Der neue Spitalbau: rote Steckdosen und eine riesige Lüftung

WATTWIL ⋅ 40 Mitglieder der CVP Toggenburg besuchten am Samstagmorgen den Erweiterungsbau der Spitalregion Fürstenland Toggenburg SRFT. Sie waren besonders von der Technik beeindruckt.
05. Februar 2018, 05:17
Cecilia Hess-Lombriser

Cecilia Hess-Lombriser

 

Im März wird der neue Bettentrakt bezogen. Mit dem Erweiterungsbau erfährt das Spital Wattwil eine umfassende Erneuerung und eine Konzentration der Ressourcen. Dies erfuhren die Mitglieder der CVP Toggenburg, präsidiert von Thomas Feller. Den Anlass hatte Kantonsrat Andreas Widmer in die Wege geleitet. Yves Bürgler, Leiter Bau SRFT, informierte zuerst anhand von Plänen über die verschiedenen Bauetappen und die Organisation der Räume, danach führten er, Barbara Anderegg, Leiterin Kommunikation und René Fiechter, Vorsitzender der Geschäftsleitung, die Besuchenden in drei Gruppen durch den Neubau.

Investition in modernes Spital

Quietschende Schuhsohlen bewegten sich am Samstag durch Gänge und Räume, die mit beigefarbenen, marmorierten Platten belegt sind; vorbei an eichenfurnierten Türen, Schränken und Theken. Die Farbkombination vermittelt eine ruhige, warme und einladende Atmosphäre. Die grossen Fenster in den Patientenzimmern lenken den Blick auf die Hügel und Hänge der Umgebung. Die Verbindung mit der Umgebung schafft auch das neue Restaurant mit der durchgängigen Fensterfront. 85 Millionen Franken fliessen in den Erweiterungsbau und die Anpassungen im alten Teil. Am 30. November 2014 hatten die Stimmbürgerinnen und –bürger mit einer Zustimmung von 76 Prozent den Startschuss dazu gegeben. «Es hatte lange gedauert, bis es so weit war, aber seither ist alles schnell gegangen und es ist ein wunderbarer Bau geworden», freute sich René Fiechter. Mit dem modernisierten Spital im Toggenburg lautet nun der Werbespruch: «Hervorragende Aussichten auf gute Besserung».

Einblick in die komplexe Technik

Die SRFT hat auf ihrer Website eine Baukamera eingerichtet. Es können auch frühere Bilder angeschaut werden. Die momentane Situation war für die Gäste vom Samstag eine interessante, weil sich die Infrastruktur bereits so zeigte, wie sie bald benützt wird. Die meisten Zimmer waren bereits gereinigt und durften nicht mehr betreten werden. Die Betten fehlen noch und auch die Einrichtung aller Nebenräume.

Besonders eindrücklich war die Technik im Keller. Unzählige Leitungen bedienen von hier aus alle Räume über der Erde. Ein riesiger Raum ist alleine für die Lüftungszentrale vorbehalten. «Für die Klimatisierung mussten hohe Anforderungen erfüllt werden», bestätigte René Fiechter in seiner Gruppe. Geheizt wird mit Erdwärme. Die Temperatur kann für individuelle Bedürfnisse angepasst werden. Wo Medikamente gelagert werden, braucht es eine konstante Temperatur und in den Operationssälen ist sie niedriger, weil die Apparaturen Wärme abgeben. Eine Gasheizung kann im Notfall zugeschaltet werden. Für den Notfall gibt es in bestimmten Räumen auch unterbruchslose Steckdosen, die über eine Batterie gespeist werden. Ihre Farbe ist rot, damit sie nicht versehentlich benützt werden.

Synergien nutzen – Ressourcen bündeln

Mit dem Erweiterungsbau wurden auch Konzepte und Abläufe angeschaut. «Wir haben die Chance genutzt, moderne Konzepte umzusetzen», sagte der CEO. So wird in Zukunft in Wattwil auch für das Spital Wil gekocht und das Essen schockgefroren. Dreimal pro Woche wird es nach Wil transportiert, wo es fertig aufbereitet wird. Mit dem Raumservice sind individuelle Menüs möglich. Die Bestellung wird bei den Patienten täglich aufgenommen. Umgekehrt wird das Spital Wattwil ein kleineres Labor haben als Wil. Gewisse Untersuchungen werden dann dort vorgenommen. Auch das Material wird zentral gelagert. «Zudem haben wir für alle Spitäler nur eine IT. Das ist eine perfekte Lösung», zeigte sich René Fiechter überzeugt. Trotzdem werde man aufmerksam bleiben. Die Cyberkriminalität sei das Thema einer Sitzung in der laufenden Woche, verriet er. Das neue Gebäude ist eine Säulenkonstruktion. Das heisst, dass die Wände versetzbar sind und neuen Gegebenheiten angepasst werden können. Die Decken bestehen aus leicht entfernbaren Platten, damit die Leitungen leicht zugänglich blieben. Auf die Krankenkassenprämien habe die Investition keinen Einfluss, erläuterte René Fiechter in einer abschliessenden Fragerunde.

Bau in vier Etappen

Im September 2016 begannen die Bauarbeiten am Spital Wattwil mit dem Abbruch des Traktes B und eines Teils des Traktes A. Der neue Erweiterungsbau mit den Bettenstationen auf drei Stockwerken, dem neuen Restaurant, der neuen Küche und der Physiotherapieräume sowie dem Helikopterplatz auf dem Dach wird im März bezogen. Am 2. Juni ist Tag der offenen Tür. Die Bauarbeiten gehen jedoch weiter. Im alten Teil wird um­gebaut. Dort sind die Opera- tionssäle untergebracht, die ­vollständig saniert werden. Auch die Radiologie kommt in diesen Teil. Ab 2019 wird der heutige Bet­tentrakt umfassend umge- baut. Dorthin kommen die Tagesklinik, die Untersuchungsräume und das neue Labor, im dritten Stock des Gebäudes die Wohnstation der Alkoholkurzzeittherapie (PSA) und im Erdgeschoss die Notfallstation mit eigenem Eingang. In der letzten Bauetappe, die im April 2020 abgeschlossen sein sollte, wird der verbliebene Teil des heutigen Traktes A umgebaut. Dort sind weitere Räume für die Tagesklinik sowie die gynäkologische Praxis vorgesehen. Die Umgebung wird laufend angepasst. Eine grosse Herausforderung ist die Aufrechterhaltung des ganzen Spitalbetriebs während der Bauarbeiten. (hlo)


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