Nun ist es definitiv: Die Thurgauer SBB-Drittverkaufsstellen bleiben

SERVICE PUBLIC ⋅ Im Kanton Thurgau war der Billettverkauf an elf Standorten gefährdet. Nun ist klar: Alle Drittverkaufsstellen haben neue Verträge mit den SBB ausgehandelt und machen weiter.
07. Februar 2018, 07:32
Sebastian Keller

Drittverkaufsstellen sind Partner der SBB. Auf Vertragsbasis verkaufen sie Billette und Abonnemente für den öffentlichen Verkehr. Dazu mieten sie von den SBB das System und den Drucker. Der Verkauf dieser Produkte ist vielfach eine Zusatzdienstleistung: So sind diese Bahnschalter in Poststellen oder in Läden an kleineren Bahnhöfen integriert. Auf dem Thurgauer Kantonsgebiet fanden sich bislang elf Drittverkaufsstellen.
 

Grosser Proteststurm mündet in Moratorium

Doch dieses Angebot stand vor dem Aus. Im Herbst 2016 kündigten die SBB an, sich Ende 2017 aus diesem Geschäft zurückzuziehen. Zu diesem Zeitpunkt fanden sich zwischen Genfer- und Bodensee 52 Standorte, die neben weiteren Produkten auch Billette verkauften. Das Ansinnen der Bundesbahnen kam vielerorts schlecht an. Ein Abbau des Service public wurde befürchtet, das Abhängen der älteren Bevölkerungsgruppe. Das rasante Tempo, das angeschlagen wurde, war ein weiterer Kritikpunkt. Ein Jahr sowie viele Protestbriefe- und -aktionen später stellte das Bundesparlament das Signal für die SBB temporär auf Rot. Und dies, obwohl sich der Bundesrat dagegen wehrte: Er wollte der Bahn nicht ins operative Geschäft reinreden. Doch das Moratorium bis 2020 fand trotz bundesrätlichem Mahnfinger in beiden Parlamentskammern eine Mehrheit, wenn auch eine knappe.

Die SBB lenkten ein und handelten neue Verträge aus – sie boten gar solche bis 31. Dezember 2020 an. Ein SBB-Sprecher sagte im Dezember dieser Zeitung: «Die SBB haben mit allen Partnern Kontakt aufgenommen und ihnen ein Angebot für eine Zusammenarbeit bis Ende 2020 unterbreitet.» Die zwei privaten Stationshalterinnen im Thurgau bestätigten gegenüber dieser Zeitung bereits Ende vergangenen Jahres, dass sie unterschrieben hätten. Nun verkaufen sie weiterhin in Islikon und Ermatingen Billette und Abonnemente. Offen war, wie sich die weiteren neun Drittverkaufsstellen, die beispielsweise von der Post oder Migrolino betrieben werden, entscheiden. Im Dezember hiess es von allen Seiten, man verhandle mit den SBB.
 

Alle bisherigen Partner haben unterschrieben

Mittlerweile haben alle Partner eingeschlagen. Das heisst: Zwischen Bodensee und Hörnli sind bis auf Weiteres elf SBB-Drittverkaufsstellen zu finden. Kilian Borter von Valora sagt auf Anfrage, dass der Vertrag mit den SBB verlängert wurde und im Kanton Thurgau die zwei bisherige Avec-Verkaufsstellen weiterhin SBB-Billette verkaufen. In der Rosenstadt Bischofszell hat Mi-grolino neben Bananen und Zeitungen auch Billette im Angebot– und das wird auch weiterhin der Fall sein. «Zum heutigen Zeitpunkt können wir bestätigen, dass alle SBB-Drittverkaufsstellen in Migrolino-Shops bis längstens Ende 2020 weiter betrieben werden», sagt Myriam Maurer von der Migrolino AG.

Auch sechs Poststellen im Kanton Thurgau, die bislang als SBB-Partner auftraten, sind dies weiterhin. «Der Verkauf von Billetten in eigenbetriebenen Filialen der Post im Rahmen der Kooperation mit den SBB läuft weiter», bestätigt Postsprecherin Carmen Lama. Sie verweist zudem darauf, dass in den Poststellen Münchwilen und Wängi ebenfalls Produkte des öffentlichen Verkehrs angeboten werden. Hier arbeitet die Post mit den Appenzeller Bahnen zusammen; diese betreiben die Frauenfeld-Wil-Bahn, an deren Strecke durchs Murgtal die beiden Hinterthurgauer Gemeinden liegen.


Leserkommentare

Anzeige: