Forstmitarbeiter haben wenig Freude am milden Winter

THURGAU ⋅ Wegen des milden und nassen Wetters können die Mitarbeiter der Thurgauer Forstreviere in diesem Winter nicht mit den schweren Maschinen in den Wald fahren. Die Befürchtung: Der Boden könnte langfristig beschädigt werden.
08. Februar 2018, 16:07
Sebastian Keller
Äste liegen auf der Strasse zwischen Wäldi und Tägerwilen. Asylbewerber aus Weinfelden räumen sie weg, ausgerüstet mit Rechen. Ein Mitarbeiter des Forstreviers am Untersee lädt gefällte Bäume mit dem Forwarder auf. Der Greifarm dieses Fahrzeugs erinnert an jene von Automaten, mit denen man Teddybären fischen kann. Nur sind es hier keine Plüschtiere, sondern Eschenstämme. Um 17 Uhr muss die Strasse geräumt sein – das Postauto kommt. Sicherheitsholzung nennt sich das. Sebastian Bänteli, Revierförster und Betriebsleiter, ist der Chef in diesem Wald. 1296 Hektaren ist das Forstrevier am Untersee gross. «Bei der Sicherheitsholzung geht es darum, das Risiko zu minimieren», sagt er. Das Risiko, dass alte oder morsche Bäume auf ein Auto fallen.

Der milde Winter erschwert das Holzen der Thurgauer Förster. Ein Besuch während der Arbeiten im Forstrevier Am Untersee. (Sebastian Keller)

Noch mehr Arbeit steht und liegt im Wald. Eigentlich sollten die Forstmitarbeiter Wertholz fällen, für die Submission im März. Dort gehen vor allem Eichen an den Meistbietenden. «Doch der milde Winter hat die Planung über den Haufen geworfen», sagt Bänteli. Weil die Böden nass und tief sind, können sie mit dem Forwarder nicht in den Wald fahren, ohne tiefe Spuren zu hinterlassen. «Und das wollen wir nach Möglichkeit vermeiden», sagt der Revierförster. Ein Hilfsmittel, um die Bodenschäden zu minimieren, sind sogenannte Bogiebänder. Diese sehen aus wie Strickleitern aus Stahl. Montiert man sie um die Reifen des Forwarders, verwandelt er sich in eine Art Raupenfahrzeug.
 

Die Stürme bescheren Mehrarbeit

Nicht eingeplant war der Besuch von Burglind und Evi. Die Stürme fegten im Januar durch die Wälder und brachten Bäume zu Fall. «Nadelholz, aber auch schwere Eichen», sagt Revierförster Bänteli. Dass es auch massive Bäume getroffen hat, zeugt von der Stärke der Stürme. Was ein solcher hinterlässt, nennt man im Försterjargon Streuschäden. In einem Waldstück knickt ein Baum um, in einem anderen sieben. Stürme holzen wahllos. «Dieses Holz zu rüsten, ist sehr aufwendig», sagt der Revierförster. Um diese Bäume aus den Beständen zu holen, sind die Mitarbeiter mit Traktor und Seilwinden unterwegs. Liegenlassen ist keine Option. Die Fichten müssen bis im Frühling weggeräumt sein. Sonst bieten sie dem Borkenkäfer eine ideale Brutstätte. Und ihm will man kein Nest bereiten.

Die ersten Februartage gefallen Sebastian Bänteli schon besser. Das Thermometer sank an mehreren Tagen unter den Gefrierpunkt. Langsam beginnt der Boden zu gefrieren. «Von mir aus könnte es zwei Monate lang minus zehn Grad haben», sagt der Revierförster; er macht nicht den Anschein, als fröre er dann. Während einer längeren Kälteperiode wird der Boden hart und gefroren und bietet die ideale Unterlage, um mit dem Forwarder das Holz an die Waldstrassen zu rücken.

In diesem Winter werden wohl nicht mehr alle geplanten Bäume gefällt. «Den einen oder anderen Holzschlag müssen wir wohl zurückstellen», sagt Sebastian Bänteli. Vielleicht beginnen sie im Herbst etwas früher mit der Holzernte, um den Rückstand aufzuholen.

Nachfrage nach heimischem Holz setzt gewissen Druck auf

«Wir müssen Geduld haben», sagt der Thurgauer Kantonsforstingenieur Daniel Böhi. Und das gerade in der Hauptsaison der Holzernte. Der bisherige Winter – mit mildem und nassem Wetter – war dafür nicht ideal. Das Problem: Wenn der Boden nicht gefroren oder trocken ist, erschwert das die Arbeit in den Wäldern. Die schweren Maschinen hinterlassen Furchen im Waldboden, sinken ein, was schlimmstenfalls den Boden für längere Zeit beschädigt. Deshalb liess man – wo möglich – das Holz in den Wäldern stehen oder liegen.

Doch unbeschränkt könne man nicht zuwarten: Die Nachfrage nach heimischem Holz setzt einen gewissen Druck auf. So stehen etwa im März Holzsubmissionen an. Und mit dem Ende der Vegetationsruhe, also mit dem Frühlingsbeginn, sollten die Holzereiarbeiten abgeschlossen werden. Die vergangenen Tage haben die Mitarbeiter in den Forstrevieren etwas aufatmen lassen. «Bei Temperaturen um oder unter Null Grad ohne Schneelage gefrieren die Böden zumindest oberflächlich und ermöglichen eine relativ bodenschonende Holzbringung», sagt Böhi. Ein idealer Winter für diese Branche wären mehrere Wochen oder gar Monate gefrorene Waldböden. «Das gab es leider schon länger nicht mehr.» (seb.)


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