«Direkter Kontakt ist am besten»

REGION ⋅ Um geeignete Lehrlinge zu finden, betreiben Unternehmen einen grossen zeitlichen und finanziellen Aufwand. Das lohnt sich: Bleibt der Lehrling nach der Ausbildung, profitiert das Unternehmen und die Wirtschaft.
18. Mai 2017, 07:35
Alexandra Gächter

Alexandra Gächter

alexandra.gaechter@wundo.ch

Gestern führte die Firma VAT in Haag den Infonachmittag für ihre Lehrberufe durch. Zahlreiche Schüler folgten dieser Einladung. Zielgruppe des Anlasses sind Schülerinnen und Schüler im 2. Oberstufenjahr, welche für den Sommer 2018 eine Lehre als Konstrukteur, Produktionsmechaniker oder Polymechaniker suchen. Für diesen Sommer hat die VAT bereits alle ihre neun freien Lehrstellen vergeben. «Für die sechs Stellen als Polymechaniker und Produktionsmechaniker erhalten wir in der Regel zwischen 15 und 20 Bewerbungen, für die drei Stellen als Konstrukteur bewerben sich zwischen 12 und 20 Personen», sagt Karl Ammann, Lehrlingsbetreuer der VAT. Bewerbungen von Frauen seien bei diesen typischen Männerberufen leider immer noch eher selten. Etwa jeder fünfte Lehrling sei bei ihnen eine Frau. «Wenn ich zwischen zwei Bewerbern wählen muss, die beide gleich gute Noten haben, bevorzuge ich die Frau», so Ammann. Für die Teambildung sei es besser, Frauen in der Abteilung zu haben.

«Erfolgreich, aber nicht einfach»

Für die Rekrutierung der Lehrlinge investiere die Firma VAT viel Zeit und folglich viel Geld. «Man muss aktiv bleiben und Werbung machen, damit man die Jungen für sich gewinnt. Sie spazieren nicht einfach in unsere Firma», sagt Ammann. Aus diesem Grund schalte die VAT Inserate, veranstalte einen Tag der offenen Türe, schicke Flyer an die Schulen und biete Firmenbesichtigungen für Schulklassen an. «Wir sind damit erfolgreich, aber einfach ist es nicht», so Ammann.

Ähnlich macht es die Grabser Firma Lippuner EMT. «Der direkte Kontakt ist am besten», ist Georges Mark, Personalverantwortlicher der Lippuner EMT, überzeugt. «Wir schreiben die Schulgemeinden an und informieren sie über unsere individuell zusammengestellten Führungen», so Mark. «Je nachdem, ob eine Real- oder eine Sekundarklasse kommt, stellen wir zusammen mit unseren Lernenden zwei bis drei geeignete Berufe vor.»

9 der 15 freien Lehrstellen konnte die Firma Lippuner EMT für den Sommer 2017 besetzen. «Wir sind nicht darauf angewiesen, dass wir die restlichen Stellen besetzen, dennoch kann man sich bei uns noch für den Sommer bewerben», so Mark. Schwierigkeiten, die freien Lehrstellen zu besetzen, habe die Firma beim Anlagen- und Apparatebauer, Heizungsinstallateur, Lüftungsanlagenbauer, Metallbauer und Spengler. Auch bei den technischen Büroberufen wie beim Gebäudetechnikplaner seien weniger Bewerbungen eingegangen als früher. «Das liegt wohl auch daran, dass diese Berufe nicht so bekannt sind», sagt Mark.

Lehrling, Firma und Wirtschaft profitieren

«Die Jugendlichen informieren sich oft zuerst über Berufe, die sie vom Hörensagen kennen, wie zum Beispiel den Polymechaniker oder den Konstrukteur», sagt Peter Jehli-Kamm, Leiter der Berufs- und Laufbahnberatung Werdenberg. Erst dann führe ihr Interesse allenfalls zum Produktionsmechaniker oder zum Gebäudetechnikplaner. Die häufigsten Lehrberufe seien bei den Frauen Kauffrau, Fachfrau Gesundheit und Detailhandelsfachfrau, bei den Männern Kaufmann und Polymechaniker, so Jehli-Kamm.

Nicht nur die Rekrutierung der Lehrlinge, auch ihre Ausbildung kostet die Unternehmen viel Geld. Der Aufwand ist es aber wert. «Es ist eine Win-win-Situation», sind sich Ammann und Mark einig. Kann eine Firma ihren ehemaligen Lehrling behalten, spart sie Geld. Denn externe Mitarbeiter würden in der Regel mehr kosten und müssen erst interne Abläufe und Produkte kennen lernen. Das dauere ungefähr ein Jahr, so Ammann. Ausserdem sei es möglich, dass es dem externen Mitarbeiter nach einer Weile nicht mehr gefällt oder er nicht ins Team passt, den ehemaligen Lehrling kenne man hingegen schon.

«Für uns ist es wichtig, dass wir Berufsnachwuchs haben, denn Fachleute sind schwierig zu finden», sagt Mark. Auch für Jugendliche sei eine Lehre wichtig. «Viele haben in den letzten Jahren studiert und müssen nun zu tiefen Löhnen Praktika machen. Es braucht eben keinen Manager, wenn niemand mehr das Handwerk macht», so Mark. Und last but not least nützen Lehrlingsstellen der Wirtschaft. «In der Lehre lernt man Handwerksarbeit mit Qualität, damit können wir uns vom Ausland abheben», sagt Mark abschliessend.


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