Bändiger des Zauberwürfels

KREUZLINGEN ⋅ Den «Rubiks Cube» in seine Ursprungsform zu bringen, ist eine Kniffelaufgabe und ein Trendsport. Ioannis Papadopoulos ist ein Meister darin. Er organisiert nun die ersten Xlingen Open im Speedcubing.
07. Februar 2018, 11:37
Urs Brüschweiler

Urs Brüschweiler

urs.brueschweiler@thurgauerzeitung.ch

Klack. Klack. Klack. Die Finger wirbeln um den bunten Quader. Das Auge des Beobachters ist kaum schnell genug, um die Züge zu verfolgen. Sie nachzuvollziehen ist für Ungeübte unmöglich. Ioannis Papadopoulos benötigt 14,5 Sekunden, um die sechs Farben auf den Seiten des Zauberwürfels zu sortieren. Der Weltrekord liege bei knapp unter fünf Sekunden, erzählt der 24-jährige Kreuzlinger.

Der Rubiks Cube ist ein Puzzle zum Drehen, benannt nach seinem Erfinder Erno Rubik. In den 1980er-Jahren erfreute sich der Zauberwürfel grosser Beliebtheit, er wurde zu einer Ikone der Popkultur. Um das Jahr 2000 war das Spiel praktisch tot, erzählt der junge Verwaltungsangestellte. Eine tschechische Mathematikerin habe dann eine Lösungsstrategie entwickelt. Sie wurde zur Pionierin einer stetig wachsenden Speedcubing-Szene.
 

80'000 Spieler weltweit

Heute gibt es weltweit fast 800000 Spieler, die in Verbänden organisiert sind. Ioannis Papadopoulos ist einer von 331 registrierten Spielern des im letzten Jahr gegründeten nationalen Verbandes Swisscubing und war von Anfang an mit dabei. Seine ersten Versuche mit dem Zauberwürfel liegen aber etwa sieben Jahre zurück. «Eigentlich wollte ich damit ein Mädchen beeindrucken», erzählt er lachend. Geklappt habe das nicht wirklich. Geblieben sei aber die Faszination für den Rubiks Cube. 2013 nahm er zum ersten Mal an einem Turnier teil, er reiste dafür nach München. Dort lernte er andere Schweizer Spieler kennen, es bildete sich eine Gemeinschaft. «Wir sind eine coole Truppe», sagt er. Vom Nerd-Image wollen sie loskommen. Dieses Vorurteil treffe auch überhaupt nicht zu. Im Verband versuchen sie nun vermehrt auch Turniere in der Schweiz zu organisieren. Jeden Monat eines, ist das Ziel. «Wir möchten professioneller werden und unsere Medienpräsenz erhöhen», sagt Papadopoulos. So erreichten sie vielleicht auch Sponsoren. In der Hauptsache gehe es aber darum, neue Mitglieder zu finden für die wachsende Fangemeinde des Geschicklichkeitssports. «Das ist unsere Vision.»
 

Es geht auch mit verbundenen Augen

Am übernächsten Wochenende sind nun «Cuber» aus ganz Europa zum ersten Mal für einen Wettkampf in Kreuzlingen zu Gast. In elf Disziplinen werden sie sich messen. Diese unterscheiden sich durch die Grösse der Würfel – vom klassischen 3x3 bis zum 7x7. Aber es gibt auch speziellere Kategorien, wo man den Zauberwürfel mit verbundenen Augen lösen muss.

Ioannis Papadopoulos tritt bei Wettkämpfen für sein Heimatland Griechenland an. Er gehört dort zu den Top-20-Spielern. In der Weltrangliste belegt er derzeit einen Platz um 7000. Mit 24 gehöre er schon zu den älteren Spielern, sagt er. «Die meisten sind zwischen 14 und 20 Jahren alt». Junge spielten oft besser, weil sie mehr Zeit hätten, die Züge zu lernen. Drei bis vier Stunden üben die besten Cracks, eine Stunde täglich ist es im Durchschnitt beim jungen Kreuzlinger.
 

Jedesmal ein Erfolgserlebnis

Im Internet gibt es Videos und Apps, welche die Lösungswege beschreiben. Die Mechanismen müssten jedoch ins Blut übergeben. Wer lange nachdenken muss, dreht zu langsam. Als Anfänger dürfe man einfach nicht verzweifeln, sondern müsse den Ehrgeiz mitbringen, die Aufgabe zu lösen. «Langweilig werde ihm das Ganze nie», versichert Ioannis Papadopoulos. «Ich kann dabei wunderbar abschalten und es gibt einem jedesmal ein gutes Gefühl, wenn man die Herausforderung gemeistert hat.»


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