Kantonstierarzt Witzig handelte schon in den Ferien

TIERQUÄLER ⋅ Die Frau, die den Fall Ulrich K. ins Rollen brachte, hat Mitte Juli zum ersten Mal beim Veterinäramt ­angerufen. Noch vor dem persönlichen Treffen reichte sie zusammen mit einer zweiten Person die Anzeige ein.
12. August 2017, 07:54
Donat Beerli, Larissa Flammer

Donat Beerli, Larissa Flammer

thurgau@thurgauerzeitung.ch

Neuigkeiten im Fall Hefenhofen: Die Frau, die Ulrich K. am 24. Juli angezeigt hat, traf sich an jenem Tag auch mit Kantonstierarzt Paul Witzig. Das bestätigt der Kanton auf Anfrage: «Ziel des Treffens war, dem Veterinäramt eins zu eins zu schildern, wie die Situation auf dem Hof aussieht.» Bereits am 14. Juli habe die Frau mit dem Veterinäramt telefoniert und einzelne Fotos geschickt. Sie habe den Wunsch geäussert, persönlich für ein Gespräch vorbeizukommen und die Fotos mitzubringen. Als sie Witzig während seiner Ferien am 24. Juli traf, teilte sie ihm mit, gerade von der Polizei zu kommen. Stefan Haffter, Medienverantwortlicher der Thurgauer Staatsanwaltschaft, bestätigt, dass am 24. Juli, um 9 Uhr, zwei Personen in Amriswil eine Strafanzeige wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz gegen den Beschuldigten eingereicht haben. Wer die zweite Person ist, bleibt unklar.

Bis zur Veröffentlichung der Bilder vergingen nach dem Treffen rund neun Tage. Warum ist in der Zwischenzeit nichts passiert? Das Veterinäramt habe sich direkt nach dem Gespräch auf zielgerichtete Massnahmen vorbereitet, teilt es mit. «Nur darum war es möglich, so kurz nach den Enthüllungen einzuschreiten.» Was genau gemacht wurde, bleibt vage. Witzig erklärt: «Im Sinne eines vorbehaltenen Entschlusses wurden Vorbereitungsmassnahmen für die Räumung des Hofes getroffen.»

Ein paar Fragezeichen bleiben: Hat das Veterinäramt der Frau am Telefon empfohlen, die Anzeige einzureichen? «Dazu nehmen wir keine Stellung», sagt Witzig. Zudem stellt sich die ­Frage, warum das Veterinäramt der Öffentlichkeit nicht zu einem früheren Zeitpunkt vom Treffen mit der Frau berichtete.

Pferde werden zum Schlachtpreis verkauft

Der Schweizerische Freibergerverband hat mittlerweile per E-Mail einen dringenden Aufruf an verschiedene Pferdezuchtgenossenschaften geschickt. Ein Gespräch mit dem Veterinäramt habe ergeben, dass bis zum 18. August eine zukünftige Unterbringung für 90 Pferde gefunden werden muss. Unter den Tieren seien 40 bis 50 Freiberger jeden Alters. «Der minimale Verkaufspreis wird ungefähr bei der Höhe der Kosten für eine Schlachtung liegen», heisst es im Aufruf.


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