«Wir haben uns sehr um eine Zusammenarbeit bemüht»

VADUZ ⋅ Trotz Liquiditätsproblemen ist der Stiftungsratspräsident des Landesspitals, Michael Ritter, zuversichtlich. Der Vertrag zwischen Bendern und Grabs kam für ihn überraschend.
17. Juli 2017, 06:52
Patrik Schädler

Patrik Schädler

pschaedler@medienhaus.li

Als im April 2016 bekannt wurde, dass die Medicnova Privatklinik in Bendern mit dem Spital Grabs eine Kooperation eingeht, war Gesundheitsminister Mauro Pedrazzini noch alles andere als beunruhigt. «Ich bin überzeugt, dass unser Landesspital mit den bereits umgesetzten und weiteren Massnahmen für diesen Wettbewerb gerüstet ist», sagte er im April 2016 gegenüber dem «Vaterland». Vergangene Woche musste er nun verkünden, dass diese Prognose falsch war und das Landesspital bis 2020 zusätzliche 4,5 Millionen Franken braucht, um über die Runden zu kommen. Auch Michael Ritter, Stiftungsratspräsident des Liechtensteinischen Landesspitals, war vor einem Jahr noch optimistisch.

 

Dem Landesspital geht das Geld aus. Muss man damit die Wettbewerbsstrategie mit anderen Spitälern der Region nicht für gescheitert erklären?

Michael Ritter: Das Landesspital fährt keine «Wettbewerbsstrategie», sondern muss damit leben, dass der Wettbewerb eine Tatsache ist, die man sich nicht aussuchen kann. Die Spitalpolitik, vor allem in der Schweiz, setzt auf zunehmenden Wettbewerb. Das Landesspital ist dafür grundsätzlich gut gerüstet und strategisch richtig unterwegs, mit dem vorbehaltlosen Bekenntnis zu Qualität und der Kooperation mit dem Kantonsspital Graubünden. Auch der Aufbau der Chirurgie als zweites Standbein neben erfolgreich aufgebauter Innerer Medizin mit Notfall ist unverzichtbar, damit wir unseren Leistungsauftrag erfüllen können. Die finanziellen Schwierigkeiten sind vorübergehender Natur. Wir brauchen drei Jahre, um den Abgang der Belegärzte zu kompensieren und die entsprechenden Strukturen aufzubauen.

Als Hauptgrund für die fehlenden Fallzahlen wird die Privatklinik Medicnova in Bendern angeführt. Die Ärzte der Medicnova AG haben einen Vertrag mit dem Spital Grabs geschlossen. Warum hat sich das Landesspital nicht stärker darum bemüht, dass diese Ärzte als Belegärzte für das Landesspital erhalten bleiben?

Wir haben uns sehr um die Zusammenarbeit mit der Medicnova bemüht. Jede Lösung, die einen fairen Interessensausgleich beinhaltet, wäre für uns akzeptabel gewesen.

Und warum konnte man sich nicht einigen?

Medicnova hat offenbar parallel mit uns auch Gespräche mit Grabs geführt und es dann vorgezogen, dort eine Vereinbarung zu treffen. Wir konnten diesen überraschenden Schritt nur zur Kenntnis nehmen.

Nun soll der Geriatriebereich im Landesspital ausgebaut werden. In diesem Bereich fehlen in der Region zweifellos die Angebote. Doch dieser Bereich ist finanziell nicht sehr lukrativ. Deshalb ist doch davon auszugehen, dass das Landesspital auch über das Jahr 2020 hinaus mehr Geld vom Staat benötigt?

Das Landesspital kann sich tatsächlich nicht auf die Behandlung lukrativer Fälle beschränken, wie das eine Privatklinik kann. Wir haben einen Leistungsauftrag. Die Akutgeriatrie entspricht einem grossen Bedürfnis, auch wenn man damit nicht viel Geld verdienen kann. Soweit sie nicht kostendeckend betrieben werden kann, werden wir im Rahmen der «gemeinwirtschaftlichen Leistungen» eine angemessene Abgeltung vom Land brauchen. Ein Einkauf dieser Leistungen im Ausland wäre dabei sicher nicht billiger, für die Betroffenen aber sehr viel unangenehmer. Gerade bei der Behandlung betagter Patienten ist Wohnortnähe für diese und ihre Angehörigen besonders wichtig.

Das Landesspital könnte versuchen, vermehrt ambulante Be- und Nachbehandlungen durchzuführen. Dies würde aber zu Konflikten mit den niedergelassenen Ärzten sorgen. Oder man setzt auf ein grösseres Angebot. Dies würde aber dem Volkswillen widersprechen. Welche Möglichkeiten sehen Sie eigentlich noch, damit das Spital finanziell wieder auf die Beine kommt?

Wir haben einen klar definierten Businessplan. Das Landesspital kann ab 2020 wieder schwarze Zahlen schreiben und zwar ohne dass es zu einer problematischen Mengenausweitung oder einer Konkurrenzierung der niedergelassenen Ärzte kommt. Das Landesspital fokussiert sich auf die häufigen und einfachen Fälle, wie sie von jedem gut geführten Regionalspital erbracht werden können. Wir sind dabei auf ein gutes Einvernehmen mit den Zuweisern angewiesen und wollen unser Angebot mit den niedergelassenen Ärzten abstimmen. Für die Zukunft bin ich zuversichtlich, dass das Landesspital auch die aktuelle Herausforderung gut meistern kann.


Leserkommentare

Anzeige: