Teilnahme verzichten, weil sie stattdessen nächstes Jahr hierher kommen möchten, erklärt Zenhäusern. 2019 feiern die Röllelibutzen das 100-jährige Bestehen ihres Vereins und die erstmalige Erwähnung der Altstätter Butzen in Dokumenten vor rund 400 Jahren. Der Jubiläumsumzug werde mit rund 100 Gruppen wesentlich grösser sein als gewohnt. 35 Anmeldungen lägen bereits vor.

Keine Auswirkungen, weder positive noch negative, hat das neue Wagenbaureglement vorerst auf die Fasnacht in Diepolds­au. Dort gibt es erst nächstes Jahr wieder einen Umzug.

11 Wagen zur Vorkontrolle auf der Allmend

Unterm Strich liegt die Grösse der Umzüge im Bereich der jährlichen Schwankungen. Die Mehrheit der Wagenbaugruppen akzeptiert das Reglement offenbar. Immerhin 11 Wagen sind am Montag auf der Altstätter Allmend den Umzugsorganisatoren zur Abnahme vorgeführt worden. Die gemeinsame Kontrolle ist ein positiver Nebeneffekt des regionalen Reglements: Gruppen, die ihren Wagen hier zeigen, müssen sich dem Prozedere nur einmal statt mehrfach unterziehen, wenn sie an mehreren Umzügen teilnehmen.

Vorzuweisen haben die Wagenbaugruppen unter anderem eine Bestätigung des Strassen­verkehrsamts und einen Versicherungsnachweis. Die Schreibarbeit dafür sei schon etwas aufwendig, sagt Dominik Geisser von der Oberrieter Wagenbaugruppe OHT, die heuer erstmals einen Wagen gebaut hat. Auch die Gebühren für die Bestätigungen und Bewilligungen freuen Geisser nicht grad. Dennoch findet er es «richtig, dass man schaut», dass die Sicherheitsvorschriften eingehalten werden. Eine Auflage, die den OHT-Fasnächtlern vom Strassenverkehrsamt gemacht wurde, waren Überbreitemarkierungen am Traktor.

Eingefleischte Fasnächtler dürfte das Wagenbaureglement ohnehin nicht abschrecken – wer sich über das Papier aufregt, könnte es dieses Jahr im Gegenteil als Motto heranziehen.

 

 


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