Gülle und Abwärme nutzen

BUCHS ⋅ Innovative Energie-Projekte und zukünftige Entwicklungen in der Technik und Gesellschaft: Der Kundenanlass von Rii-Seez-Power mit Verleihung der Preise im Energiewettbewerb bot viel Stoff zum Staunen.
07. Dezember 2017, 05:20
Thomas Schwizer

Thomas Schwizer

thomas.schwizer@wundo.ch

Die grosse Anzahl der Teilnehmenden am Anlass in der NTB zeigte am Dienstagabend, dass hier Interessantes zu erfahren war. Klimawandel, Energie 2050, 2000-Watt-Gesellschaft, Klimaschäden, CO2-Reduktion, Industrie 4.0, Internet der Dinge, Cloud: das sind Themen, die fast täglich zu vernehmen sind. Das sagte einleitend Markus Schommer, Direktor des EW Buchs und Präsident der regionalen Interessengemeinschaft Rii-Seez-Power. IT, Telekommunikation und Energiewirtschaft würden immer mehr verschmelzen. Dank der Kooperation in der IG Rii-Seez-Power könnten lokale Elektrizitätsversorger Ressourcen gemeinsam nutzen und innovativ bleiben.

Schommer wies auf die Wichtigkeit des Bildungs-, Forschungs- und Innovationsplatzes Buchs hin. Rektor Lothar Ritter zeigte jene der NTB auf. Von knapp 35 Millionen Franken Jahresumsatz wird die Hälfte aus angewandter Forschung und Entwicklung sowie mit Dienstleistungen selbst erwirtschaftet. Dazu gehören auch der Studiengang Systemtechnik und das 2016 eröffnete Labor Haus 4.

Hinsichtlich der Zukunft und der raschen Entwicklungen braucht es diese Know-how-Stätte ebenso wie Ideen im gesamten Energiebereich.

Starke Energieprojekte als Preisträger ausgewählt

Der Naturstromfonds von Rii-Seez-Power fördert und unterstützt in der Region Innovationen zu den Themen Energieproduktion, Energiesparen, Ökomarketing/Bewusstseinsbildung und Energiespeicherung. Ein Bereich davon ist der Energiewettbewerb. Auf dem Programm des Anlasses stand die Vorstellung der Projekte, welche die vier Finalistenteams präsentierten.

Auf den geteilten 1. Platz hat die Jury die Projekte «Abwärmenutzung von Gross-Transformatoren» von Daisuke Hasegawa und Sandro Walt (Kategorie Energiesparen) sowie «eQuiz» von Ladina Bilgery und Wilmar Ender (Kategorie Öko-Marketing/Bewusstseinsbildung) gesetzt. Beim ersten Projekt soll die Abwärme von Gross-Transformatoren als Fernwärme für das Heizen der Häuser genutzt werden statt durch Kühlung vernichtet werden. Beim zweiten Projekt sollen technische Lösungen unterhaltsam in Quizform «unter die Leute gebracht» werden. Sie sollen so spielerisch motiviert werden, Informationen zu Energie und Umwelt zu konsumieren.

Auf den geteilten 2. Platz kamen die Projekte «Bedarfsgerechte Lüftung» (Kategorie Energiesparen) von Sabrina Weder, Roger Keller und Dominik Manser und «Energiepotenzial der Bauernhöfe» von David Walser und Eric Michel (Kategorie Energieproduktion).

Das erste Projekt zeigt auf, wie mittels individuellem Lüftungsprofil in belüfteten Häusern im Minergie-P-Standard ein bedeutender Wärmeverlust durch den Luftaustausch stark vermindert werden kann. Das Profil kann der Nutzung einfach für sich anpassen – zum Beispiel während Ferien oder am Wochenende oder des Kochens. Beim zweiten Projekt soll die Gülle von Landwirten in bestehende Biogasanlagen bei einer ARA – zum Beispiel in Sargans – gebracht werden, wo sie für die Produktion von elektrischer Energie genutzt werden kann. Da keine neuen Anlagen nötig seien, sondern nur ein Ausbau, würden die Investitionskosten in drei bis vier Jahren gedeckt, hiess es. Und die Landwirte würden für die Lieferung Geld erhalten.

Die Preisträger wurden mit einer Summe von jeweils 3000 (1. Platz) bzw. 2000 Franken (2. Platz) belohnt. Die weiteren vier eingereichten Projekte seien ebenfalls stark gewesen, erklärte Markus Schommer. Allerdings hätten einige davon Themen betroffen, in denen bereits ähnliche Projekte vorhanden sind, und seien deshalb nicht in die Preisränge gekommen.
 

Die Geschwindigkeit der Veränderungen ist sehr gross

Der Zukunftsforscher Georges T. Roos zeigte mit Blick in die Zukunft, wie sich die Welt bis in 20 Jahren verändern wird. Das Tempo sei sehr schnell, die Anpassungszeit kurz und die Gefahr, dass man auf dem falschen Fuss erwischt wird, entsprechend gross. Es sei etwas sehr Grosses in Bewegung. Die Hälfte der heutigen Primarschüler werde in Berufen arbeiten, die es heute noch nicht gibt. Einige Berufe würden überflüssig, andere werde es neu geben. Die Menschen müssten länger arbeiten und sich immer neu qualifizieren, aber sie seien auch vitaler. «Big Data» sei nicht nur erschreckend, sagte Roos. So könne künftig künstliche Intelligenz (ein Computer) aufgrund der Symptome aus 10000 Krankheiten eine Krankheit wohl besser zuordnen als ein Arzt. (ts)


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