Einladung für die Industrie

Das Gebiet Bleiken entwickelt sich immer mehr zum Industriestandort. Mit einem externen Bericht hat der Wattwiler Gemeinderat dessen Potenzial für eine solide Vermarktung und Standortförderung abgeklärt. Zu tun gibt es: Bachumleitung, Umzonungen, vielleicht Landkauf.
20. August 2014, 02:36
HANSRUEDI KUGLER

WATTWIL. Angenommen, ein Industriebetrieb klopft auf der Suche nach einem Standort für eine neue Fabrik beim Wattwiler Gemeindepräsidenten an. Dieser würde sich natürlich freuen. Aber er hätte gleichzeitig ein Problem: Eingezontes Bauland für Industrie gibt es zwar in Wattwil. Die einzige Industrielandparzelle in der Bleiken in Gemeindebesitz (hinter dem Tunnelweg, auf dem Plan A) ist aber nicht erschlossen. Keine Strasse, kein Strom, kein Wasser. Der Gemeinderat findet dies unbefriedigend. Am liebsten würde Alois Gunzenreiner einem Interessenten sagen: Wir haben genug voll erschlossenes Bauland und es ist zu einem vernünftigen Preis zu haben. Und er würde dem Interessenten gerne ein Dossier mit allen Fakten in die Hand drücken. Der Gemeinderat hat deshalb den Grundsatz, dass die Gemeinde Grundstücke zur Sicherstellung einer wirtschaftlichen Entwicklung erwerben darf. Dass die Gemeinde Industrieland als Reserve kaufe, sei nicht zwingend, aber denkbar, sagt Alois Gunzenreiner. Der Wattwiler Gemeinderat hat einen Bericht über das Gebiet Bleiken in Auftrag gegeben und dieses als B-Standort im kantonalen Richtplan eintragen lassen – als Standort, der von der Lage, Grösse und Erreichbarkeit ein regionales Schwerpunktgebiet sein kann, aber noch nicht voll erschlossen ist. Der Kanton unterstützt die Vermarktung solcher Standorte im Rahmen der Wirtschaftsförderung.

Vor allem hiesige Investoren

Von einer Dynamik wie im Raum Rapperswil oder Wil kann der Wattwiler Gemeindepräsident allerdings nur träumen. In Wil West haben die Kantone St. Gallen und Thurgau zusammen mit den Gemeinden einen Masterplan für ein Industrieareal von 105 000 Quadratmetern an der Autobahn erarbeitet. Ab 2020 könnten dort bis zu 3000 neue Arbeitsplätze entstehen. In der Wattwiler Bleiken ist man aus Erfahrung bescheidener. Eine Warteliste mit Interessenten gibt es nicht. Dennoch glaubt man an die industrielle Zukunft: «Wattwil ist noch nicht fertig gebaut», sagt Alois Gunzenreiner. Und damit meint er nicht nur Wohnhäuser. Auch wenn in den letzten Jahren keine Neuansiedlungen zu vermelden waren, zeigen der Erweiterungsbau der Turbo Separator 2009 und der Neubau der A + B Bürsten 2014 auf, dass erfolgreiche hiesige Firmen im Tal bleiben, wenn sie hier bauen können. Alder + Eisenhut oder die IST AG in Ebnat-Kappel sind ebenfalls Beispiele für dieses Binnenwachstum.

Ganze Bleiken Industriezone

«Für die Toggenburger Zentrumsgemeinde ist die Bestandespflege sehr wichtig», hält Alois Gunzenreiner fest. Im Raumkonzept Toggenburg hat die Region die wirtschaftlichen Entwicklungsgebiete definiert. Zwei davon liegen auf Wattwiler Boden: Das voll erschlossene Rietwis-Areal als A-Standort und das Bleiken-Quartier. Der Gemeinderat beabsichtigt nun, alle nötigen Abklärungen zu treffen und Verhandlungen zu führen, um auch die Areale Übriges Gemeindegebiet (ÜG, im Plan B, C und D) in Industriezonen umzuzonen. Damit wäre der Spielraum für gewerbliche oder industrielle Ansiedlungen wesentlich grösser. Damit in jenem Gebiet eine möglichst grosse Fläche entsteht, sei die Zusammenarbeit mit den dortigen Grundeigentümern wichtig, sagt Alois Gunzenreiner. Erste Gespräche seien schon geführt worden. Es geht dabei in erster Linie um die Erschliessung.

Einsprache blockiert Sanierung

Ein weiteres Problem möchte der Wattwiler Gemeinderat lösen: Der Hummelwaldbach zerschneidet die Parzelle. Deshalb reaktiviert der Gemeinderat ein altes Projekt: Die Umleitung des Hummelwaldbaches in die Sedelbäche. Dieses Projekt könne mit einer finanziellen Beteiligung des Kantons rechnen, sagt Alois Gunzenreiner. Zusätzlich zum Baulandzuwachs würde diese Bachumleitung das Riet in der Brendi mit mehr Wasser speisen, was aus Naturschutzgründen wünschenswert sei.

Ein anderes Problem für die Attraktivitätssteigerung des Bleiken-Gebiets: Wegen einer Einsprache, die beim Kanton liegt, ist die schon beschlossene Sanierung der Bleikenstrasse Süd blockiert. Kaum Bauchweh macht Alois Gunzenreiner hingegen ein alter Eintrag im kantonalen Richtplan. Dort ist noch eine Option für einen Gleisanschluss für Güterverkehr neben dem Tunnelweg eingetragen. Dieser würde die Überbauung einschränken. Der Gemeinderat habe bereits die Streichung dieser Option eingereicht. Bis zur Erstellung eines umfassenden Dossiers für das ganze Gebiet Bleiken muss nun der Gemeinderat mehrere Fragen abschliessend prüfen: Erschliessung, Bachläufe, Naturgefahren, Umzonungen. Dabei wird die Gemeinde auch von kantonalen Stellen unterstützt. Alois Gunzenreiner betont: «Der Richtplan ist eine Absichtserklärung, noch kein abschliessender Entscheid.»


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