Sportlicher Schuss ins Feld

ALT ST. JOHANN ⋅ Der OK-Präsident des diesjährigen Obertoggenburger Feldschiessens, Enrico Tschirky, gibt Einblick in die Organisation eines Grossanlasses.
12. August 2017, 05:17
Beatrice Bollhalder

Beatrice Bollhalder

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Enrico Tschirky, Sie sind der OK-Präsident des Feldschiessens. Wie viel Aufwand bedeutet dieses Amt für Sie?

Ziemlich viel. Wir haben im November mit dem Planen begonnen und ein OK mit zehn Mitgliedern zusammengestellt. Der Ablauf des Schiessbetriebes betrifft uns nur am Rande. Wir haben aber die Aufgabe, alles Nötige wie Festzelt, Schiessstand, Büro und dergleichen für den Bezirksschützenverband zur Verfügung zu stellen. In den letzten zwei, drei Wochen gibt es jeweils am meisten Arbeit. Denn dann sind die baulichen Massnahmen umzusetzen.

Was hat Sie bewogen, die Aufgabe zu übernehmen? Was bedeutet Ihnen persönlich das Feldschiessen?

Das Feldschiessen per se ist ja das grösste Schützenfest der Welt. Das Feldschiessen im Obertoggenburg ist dann noch etwas ­Spezielleres. Es ist einzigartig. Zum einen, weil es erst im August stattfindet, zum andern, weil es wirklich noch dem Namen «Feld-schiessen» gerecht und auf dem Feld durchgeführt wird. Ich finde, dass man diese Tradition unbedingt erhalten sollte. Deshalb habe ich mich zur Verfügung gestellt.

Wie viele Helfer sind im Einsatz?

Es sind 80 Helfer. Es braucht viele Leute von der Standblattausgabe über Warner und Zeiger bis zur Schlusskontrolle der Sportgeräte. Ausserdem sind zahlreiche Helfer im Einsatz neben dem Schiessbetrieb, sei es als Parkplatzeinweiser, am Buffet oder ­ im Service. Die Warneraufgabe ­werden erneut Schüler aus der Region, unterstützt von unseren Jungschützen, übernehmen.

Das Festzelt wurde schon vor drei Wochen aufgestellt. War noch etwas anderes geplant?

Nein, wir haben das Zelt relativ frühzeitig aufgestellt, da das ganze Vorhaben einen grossen logistischen Aufwand bedeutet. Ein Knackpunkt ist jeweils, genügend Leute für den Aufbau zu finden. Zudem haben wir den Zeitpunkt früh gewählt, um es nicht bei Regenwetter aufstellen zu müssen.

Ein paar Tage vorher ist auf dem Gelände ein Helikopter gesichtet worden. Was hat es damit auf sich?

Wir sind dankbar, dass die Schweizer Luftwaffe uns bei der Vorbereitung des Feldschiessens unterstützt. Es werden jeweils Big Bags, die mit Holzschnitzeln gefüllt sind, hinter die Feldscheiben gestellt. Dies geschieht zum Schutz der Umwelt. So kann man verhindern, dass Blei in den Boden gelangt. Wegen der topografischen Gegebenheiten bei unserem Stand, er befindet sich in etwas riedigem Boden, ist es nicht möglich, diese mit einem Fahrzeug zu transportieren. Die 25 Säcke wurden deshalb mit dem Helikopter vom Parkplatz beim Schützenhaus zum Zielhang befördert. Und nach dem Anlass dann auch wieder zurück.

Das Feldschiessen wird in anderen Bezirken im bestehenden Schiessstand geschossen, im Obertoggenburg auf dem Feldstand. Welche Unterschiede gibt es?

Einen Feldstand zu bauen, der funktioniert und vom eidgenössischen Schiessoffizier als tauglich klassiert wird, bedeutet natürlich mehr Aufwand. Das ist es aber wert, um die Authentizität des Feldschiessens zu wahren. Es ist einzigartig, wie bei uns noch auf dem Feld geschossen wird. Nebst dem Schiessbetrieb gibt es noch andere Unterschiede. Der Ablauf am Feldschiessen-Sonntag ist ebenfalls besonders. Morgens um acht Uhr treffen sich bereits Zeiger, Schützen, Fahnendelegationen, der gesamte Vorstand des Bezirkschützenverbandes Obertoggenburg sowie viele Gäste aus Politik und Militär beim Parkplatz im Dorf. Dann wird der Umzug, angeführt von der Musikgemeinschaft Alt St. Johann-Stein, zum Festzelt in der Au ziehen. Anschliessend gibt es einen ökumenischen Gottesdienst, der von Pfarrer Tobias Claudy und Pastoralassistent Michael Nolle zelebriert wird. Erst dann heisst es noch einmal: «Feuer frei!»

Was ist in Alt St. Johann weiterhin noch speziell?

Wir haben sehr tolerante Nachbarn. Sei es, wenn es darum geht, dass wir Land benutzen möchten, um das Zelt oder den Schiessstand aufzustellen. Aber auch für Parkplätze. Der Feldschiessenteilnehmer braucht nicht weit zu laufen. Selbst wenn das Wetter nicht optimal sein sollte, haben wird gute Parkmöglichkeiten. In diesem Fall dürfen wir die Parkplätze der Bergbahnen benutzen und richten dafür einen Shuttlebus zum Festzelt ein. Was ausserdem für eine Teilnahme am Feldschiessen in Alt St. Johann spricht, ist, dass der Pistolenstand in derselben Gemeinde liegt. Man kann beide Disziplinen innerhalb einer kurzen Distanz absolvieren.

Nebst dem sportlichen Teil soll auch Gemütlichkeit herrschen. Was wurde dafür organisiert?

Am Freitag werden die Teilnehmer von den «Chnüsperlibuebe» im Festzelt unterhalten. Die Mehrheit der Schützen geniesst gern ein paar Stunden am Feld-schiessen. Manche von ihnen ­sehen sich vielleicht ein ganzes Jahr nicht mehr.

Sind auch «Nichtschützen» willkommen?

Selbstverständlich. Wir hoffen, dass wir mit dem Komiker-Duo Messer & Gabel, das am Samstag auftritt, viele Leute anlocken können. Ausserdem wird der Jodelclub Säntisgruess schöne Lieder zum Besten geben. Und auch die Ländlerkapelle Vergissmeinnicht wird zur Unterhaltung aufspielen.

 

Wird das Festzelt voll sein?

Am Sonntag bestimmt. Denn praktisch jeder, der das Schiessprogramm absolviert hat, wird sich zum Absenden einfinden. Vorher gehört die Aufmerksamkeit den Veteranen. Einige Schützinnen und Schützen werden neu in deren Kreis aufgenommen. Auch das Abschiednehmen von Kameraden gehört zum nachmittäglichen Programm. Dies ist ein Treffpunkt, an dem sich jeweils auch ehemalige Schützen, die nicht mehr aktiv mitmachen, wieder einfinden.

Wer wird Schützenkönig?

Eine Chance dazu hat jeder, ob jung oder alt, Mann oder Frau. Bedingung ist, dass es ihm oder ihr in genau dieser halben Stunde gelingt, alle Schüsse in die Mitte zu platzieren. Und dies ist nicht so einfach, denn es gibt keine Probeschüsse. Ein Quäntchen Glück gehört dazu. Übrigens ist dies ein Volksanlass, es dürfen also nicht nur lizenzierte Schützen daran teilnehmen.


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