Zwei St.Galler Gassen erhalten einen glatt geschliffenen Mittelstreifen

ALTSTADT ⋅ Die nächste Etappe der Altstadt-Neupflästerung soll fussgängerfreundlicher werden. Durch die Brühl- und Kugelgasse führt künftig ein glatt geschliffener Mittelstreifen.
07. Dezember 2017, 05:20
Roger Berhalter

Roger Berhalter

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Stück um Stück, Pflasterstein um Pflasterstein, wird die Altstadt neu. Nachdem Neu-, Spiser- und andere Gassen bereits neu gepflästert sind, folgt ab kommendem Frühling die nächste Etappe: Auch Brühl-, Glocken-, Kugel- und Löwengasse erhalten einen neuen Belag. Das Stadtparlament hat im November entsprechende Kredite genehmigt: 2,4 Millionen Franken fliessen in die Neupflästerung der Brühlgasse (zwischen Spiser- und Spitalgasse) und der Glockengasse. 960000 Franken investiert die Stadt in die Neupflästerung der Kugelgasse (zwischen Spital- und Spisergasse) und der Löwengasse.

Ältere fühlten sich ausgegrenzt

Im Vergleich zu den bisherigen Pflästerungen weist diese Etappe einen entscheidenden Unterschied auf. In der Mitte der Gassen wird ein Mittelstreifen eingelassen, 90 Zentimeter breit und aus glatt geschliffenem Naturstein. Damit Gehbehinderte, Senioren und Eltern mit Kinderwagen leichter durch die Gassen gelangen können. Baudirektorin Maria Pappa möchte aus der Vergangenheit lernen. «Nach der Neupflästerung der Neugasse gab es grosse Kritik.» Sie habe Briefe, Karten und Mails erhalten, vor allem von älteren Stadtbewohnern, welche sich über den holprigen Bodenbelag beklagt hätten. Schliesslich lud Pappa die Betroffenen zu einer Begehung vor Ort. Laut Pappa stellte sich heraus, dass die geplante Neupflästerung für (zu) viele Stadtbewohner ein Hindernis darstelle. Da läuteten bei der Sozialdemokratin die Alarmglocken. «Es ist wichtig, dass sich ältere und gehbehinderte Menschen nicht ausgegrenzt fühlen und weiterhin in die Altstadt kommen», sagt Pappa. Deshalb liess sie den Belag im oberen Teil der Neugasse nachschleifen, und deshalb sind auf der Brühl-, Glocken-, Kugel- und Löwengasse nun glatt geschliffene Mittelstreifen geplant.

Komfortabel, aber teuer

Im Vergleich mit anderen Schweizer Städten habe St.Gallen damit komfortable Altstadtgassen, sagt Pappa. Auch wenn die Pflästerung mit Mittelstreifen verhältnismässig teuer sei. So dürfte das Projekt Brühl- und Glockengasse 93000 Franken teurer werden als ursprünglich geplant. Bei der Pflästerung von Kugel- und Löwengasse sind gemäss Parlamentsvorlage Mehrkosten von 62000 Franken zu erwarten. Im Stadtparlament waren die zwei Vorlagen dennoch kaum umstritten, nur die Grünen äusserten Kritik (siehe Zweittext).

Ob nun alle weiteren Altstadtgassen mit altem Belag ebenfalls die neuen Mittelstreifen erhalten, kann Maria Pappa noch nicht sagen. Das müsse man von Fall zu Fall entscheiden.
 

Kritik: Es ginge auch ökologischer

Die Fraktion der Grünen und Jungen Grünen im Stadtparlament sieht die nächste Pflästerungsetappe kritisch. Gegen einen neuen Belag habe man nichts, sagt Fraktionspräsident Clemens Müller. Jedoch gäbe es ökologischere Varianten. Müller erwähnt als positives Beispiel den Gallusplatz, die Hinterlauben und den Klosterhof: Dort sei der gepflästerte Boden noch durchlässig, Wasser könne abfliessen und eine «gewisse Mikrovegetation» sei möglich. Das sei besser als die totale Versiegelung, die in der Brühl- und Kugelgasse geplant sei. Mit einer ökologischen Pflästerung wären laut Müller auch künftige Bauarbeiten leichter zu kaschieren und es entstünde kein Flickenteppich. (rbe)


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