Mobiler Hühnerstall auf Kufen

GAMS ⋅ Artgerechte, gesunde Hühnerhaltung findet grossen Anklang bei Konsumenten und Landwirten. Dies war am Samstag auf dem Hof von Peter Hardegger zu hören. Landwirte aus der ganzen Ostschweiz wollten sich den ersten mobilen Hühnerstall genauer anschauen.
17. Juli 2017, 06:51
Heidy Beyeler

Heidy Beyeler

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Die Einweihung des ersten grossen mobilen Hühnerstalls mit einer Kapazität von 2500 Hühnern auf Schweizer Boden glich einem gemütlichen Sommerfest. Eigentlich hätte man diesen Anlass auch als «Ribelmaisfest» bezeichnen können. Im Mittelpunkt stand zwar die Besichtigung des neuartigen Stalls mit den erst drei Wochen alten Ribelmais-Poularden. Anschliessend gab es aber auch Ribelmais-Poularde vom Grill, Ribelmais mit Apfelmus aus der Pfanne sowie die bekannten Ribelmais-Empanadas und die Ribelmais-Chips zu goutieren.

Neu gibt es die Ribelmais-Poularde – ein Culinarium-Premiumprodukt der Geflügel Gourmet AG von Robin Geisser aus Mörschwil – direkt aus der Region. Aus jener Region, in der Ribelmais ursprünglich angebaut und wiederentdeckt wurde – im Rheintal. Während die jungen Kücken im Alter von einem Tag zur Mast auf den Hof von Hard­eggers gebracht und dort während zirka acht Wochen gemästet werden, gedeiht nebenan auch das Futter für die Poularden – der Ribelmais.

Besucher durften das Ribelmais-Futter probieren

«Ja, und was ist jetzt an diesem Stall so besonders – ausser dass er mobil ist?», fragte eine Besucherin anlässlich der Einweihung des ersten grossen mobilen Hühnerstalls. «Wir betreiben eine extensive Hühnermast. Das heisst, unsere Hühner bleiben doppelt so lange bei uns, bis sie geschlachtet werden», sagte Peter Hardegger bereitwillig. Damit macht er deutlich, dass es sich hier nicht um «Turbo-Poulets» handelt, bei denen verschiedene Zusatzmittel wie Hormone oder Antibiotika zum Einsatz kommen und die bereits mit vier, fünf Wochen geschlachtet werden. Das Besondere ist, dass der Hühnerstall bei jeder Neueinstallung versetzt werden kann, sodass die Hühner in ihrem Freilaufgehege jeweils frisches Gras geniessen. «So bleiben sie gesund und werden kräftig», erklärte Peter Hard­egger weiter, während er den Besuchern das Futter mit Ribelmais in Granulatform zum Verkosten anbot. «Zudem ist diese Haltung ein weiterer Schritt zur regionalen, artgerechten Haltung in der Geflügelproduktion.» Im Laufe des Tages musste er seinen kleinen Behälter mit Hühnerfutter in Granulatform häufig nachfüllen. Keine Ahnung, wie viele Tagesrationen der heranwachsenden Poularden es waren, die an diesem Tag angeboten und von interessierten Besuchern vernascht wurden, bevor sie sich später ein saftiges Pouletstück vom Grill zu Gemüte führten.

Übrigens: Bevor die Einweihung stattfand, führte Peter Hard­egger einen ersten Probelauf durch. Das heisst, die erste Runde der Poularden-Mast mit über 2000 Tieren verlief erfolgreich, und der Stall wurde um seine Länge weiter versetzt – ebenfalls erfolgreich. Die vorgängig von den ersten jungen Ribelmais-Poularden genutzte Fläche wurde nach der Verschiebung des Stalls neu angesät und ist schon wieder gut begrünt.

Zur Einweihung des ersten derartigen mobilen, grossen Hühnerstalls in der Schweiz kam der Produzent Andreas Wördekemper persönlich – mit Familie – aus dem deutschen Gütersloh angereist. Er gab bereitwillig Auskunft – auch bei kritischen Fragen – wie seine Idee vor 25 Jahren entstand und wie sie sich in all den Jahren weiterentwickelt hat – nach dem Motto «aus der Praxis für die Praxis». Das hat interessierte Landwirte beeindruckt. Es waren vornehmlich Jungbauern, die grosses Interesse für diese Art der Hühnerhaltung als Alternative oder als zweites Standbein für den eigenen Hof zeigten. Ein Jungbauer aus dem Thurgau meinte nach dem Gespräch mit Andreas Wördekemper: «Das ist für mich eine gute Option, die ich mir überlegen werde».


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