Mehr Dachse in den Reben

SAX ⋅ Die Netze, welche die Reben und Trauben vor Hagel schützen, haben sich in diesem Jahr bewährt. ­Dennoch haben Dachse einen Weg zu den Reben gefunden. Das war nur eines von etlichen Problemen.
12. Oktober 2017, 06:50
Alexandra Gächter

Alexandra Gächter

alexandra.gaechter@wundo.ch

Nach dem Frost machten Hagelschläge einigen Weinbauern das Leben schwer (siehe Titelseite). Glücklich war, wer über ein Hagelnetz verfügt. So zum Beispiel der Saxer Bio-Weinbauer Otto Rohner. «Die Hagelnetze haben sich dieses Jahr bewährt. Überall dort, wo die Reben durch das Netz geschützt waren, gab es keinen Schaden», sagt Rohner. Das Netz hat zudem einen positiven Nebeneffekt. Es hält Dachse davon ab, die Trauben zu fressen. Zumindest bis vor kurzem. «Die Hagelnetze habe ich seit zehn Jahren. Ich hatte bis jetzt Ruhe, doch nun haben die Dachse gelernt, wie sie reinkommen.» Nicht nur der Dachs, auch der Fuchs fresse ­gerne Trauben. «Der Tierfrass nimmt zu», so Rohner. Deshalb schliesse er die Hagelnetze neuerdings mit Nadeln. «Das hilft bis auf weiteres», so Rohner.

«Jedes Jahr eine neue Chance»

Nicht nur Dachse und Füchse, auch Insekten machten den Weinbauern dieses Jahr zu schaffen. «Es hatte massiv viele Wespen und grosse Fliegen diesen Sommer.» Bio-Weinbauer Otto Rohner rechnet dieses Jahr mit Ertragsausfällen von ungefähr 50 Prozent. Der Hauptgrund seien aber nicht die Tiere, sondern die schlechte Witterung: Der Frost im Frühling und die Nässe von Mitte August bis Mitte September, die zu Fäulnis führte. Auch die Hitzetage im Sommer waren nicht ideal. Die Trauben wuchsen schnell und dicht aneinander und drückten sich so gegenseitig. Einige haben Verletzungen davongetragen, welche wiederum Insekten und andere Tiere anlockten.

«Ich bin mittelmässig zu­frieden», sagt Rohner. Jammern wolle er aber nicht. «Das Schöne ist, dass wir jedes Jahr eine neue Chance erhalten.» Sein Team habe das Beste aus der garstigen Situation gemacht. «Meine langjährigen Mitarbeiter wissen, auf was es bei der Lese ankommt.» Der Aufwand war grösser als in anderen Jahren, dafür erwartet Rohner eine gute Qualität der Weine. Für die Qualität zählen nicht nur die Öchslegrade. Davon sei man weggekommen. «Das Säureverhältnis muss ebenfalls stimmen. Und dieses Jahr stimmt es», sagt Rohner.

Glücklich ist Rohner über ­seine beiden resistenten Weinsorten Seyval Blanc und Léon Millot. Diese bilden eine eigene Ab­wehr gegen Krankheiten, was den Ar­beitsaufwand minimiert. «Pflanzenschutzmittel sind hier kein Thema.» Der ­Blauburgunder hingegen ist anfälliger. Auch diese Sorte baut Rohner an, aber im Gegensatz zu anderen Wein­bauern in Bioqualität.

Anstatt mit synthetischen Mitteln behandelt Otto Rohner den Blauburgunder mit natür­lichen Mitteln wie zum Beispiel Tonerde, Tee, Molkenpulver, Kupfer oder Schwefel. Selbst­verständlich gibt es dazu strenge Regeln, wann und wie viel da­von eingesetzt werden darf. Die natürlichen Mittel werden durch den Regen abgewaschen. Das heisst, dass man nach einer gewissen Niederschlagsmenge die Pflanzen erneut behandeln muss. «Synthetische Mittel gelangen hingegen in die Saftbahn der Reben und können sie von ­innen schützen», sagt Rohner ­abschliessend.


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