Komiker sind nur Roboter

COMEDY ⋅ Mit einer App versuchte das Komikerduo Lapsus am Samstag das Publikum im Lichtensteiger Chössi-Theater in die Zukunft der volldigitalen Comedy zu transferieren.
05. Februar 2018, 10:37
Michael Hug

Michael Hug

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Tja, jeder Roboter muss irgendwann mal wieder an die Ladestation. Dumm nur, wenn dies mitten in einer Vorstellung passiert. Denn dann fliegt die Camouflage prompt auf – das Publikum wurde von zwei Humanoiden – oder «Humoriden», nicht zu verwechseln mit Hämorrhoiden, zum Narren gehalten. Doch vielleicht brauchte es dieses Lapsus, um zu zeigen, dass die Menschheit schon längst von Robotern regiert und dirigiert, also zum Narren gehalten werden.
 

Digitale Zukunft

Lapsus, das oftfach preisgekrönte Komiker-Duo aus der Dimitri-Schule, widmet sich in seinem aktuellen Programm – dem 7. in 23 Jahren – der digitalen Zukunft. Es hat in gigantischer Kleinarbeit eine App programmiert, die fast alles verhindern kann, das bisher zu zwischen- und menschlichen Dissonanzen, in manchen Fällen gar gröberen Meinungsunterschieden und/oder physischen Auseinandersetzungen geführt hat. Dazu müssen dem Publikum erstmal sämtliche Daten abgesogen werden. Lapsus macht dies mit kreativen Projektions-Spielereien auf der Bühne, mit ausgetüftelten Algorithmen und Standleitungen zur Programmiereinheit in Indien. Denn nicht alles klappt auf Anhieb, ein Absturz pro Show muss drinliegen, das ist ja im ganz normalen digitalen Alltag auch so.
 

Bewährte Rollenverteilung

«On/Off» heisst das aktuelle Programm von Christian Höhener, ursprünglich aus Thal, und Peter Winkler, die sich auf der Bühne als Bruno Gschwind (der Kleine) und Theo Hitzig (der Grosse) geben. Mit der bewährten Rollenverteilung – der Kleine faul aber bauernschlau, der Grosse allwissend aber nervig – führen sie real (auf der Bühne) und virtuell (auf der Leinwand) durch ihre verrückten, schrägen und äusserst kreativen Ein- und Ausfälle. Wie sie dabei vorgehen, offenbart, unter anderem, auch die neue App. Es kann nämlich Gedanken austauschen (via Bluetooth). Eine Innovation, die die Grenzen des Zwischenmenschlichen sprengt und jegliche Kommunikation erleichtert und beschleunigt, sofern die Gehirne eingeschaltet sind. Doch auf der Bühne ist das kontraproduktiv. Das Publikum will nämlich etwas sehen und hören, will sich unterhalten lassen und nicht mitdenken. Also muss Aussage her. Slapstick muss auch Aussage haben, sagt Theo Hitzig. Kein Problem für Bruno Gschwind, der sofort mit der Laubsäge zur Stelle ist. Hier gilt Aussage gegen Aussage, doch weil Bruno eine Fehlaussage macht, ist die rechte Hand von Theo weg. Und schon kommt das SMS vom Server, das die Order zur nächsten Nummer ausgibt. Ein Drama ist gewünscht, mit viel TDT (Tränendrüsenpotenzial). Rollen und Texte bestimmt der Server ebenso via SMS, doch weil eben nicht alles digital geht und die Requisiten noch von Hand auf die Bühne geschleppt werden müssen, gibt es eine analoge Auseinandersetzung zwischen den beiden Protagonisten um die Frage, wer denn jetzt diese Requisite holt. Bruno Gschwind nicht. Ihm, beziehungsweise seinem humanoiden Klon, geht nämlich der «Pfuus» aus. Die Ladestation muss her.


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