Veranstalter suchen Rückendeckung für Motocross-WM

FRAUENFELD/GACHANG ⋅ Die Organisatoren des Motocross-Grand-Prix of Switzerland sammeln Unterschriften für eine Petition, um die Behörden von einer erneuten Veranstaltungsbewilligung zu überzeugen. Im kommenden Sommer sollen die weltbesten Motocross-Fahrer zum dritten Mal en suite auf der Anlage "Schweizer Zucker" in Niederwil um WM-Punkte kämpfen. Der Entscheid der Behörden wird in den kommenden Tagen und Wochen erwartet.
09. Februar 2018, 16:58
Samuel Koch

Es ist der Widerstand gegen den Widerstand. Nach den ersten beiden Austragungen des Motocross-Grand-Prix of Switzerland (MXGP) wehrten sich Anwohner mit Rückendeckung der Umweltverbände VCS Sektion Thurgau und Pro Natura Thurgau gegen eine erneute Durchführung von WM-Rennen auf der Anlage "Schweizer Zucker" in Niederwil bei Frauenfeld. Jetzt werden die Organisatoren selber aktiv und sammeln für eine Petition zusammen mit Schweizer Motorradsportverbänden FMS und SAM sowie mithilfe seines Partnervereins MRSV Frauenfeld Unterschriften. Das Gesuch für eine erneute Veranstaltungsbewilligung ist zwar seit Wochen platziert, eine Entscheidung seitens des Departements für Justiz und Sicherheit steht aber noch aus. 

Als Anzeichen von Angst bezeichnet MXGP-Präsident Willy Läderach die Aktion nicht. "Wir müssen jetzt Stellung beziehen, um dem Thurgauer Regierungsrat den Rücken zu stärken", sagt er. Es sei wichtig, den Behörden zu zeigen, dass es auch eine grosse Gruppe Motocross-Befürworter gibt. Die Unterschriftensammlung, die auch online verfügbar ist, läuft seit Freitagmittag und dauert voraussichtlich bis 15. April. "Alleine in den ersten Stunden haben über 850 Personen unterschrieben", weiss Läderach. 2016 und 2017 strömten jeweils rund 30'000 Zuschauer zu den WM-Rennen auf der grösstenteils provisorischen Anlage "Schweizer Zucker".
 

Weniger Kulturland in Anspruch

Obwohl er sich mit seinem Team selbst als Organisator sieht, der "selbstredend demokratische Prozesse akzeptiert", warnt er davor, dass sich die Gegner mit ihrer Haltung durchsetzen könnten und so die Unterstützung für zahlreiche Vereine oder Veranstalter verhindert, "welche mit ihrem Engagement zur sozio-kulturellen Vielfalt unserer Gesellschaft beitragen". Auf die möglichen WM-Rennen am Wochenende des kommenden 18. und 19. Augusts wird der Veranstalter weitere Optimierungen betreffend Bodenschutz, Emissionen und Bewältigung des Verkehrsaufkommens treffen. 
 

In Frauenfeld findet über das Wochenende der zweite "MXGP of Switzerland" statt. Die Fahrer messen sich auf einer 1,7 Kilometer langen Strecke. Unsere Fotografin Andrea Stalder war mit der Kamera unterwegs. (Bilder: Andrea Stalder)

Die Kritik der Umweltverbände verstehen die Organisatoren nicht. "Eigentlich sollten sie uns um den Hals fallen", sagt Willy Läderach. Es sei unverständlich, dass die MXGP-Gegner nicht kapierten, dass sich die Situation gegenüber den Rennen im Schollenholz (Oster-Motocross) massiv verbessert hat. "Im Schollenholz benötigten wir 20 Hektaren Kulturland mit Fruchtfolgefläche, in Niederwil sind es lediglich noch fünf", sagt Läderach. Zudem werde das Land während elf Monaten im Jahr als Weideland genutzt.
 

Laut Regierung bisher alles korrekt abgelaufen

Erst kürzlich hat der Thurgauer Regierungsrat in einer Antwort auf einen politischen Vorstoss von Kantonstrat Toni Kappeler (Präsident Pro Natura) erklärt, dass bei den bisherigen Bewilligungsverfahren für die MXGP-Rennen alles korrekt abgelaufen sei. Trotzdem drohen die Umweltverbände mit weiteren rechtlichen Schritten gegen eine allfällige Bewilligung. "Sie stellen ihre Eigeninteressen über das Gemeinwohl und wollen ein friedliches Volksfest verhindern", sagt Willy Läderach. Sollten die Gegner den Entscheid der Behörden weiterziehen, müsste sich das kantonale Verwaltungsgericht damit beschäftigen. 

Der Generalsekretär des Departements für Justiz und Sicherheit, Stephan Felber, war für eine kurzfristige Stellungnahme nicht erreichbar. Ende Januar antwortete Felber auf eine Anfrage,  dass mit einem Entscheid kaum vor Ende Februar zu rechnen sein dürfte.

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