Die Bienen fliegen bereits

WARMER JANUAR ⋅ Wegen des überdurchschnittlich warmen Januars können die Bienen bereits fleissig brüten und die Hirsche ihre Reserven aufstocken. Für Landwirte steigt allerdings die Gefahr von Schädlingen.
04. Februar 2018, 18:21
Katharina Rutz, Corinne Allenspach

Katharina Rutz, Corinne Allenspach

katharina.rutz@wundo.ch

Wegen des sehr milden Januars blüht bereits überall der Haselstrauch. Dieser bildet die erste Nahrungsquelle im Jahr für die Bienen. Da sie bei Temperaturen von über 10 Grad auch ihren Stock verlassen können, sind sie bereits fleissig am Sammeln. «Dies führt dazu, dass sie bereits viel Brut pflegen», sagt Lorenz Huber, Bieneninspektor und Berufsimker aus Gams. Bei den Imkern weckt dies die Hoffnung auf starke Völker im Frühjahr. «Allerdings wächst auch die Angst vor einem Kälteeinbruch später im Frühjahr», sagt Huber. Denn wenn die Bienen jetzt mehr fliegen, verlieren die Völker unter Umständen mehr Arbeiterinnen als neue Bienen schlüpfen. Bei einem Kälteeinbruch wäre das Volk dann nicht mehr stark genug, die Brut zu wärmen und zu pflegen. «Kälteeinbrüche machen die Völker auch anfälliger für Krankheiten, wie wir letztes Jahr gesehen haben», so Lorenz Huber. Die Werdenberger Imker hatten daraufhin mit der Sauerbrut zu kämpfen. «Unter den milden Temperaturen leiden die Bienen aber grundsätzlich nicht, es ist für sie eher leichter», so Lorenz Hubers Fazit.

Auch die Hirsche in den Werdenberger Wäldern profitieren eher vom überdurchschnittlich warmen Januar. «Sie brauchen weniger Energie, da sie trotz allem ihren Körper noch auf Sparmodus halten», sagt beispielsweise Wildhüter Silvan Eugster. «Spriesst sogar in tieferen Lagen schon das Gras, können sich die Hirsche ihre Reserven bereits wieder auffüllen.» So können sie auch beruhigter auf die nächsten Monate blicken. Mit aufgestockten Reserven dürften sie auch einen späteren Kälteeinbruch mit geschlossener Schneedecke gut meistern.

Igel sollten jetzt noch schlafen

Gefährlicher war der warme Januar beispielsweise für Igel. Dolores Rust von der Igelstation der Tierklinik Nesslau sagt, dass es durchaus sein könne, dass Igel in milden Wintern ungeplant aufwachen und unterwegs seien. «Wenn man jetzt einen Igel draussen sieht, muss man ihn unbedingt füttern oder zur nächsten Igelstation bringen», sagt sie. Denn jetzt würden die Tiere noch keine Schnecken oder Beeren finden, um sich zu ernähren. In Nesslau sei im Januar bereits ein Igel abgegeben worden.

Die Obstbäume sind laut Andreas Gantenbein, Landwirt aus Grabs, noch auf Winter eingestellt. «Es ist noch nicht gefährlich», sagt er. «Das milde Wetter sollte aber nicht weitergehen.» Etwas Sorgen bereiten ihm die Aussagen der Meteorologen dann aber doch: «Winter mit Wärmeeinbrüchen, frühem Frühlingserwachen und Kälteeinbruch danach würden tendenziell zunehmen, sagen die Meteorologen.» Die wärmeren Temperaturen würden auch Schädlinge begünstigen, die vielleicht von Süden her langsam in unsere Regionen vordringen könnten.

Beim Landwirtschaftlichen Zentrum Salez will man noch nicht von einem Problem sprechen. «Wir warten erst einmal den Februar ab», sagt Rolf Künzler von der Fachstelle Gemüsebau. Ob und wie sich der bisher milde Winter auf die Landwirtschaft auswirke, könne man noch nicht beurteilen. Sicher ist: Auch in der Landwirtschaft wäre man um eine Kälteperiode froh. Und zwar möglichst rasch und nicht erst im Frühling. Was dann passiere, habe man vergangenes Jahr gesehen mit dem späten Schnee im April. Bleiben die Temperaturen im Februar so mild wie bisher, müsste man gemäss Künzler damit rechnen, dass es Auswirkungen auf das Wachstum von Pilzen und Schädlingen habe. Denn für gewisse Insekten gilt: Je höher die Temperatur, desto höher ist ihre Vermehrungsrate. Auch Pilze mögen es lieber wärmer.

Aber eben, für derlei Aussagen sei es im Moment schlicht noch zu früh. Und die Wetterprognosen der kommenden Tage lassen ja für die Natur Gutes erhoffen: Der Winter schafft es dieses Jahr wohl doch noch ins Flachland.


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