Karibikgenuss ohne Ende

GRABS ⋅ Aus einer Wette entstanden die Traumferien der Familie Berger. Ferien ist allerdings untertrieben, es wurde eine einjährige Auszeit, davon neun Monate auf einem Segelschiff in der traumhaft schönen Karibik.
17. Juli 2017, 06:52
Heini Schwendener

Heini Schwendener

heini.schwendener@redaktion.ch

Eine Woche Ferien? Zu kurz. Zwei Wochen? Okay. Drei Wochen? Super. Mehr als drei Wochen? mega, aber schwierig wegen des Jobs, der Schule usw. Familie ­Berger aus Grabs hat sich erst gar nicht damit herumgeschlagen, sondern in weit grösseren Dimensionen gedacht, als es an die Planung der Ferien ging. Die Ferien wurden zum Familienprojekt für die Eltern Rolf und Jeannette mit ihren Kindern Julian, Johanna und Florentin – zur einjährigen Auszeit.

Rückblende: Ausgangspunkt war eine Art Wette. «Wenn ich diese drei Projektwettbewerbe gewinne», sagte vor Jahren Architekt Rolf Berger, «dann geht’s für ein Jahr ab in die Karibik.» Er ­gewann. Und er beliess es nicht bei leeren Worten. Als es sich schliesslich für die Kinder wegen Schule und Lehre einrichten liess, brach die fünfköpfige Familie im Sommer 2013 auf.

Profiskipper für die grosse Überfahrt

Zuerst, wegen der Hurrikan-­Saison in der Karibik, für drei ­Monate nach Griechenland, danach nach Martinique in der ­Karibik. Bergers heuerten einen Skipper an, mit dem sie während drei Tagen und Nächten auf ­hoher See auf die Virgin Islands segelten, ein Inselparadies mit goldgelben Traumstränden, Korallenriffen und grün bewaldeten Gipfeln. Danach war Rolf Berger, der über Segelerfahrung auf Binnengewässern und inzwischen natürlich auch über den Hochseeschein verfügte, der Kapitän des Segelschiffs «Loul». Dieses war nun neun Monate lang das Zuhause der Familie.

Johanna Berger, die uns die Feriengeschichte erzählt, kommt ins Schwärmen: «Es war wunderbar. Für uns Kinder eine Zeit ohne Schule, ohne den Druck, etwas lernen zu müssen. Aber auch für die Eltern, die rauskamen aus dem Alltag, aus den Terminen und dem ständigen Druck.»

Sechs Monate für den ­Rückweg nach Martinique

Drei Monate segelte die Familie durch das Inselparadies der Virgin Islands, eine traumhaft schöne Gegend, wo immer Sommer herrscht und die See einigermassen ruhig ist. Bergers hatten viele herzliche und bereichernde Kontakte zu Einheimischen und anderen Seglern aus aller Herren Länder. Nach Monaten war es dann so weit: «Wir brauchten sozusagen Ferien von den Ferien», erinnert sich Johanna Berger. Und so buchte sich die Familie einen Flug und zwei Wochen Hotel­ferien in Kuba. Da hatten ihre Betten endlich wieder einmal ­einen festen Untergrund. Bergers haben auf Kuba auch Leute aus Grabs getroffen. Nach drei Monaten Virgin Islands machte sich die Familie auf den Rückweg nach Martinique. Für diesen Rückweg vorbei an den Karibikinseln Anguilla, Sint Maarten, Barbuda, Guadeloupe und wie sie alle heissen, liessen sie sich aber Zeit, sehr viel Zeit, nämlich sechs Monate bis zum Sommer 2014. Die längsten Segeltörns, zu denen sie immer wieder aufbrachen, dauerten ­sieben bis acht Stunden. Gesegelt wurde nur tagsüber. Dabei erlebten die Grabser einige Unwetter, «aber richtig gefährlich wurde es kaum, und wenn, hat unser Vater die Situation gut gemeistert. Und wir hatten auch etwas Glück», erzählt Johanna Berger. Auch die Kinder, die von klein auf bei ­Segelausflügen auf dem Bodensee dabei waren, haben während dieser Zeit das Segeln richtig gelernt und verfügen inzwischen auch über Segelscheine für Binnen­gewässer. Lehrreich waren die vielen Gespräche mit anderen Seglern, und wertvoll waren auch deren Tipps. So besuchten Bergers die lauschigsten Buchten und die schönsten Städtchen.

Die neun Monate auf dem ­Segelschiff schweissten die Familie zusätzlich zusammen. In den beengten Verhältnissen sei der Umgang untereinander ganz anders geworden, «unsere Beziehung hat eine neue Qualität bekommen», erzählt die inzwischen 19-Jährige. Sie redet aber auch Reibereien nicht schön. «Dann waren wir jeweils gezwungen, die Probleme gemeinsam zu lösen, denn entfliehen konnten wir dem Boot höchstens bis ganz oben auf den Mast.» So gelangten sie zur Erkenntnis, dass die Kinder unterfordert waren. Eine Lösung war schnell gefunden. «Wir haben zusammen Schule gemacht, Sprachen und anderes gelernt. Die Stimmung wurde sofort wieder besser.» Auch Hobbys haben sie sich auf dem Schiff zugelegt. Und Landgänge sorgten immer wieder für Abwechslung.

Ein Palmwedel als ­Christbaum

Speziell waren die Feiertage. An Weihnachten diente ein Palm­wedel als Christbaum. Auch Geburtstage wurden auf hoher See oder irgendwo auf einer Karibikinsel gefeiert. Als der Sommer 2014 nahte, fanden die Kinder: «Jetzt ist es genug.» Sie vermissten inzwischen ihre Freundeskreise zu Hause und wollten nun mit ihnen in die Sommerlager. So reiste die Jungmannschaft vor den Eltern zurück in die Schweiz. «Es hat aber relativ lange ge­dauert, hier wieder in den Alltag zurückzufinden», sagt Johanna Berger. Heute kann sie ihre verfrühte Abreise nicht mehr ver­stehen. Denn die Mega-Ferien, diese einjährige Auszeit mit der Familie, hat nicht nur ihre Reiselust geweckt, sondern auch die Sehnsucht nach der Karibik. «Sie ist mir zu einer Art zweiter Heimat geworden.» Im November packt Johanna Berger darum den ­Koffer erneut mit Reiseziel Neuseeland. In einem Blog wird sie darüber berichten.


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