Ein Festival voller Höhepunkte

Das Programm etwas abgespeckt, dafür aus verschiedenen Stilen nur das Allerfeinste: Das Jazzfestival Sargans ist seinem Ruf einmal mehr gerecht geworden.
01. September 2014, 02:37
JERRY GADIENT

SARGANS. Beinahe schwindlig spielten die Mannen um Bandleader Albie Donnely das Publikum am Freitagabend im Wingert-Zelt. Supercharge, seit 40 Jahren auf der Bühne, bewegten sich zwischen «Blues Brothers»-Style und handfestem Rock. Zum Publikumsliebling avancierte Gitarrist Roy «The Boy» Herrington mit seinen Parodien auf Rockgrössen, vor allem aber mit den unglaublichen Tönen, die er den sechs Saiten entlockte. Auf der Bühne stand eine Band, deren sieben Mitglieder allesamt das Prädikat «Weltklasse» verdienten.

Ein Auftritt für die Geschichte

Der Auftritt von Supercharge wird in die Geschichte des Festivals eingehen. Doch von einem «einsamen Höhepunkt» zu sprechen, wäre mehr als nur vermessen. Ausnahmslos kann bei den Künstlern, die am Freitag und Samstag in den Zelten beim Schulhaus Sandgrueb sowie im Blueskeller auftraten, von Ausnahmekönnern geredet werden. Schön, dass dazu auch einheimisches «Gewächs» wie der Melser Blueser Andy Egert sowie Jazzafinado, die mit subtilem Lounge-Jazz aufwarteten, gezählt werden darf. Und natürlich die Melser Musikgesellschaft Konkordia mit dem Sarganser Trompeter und Gastsolist Beda Hidber. Diese hatte ein komplettes rund anderthalbstündiges Konzert mit allerfeinsten Jazznummern einstudiert.

Wiedersehen mit Freude

Dai Kimoto und seine Swing Kids waren dem Sarganser Publikum schon vom Auftritt am letzten Festival vor zwei Jahren bekannt, und das Wiedersehen mit den hervorragenden Musikanten im Teenageralter machte Freude. Auch Hampa & The Charms und Fast Eddy mit seiner Blue Band sind in Sargans keine Unbekannten, sie rockten in Ablöse mit Kudel Renner & His Amazing Blues Orchestra sowie Andy Egert den Blueskeller. A propos Egert: Dieser war als führende Figur unter anderem zusammen mit OK-Präsident Beat De Coi (an den Tasten) und Trompeter Beda Hidber in der Nacht auf Sonntag bis um 4 Uhr früh an der abschliessenden Jam Session im Einsatz.

Ein Wiedersehen gab es auch mit den Pianisten Chris & Mike, die dieses Mal in zehnköpfiger Formation inklusive Sängerinnen und Bläsersektion auftraten. Erstmals in Sargans war eine schräge Truppe aus Frankreich: Ceux qui marchent debout verquirlten Funk, Ska und vieles mehr zu einer Non-Stop-Partymusik. Dixie, die Jazzart, die am Ursprung des in den Achtzigerjahren gegründeten Festivals stand, gab es natürlich auch. Nicht mehr soviel wie früher, aber zu kurz kam niemand. Eine neue Location war das Zelt «Jazz & Wine». «Da müssen wir nächstes Mal wohl ein grösseres Zelt hinstellen», ist eine Erkenntnis von Beat De Coi angesichts des grossen Andrangs. Hier sorgte zum Beispiel der Holländer Rob Henneveld mit seiner Jazz Connection dafür, dass sich eine Menschentraube ums Zelt bildete. Mit Angela van Rijthoven hatte die Jive-Band eine Sängerin dabei, die auch mit ihren Tanzeinlagen verzückte.

Rund 4500 Besucher

Rund 4500 Besucher zogen ins Städtli, etwa 500 mehr als vor zwei Jahren. Am Samstag wurden deutlich mehr Besucher gezählt, was auch auf das Wetter zurückzuführen ist. Regnete es am Freitag in Strömen, war den Festivalverantwortlichen und Jazzfans am Tag darauf ein herrlich schöner Abend vergönnt.


Leserkommentare

Anzeige: