Benis Olympia-Tagebuch: Im südkoreanischen Amtsdschungel

EIN TOGGENBURGER AN DEN OLYMPISCHEN SPIELEN ⋅ Noch immer muss Beni Giger in Pyeongchang Fragen zu den Kamerapodesten klären. Zwischendurch kann er aber auch beobachten. Zum Beispiel wie man in Südkorea das Räumen von Schnee trainiert - in Reih und Glied.
02. Februar 2018, 14:46
Beni Giger
Schon wieder ist ein Tag vorbei. Immer wenn ich zur Unterkunft zurück komme, kommuniziere ich über Face Time mit meiner Familie in Nesslau. Das ist eine super Sache, diese Technik. Heute musste ich fragen, welchen Tag wir haben. Mittwoch oder Donnerstag ? Oder ist schon Freitag?

Die Kameras werden auf die Podeste, die entlang der Skipisten aufgestellt sind, transportiert. Zoom

Die Kameras werden auf die Podeste, die entlang der Skipisten aufgestellt sind, transportiert.

Auf dem Hang geht es so richtig ab. Vier neue Glasfaserkabeln mit 500 Metern Länge wurden angeliefert. Die Kabel werden von einer deutschen Kabel-Montage-Crew neu verlegt und anschliessend startet ein griechisches Team, um die Kabel mit Steckern zu versehen. Ich hoffe, dass sie in zwei Tagen fertig sein werden, wie sie es sagen. 


Nachdenken über den grossen Aufwand

Immer wieder frage ich mich, wie sinnvoll es ist, einen solch grossen Aufwand zu betreiben. Ich bin oft sehr kritisch. Auf der einen Seite stelle ich mir die Frage, wie sinnvoll es ist, neue Lifte und neue Pisten zu bauen, für die Wälder abgeholzt werden müssen. Auf der anderen Seite denke ich, dass Olympische Spiele einem Land viele neue Infrastrukturen bringen. Dank Olympia gibt es hier in Südkorea einen direkten Zug vom Olympiagebiet direkt in die Hauptstadt Seoul. Ich selber versuche aber immer, mit meiner Arbeit der Natur keinen Schaden zuzufügen. 
 

Die Koreaner testen für die Rennen

Die Südkoreaner stellen sich auf für die Übung, eine Tribüne schnell vom Schnee zu befreien. Zoom

Die Südkoreaner stellen sich auf für die Übung, eine Tribüne schnell vom Schnee zu befreien.

Aber zurück zu meiner Arbeit. Heute haben wir sicher wieder zwei bis drei Stunden gebraucht, um Fragen bezüglich der Podeste zu klären. Das ist ja nichts Neues. Ich finde es spannend, dass es hier für jede Konstruktion eine schriftliche Bestätigung braucht. Das heisst, für alles muss irgendwo in einem Amt ein Stempel gemacht werden. So ist es halt und das haben wir zu akzeptieren. Mit grossem Interesse verfolge ich auch immer wieder die verschiedenen Tests im Zielraum oder entlang der Pisten. Es wird zum Beispiel geprobt, wie bei einer Rettung Zäune eingerollt werden müssen. Oder eine andere Gruppe übt mit Schneeschaufeln, wie die Tribüne schnell vom Schnee befreit werden kann. 

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