Zwangsanbau im Werdenberg

SEVELEN ⋅ Genau heute vor 100 Jahren entstand eine Aufnahme, die zeigt, wie das Grundstück von Gustav Farner im Bergerneugut umgepflügt wurde, um Weizen für die Landesversorgung im Ersten Weltkrieg anbauen zu können.
12. Oktober 2017, 06:50
Werner Hagmann

Werner Hagmann

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Die Landesversorgung während des Ersten Weltkriegs steht im Schatten der als «Plan Wahlen» in die Geschichte eingegangenen «Anbauschlacht» im Zweiten Weltkrieg. Dabei unternahmen die Behörden schon damals Anstrengungen, die Ernährung der Bevölkerung angesichts kriegs­bedingter Einschränkungen sicher­zustellen. Ein planmässiges Vorgehen wie zwei Jahrzehnte später fehlte aber weitgehend, was zu einschneidenden Versorgungsengpässen und wachsender Unzufriedenheit in der Bevölkerung führte. Als die Getreideimporte 1917 auf die Hälfte sanken, wurde der Zwangsanbau angeordnet.

Umgepflügt für den ­Weizenanbau

Betroffen davon war auch Gustav Farner (1891–1989, ganz rechts im Bild). Er war von 1913 bis 1935 Betriebsleiter des Elektrizitätswerks Sevelen. Zwar gehörte er nicht dem Bauernstand an, besass aber offenbar landwirtschaftlich nutzbaren Boden. Stephan Hagmann («Bongert Steffä», 1876–1930, Fuhrhalter, ganz links im Bild) pflügte mit seinem Schimmelgespann im Auftrag Farners dessen Grundstück im Bergerneugut in der Seveler Rheinebene für den Anbau von 1000 Quadratmeter Weizen. Christian Spreiter (1901–1954, Taglöhner, 2. von links im Bild) und Ulrich Humm (1867–1950, Landwirt, 3. von links im Bild) gingen ihm dabei zur Hand. Beim Pflug, einer lokalen Variante des hierzulande nur selten anzutreffenden schottischen Schwingpflugs, handelt es sich um eine eigentliche Rarität – heute ist er im Museum Schlangenhaus im Städtchen Werdenberg ausgestellt. Das Bild, von Gustav Farner mit Selbstauslöser aufgenommen, lässt sich aufgrund eines Eintrags im «Tagebuch» (Geschäftsbuchhaltung) von Stephan Hagmann auf den 12. Oktober 1917 datieren. Für die Arbeit stellte Stephan Hagmann dem Auftraggeber Gustav Farner zehn Franken in Rechnung.


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