Vier Kirchen öffnen ihr Türen während vier Nachtstunden

AM ALTEN RHEIN ⋅ Am Samstag luden vier evangelische Kirchgemeinden zu Musik und Informationen, mit Besinnlichem und Unterhaltsamem: 16 abwechslungsreiche Stunden und kulinarische Überraschungen.
05. Februar 2018, 05:17
Max Pflüger

Max Pflüger

Im Rahmen der Anlässe zum Jubiläum «500 Jahre Reformation» stand die Nacht der offenen Kirchen in St.Margrethen unter dem Motto «Eine Nacht mit Johannes Kessler». Kessler war neben Vadian einer der treibenden Kräfte der Reformation in St.Gallen. Buechen setzte unter dem Motto «Singen macht Freude» einen musikalischen Schwerpunkt. In der Kirche Thal lag der Schwerpunkt auf geschichtlichen und theologischen Aspekten: «Im Spiegel von gestern die Kirche von heute», und Rheineck lud zum Motto «Wandelbar» zu einem bunten und abwechslungsreichen Programm mit einem interessanten Gang durch eine moderne Bilderwelt, zum Bibelkabarett und zum Spiel «Wer wird Biblionär?» – «Wer wird Millionär?» Mit Fragen zur Bibelkenntnis.
 

Mit Kinderliedern in den Abend

Ganz dem Lied gewidmet waren die vier Stunden in der evangelischen Kirche Buechen, zu denen Pfarrer Klaus Steinmetz interessante Einführungen gab. Im ersten Block um 19 Uhr präsentierten Kinder der Musikschule Am Alten Rhein unter der Leitung von Musiklehrer Sami Kajtazaj fröhliche Kinder- und Lagerlieder. Erst seit rund zweihundert Jahren gibt es sie, wusste Klaus Steinmetz. Vorher waren Kinder bloss «kleine Erwachsene», die in den Arbeitsprozess der Eltern eingebunden waren und mithelfen mussten. Schule, Spielen und «Froh zu sein bedarf es wenig», das kam erst später.
 

Eigenheiten einer paritätischen Kirche

Paritätische – von Katholiken und Reformierten gemeinsam genutzte Kirchen – gab es im Rheintal häufig und gibt es heute noch. Pfarrerin Barbara Köhler führte in einem theologisch-kunsthistorischen Rundgang die Besucher durch die «neu-alte Kirche» von Thal und wies die vorwiegend evangelischen Gäste auf die zahlreichen katholischen Elemente hin, die sie respektvoll erläuterte. Später hatten die Gäste Gelegenheit, auf den Turm zu steigen und das nächtliche Dorf und die Aussicht über das Tal hinaus von oben zu geniessen.

Im Mittelpunkt des Anlasses in St.Margrethen stand die Autorenlesung. Martin Stankowski stellte seinen Roman «Die geöffnete Tür. Eine Erzählung aus der Reformationszeit» vor. Eine besondere Attraktion war ausserdem die Gelegenheit, zusammen mit Bäcker Reto Niederer ein «Reformationsbrot» zu backen. Das Rezept dazu hatte Niederer selbst entwickelt. Es besteht aus einem alten Sauerteig und Urdinkel, Zutaten wie man sie bereits zur Reformation vor 500 Jahren kannte. In allen vier Kirchen wurden zudem Köstlichkeiten für den Gaumen angeboten.
 

Hiob im Werk von Günther Uecker

Ein Schwerpunkt in Rheineck lag auf dem Bild. Der Rheinecker Gallerist Aloysius Wilmsen, Spezialist für zeitgenössische Kunst, stellte den «Nagelkünstler» Günther Uecker und dessen ausdrucksstarkes Bildwerk vor. Uecker wurde 1930 an der pommerschen Ostseeküste geboren. Er lebt und arbeitet heute in Düssel­- dorf und St.Gallen. Seiten aus seinem wertvollen und grossformatigen Kunstbuch mit Bildern und Texten in Hebräisch und Deutsch aus dem alttestamentlichen Buch Hiob, bildeten die kleine Kunstausstellung im Kirchenraum. Der mit dem Künst­ler befreundete Galerist führte durch dessen Bildwelt und gab Erläuterungen dazu.


Leserkommentare

Anzeige: