Der Verein "Freunde des Wasserschlosses Hagenwil" wird Oberthurgauer des Jahres

AUSZEICHNUNG ⋅ Grosse Ehre für den Verein «Freunde des Wasserschlosses Hagenwil»: Die Regionalplanungsgruppe Oberthurgau hat ihn zum Oberthurgauer des Jahres bestimmt. Präsident Bernhard Koch freut sich darüber.
17. Oktober 2017, 17:51
Rita Kohn
Herr Koch, was ging Ihnen durch den Kopf, als sie erfahren haben, dass der Verein «Freunde des Wasserschlosses Hagenwil» Oberthurgauer des Jahres wird?
Ich habe mich sehr über die Wertschätzung unserer Arbeit durch die öffentliche Hand und durch die Wirtschaft gefreut. Es ist eine besondere Ehre, wenn man einen Preis verliehen bekommt, der von diesen beiden wichtigen Bereichen gemeinsam verliehen wird. 

Wie haben Sie denn von der Ehre erfahren?
Ende August kam eine Mail von Gilbert Piaser. Daraufhin haben wir uns gleich im Schloss Hagenwil getroffen, um die Details zu besprechen. 

Der Verein «Freunde des Wasserschlosses Hagenwil» agiert eher im Hintergrund. Wird das nun anders?
Und wurde schon vorgehalten, dass wir zu wenig Öffentlichkeitsarbeit leisten. Wir wirken sehr stark im Hintergrund. Die letzten Jahren sind wir nur zweimal an die Öffentlichkeit gegangen, das war jeweils im Rahmen der AWA. Erstmals 2014, dann wieder 2016. Im Prinzip arbeiten wir mit den Mitgliedern sehr stark nach innen. Dass diese Art auch zum Erfolg führen kann, hat sich bewiesen, in dem wir den Mitgliederstand mit der Zeit vervielfachen konnten.

Dann war es für Sie eine Überraschung, dass der Verein nun ausgezeichnet wird? Inwiefern wird sich die Arbeitsweise des Vereins nun verändern?
Ja, die Ehrung kam tatsächlich überraschend. Es zeigte sich, dass die Arbeit im Stillen sich dennoch bei den Exponenten des Oberthurgaus durchgesprochen hat. Wir sind bei den Politikern wie auch beim Gewerbe und in der Industrie bekannt. Unter unseren Mitgliedern sind eben auch etliche Politiker als Privatpersonen verzeichnet, ebenso natürlich Kleinunternehmer oder Wirtschaftsvertreter.

Demnächst nimmt der Verein ein neues Ziel in Angriff. Gegenüber den bisherigen beiden Projekten wird es ein sehr grosser Happen sein...
Das ist so. Wir planen die Sanierung des Wehrgangs und des Restaurants. Das wird sich auf über 2,5 Millionen Franken belaufen. Ein solch grosses Projekt hätten wir vor Jahren nicht an die Hand nehmen können. Damals zählte der Verein rund 100 Mitglieder, heute sind es 520. Davon 460 normale und 60 VIP-Mitglieder, die jährlich mindestens 500 Franken bezahlen oder eine Einmalzahlung von 7500 Franken gemacht haben und damit lebenslang VIP-Mitglied sein werden. So kommen jedes Jahr zwischen 40000 und 50000 Franken zusammen, zählt man die Spenden dazu. 

Das reicht aber nicht, um die Sanierung zu finanzieren?
Nein. Wir haben deshalb auch ein Fundraising gestartet. Inzwischen haben wir einen Betrag von fast 500000 Franken zusammen. Unser Ziel ist es, mindestens 750000 Franken, besser noch 900 000 bis 1 Million Franken zusammen zu bekommen. Grundsätzlich können wir aber sagen: Wir sind auf Kurs. 

Da fehlt aber noch einiges bis zur benötigen Summe von 2,5 Millionen Franken...
Im Januar haben wir vom Amt für Denkmalpflege einen approximativen Entscheid bekommen. Demnach werden von dieser Seite 1,2 bis 1,35 Millionen Franken an die Sanierung beigetragen. Dieser Betrag wird je zu einem Dritten vom Bund, vom Kanton und von der Gemeinde beigesteuert. 

Dann können sie also loslegen mit dem Bau?
Ja. Wir haben immer gesagt, wir werden erst bauen, wenn wir die 800000 bis 900000 Franken für die erste Etappe sicher zusammen haben. Das ist ja nun der Fall. Wenn dieses Projekt abgeschlossen ist, wird das Wasserschloss wieder auf Jahrzehnte fest verankert sein.

Wieso finanziert ein Verein diese Sanierung?
Ein solches Vorhaben wäre für die Besitzerfamilie nicht tragbar. 2006 konnte die Familie Angehrn ihr 200-Jahr-Jubiläum auf dem Schloss feiern. Damals ergriffen die beiden Stadträte André Schlatter und Urs Fischer die Initiative und gründeten den Verein. Inzwischen hat der die Sanierung des Grossmutter-Stüblis und des Rittersaals möglich gemacht. Da mit dem aktuellen Projekt auch ein Ausbau des Restaurants verbunden ist, wird die Besitzerfamilie aber selber auch einen grösseren Beitrag leisten.

Tun sich bei der Mittelbeschaffung einem Verein Türen auf, die Privatpersonen verschlossen bleiben?
Ich denke schon, ja. Es gibt Stiftungen, die wollten eine Sicherheit, dass die Besitzer das Schloss nach der Sanierung nicht für viel Geld weiter verkaufen. Deshalb mussten Verträge aufgesetzt werden, die auch im Grundbuch verankert sind. Das fiel dem Vereinsvorstand erheblich leichter, als wenn die Angelegenheit auf privater Basis geblieben wäre.

Welchen Bezug haben Sie selber zum Schloss Hagenwil? Was bewog Sie dazu, das Vereinspräsidium zu übernehmen?
Ich habe seit Ich habe seit meiner frühen Jugend einen besonderen Bezug zu diesem Schloss. Wir feierten hier manches Erntedankfest. Als André Schlatter verkündete, dass er sein Amt abgeben wolle, fragte er mich an, ob ich es übernehmen wolle. Für mich ist es  zwarein vorübergehendes Amt, das ich aber mit Freuden ausübe. Allerdings mache ich es sehr gerne und ich habe ja auch Zeit dafür. 

Welche Auswirkungen hat die Auszeichnung nun für den Verein?
Wir denken, dass es sehr grosse Auswirkungen sind. Bisher waren wir vor allem in der Region bekannt, nun werden wir von der breiten Öffentlichkeit wahr genommen. Diese Preisverleihung bringt uns einen Schub, unsere Spendensammlung wird Früchte tragen. Der Zeitpunkt für die Auszeichnung ist absolut optimal. Wir müssen bei der Mittelbeschaffung neue Wege beschreiten, wir brauchen mehr Privatpersonen, die uns untersützten.Das Gute dabei ist, bei uns weiss man genau, wohin die Spendengelder fliessen: Nämlich in den Erhalt des einzigartigen Wasserschlosses.

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