Durchatmen dank Beton und Nebel

OBERUZWIL ⋅ Einen Monat nach dem Einbruch in die Bijouterie Schär hat sich vieles verändert: Der Laden wurde in mehreren Punkten sicherer gemacht. Susanne Schär erzählt, wie sie diese Zeit durchgestanden hat.
08. Februar 2018, 05:19
Angelina Donati

Angelina Donati

Sie strahlt über das ganze Gesicht und wirkt gelöst: Die Strapazen, welche Susanne Schär in den vergangenen Wochen auf sich nehmen musste, sind ausgestanden. «Den Schock habe ich überwunden», sagt die Geschäftsinhaberin der Uhren & Schmuckwerkstatt in Oberuzwil.

Anfang Januar rammten Einbrecher mit einem gestohlenen Auto den Laden Susanne Schärs, bedienten sich an zahlreichen Uhren, ehe sie sich zwei Minuten später aus dem Staub machten. (Ausgabe vom 9. Januar). «Es war eine belastende Zeit», sagt die Geschäftsinhaberin. «Ich war lange im Ungewissen, ob die Versicherung für den Schaden aufkommt und mein Geschäft auch weiter versichert.»

Versuchen, die Situation mit Humor zu nehmen

Mit dem schliesslich positiven Entscheid fiel Susanne Schär ein Stein vom Herzen. Gleichzeitig gab es ihr Gelegenheit, das Sicherheitskonzept der Bijouterie nochmals genau zu überprüfen. Zu den ursprünglich geplanten zwei Pfosten, die vor dem Eingang zu stehen hätten kommen sollen, kamen neun weitere dazu. Neun davon wurden vor wenigen Tagen ins Trottoir vor dem Eingang einbetoniert und zwei weitere vor dem Schaufenster an der linken Gebäudeseite. «Das gibt mir nun ein sicheres Gefühl.»

Zudem soll im Laden in wenigen Wochen auch eine Sicherheitsnebel-Anlage installiert werden. Die effektivste aller Methoden – wie Martin Winckel vom Internationalen Juwelier-Warndienst sie gegenüber unserer Zeitung beschrieb (Ausgabe vom 11. Januar). Sobald die Alarmanlage ausgelöst wird, breitet sich innert Sekunden ein dichter Nebel im Raum aus. Dadurch können die Einbrecher nichts mehr stehlen und müssen sich beeilen, um überhaupt wieder nach draussen zu gelangen. «Bereits vor zwei Jahren überlegte ich mir, eine solche Anlage zu beschaffen», sagt Susanne Schär. War es damals optional, gehöre es nach dem jüngsten Vorfall gar zu einer Vorgabe der Versicherung.

Noch heute soll endlich auch die neue Eingangstüre eingebaut werden. «Während diesem Tag dürfte es darum ein bisschen kalt werden», sagt Susanne Schär und schmunzelt. Danach aber dürfte der gewohnte Alltag in der Bijouterie wieder einkehren. Was dann noch fehlt, sind die ursprünglichen Präsentationsmöbel. Wie auch bei der Türe handelt es sich bei den zerstörten Vitrinen um Spezialanfertigungen. Bis diese eintreffen, sollen noch ein paar weitere Wochen vergehen. Die Geschäftsinhaberin hat sich derweil mit Ausstellungsvitrinen beholfen. «Dass die Glasabdeckungen fehlen, fällt den Kunden zum Glück kaum auf», sagt Susanne Schär, greift durch das vermeintliche Vitrinenglas und schmunzelt. «Ich versuche, mit der Situation locker umzugehen und sie mit Humor zu nehmen.» Mit einem leichten Augenzwinkern informiert sie auch ihre Kunden auf der Webseite: «Es gibt noch immer viele schöne Uhren und Schmuckstücke zu betrachten.»

Blumen, Pralinés und Glücksbringer

So schwierig die Zeit nach dem Einbruch mit all den Aufräumarbeiten, Bedenken und Sorgen auch war, durfte Susanne Schär eine grosse Solidarität von Kunden, Handwerkern und Gemeindemitarbeitern erfahren, wie sie sagt. «Die Anteilnahme der Leute hat mich überwältigt.» Ob Blumen als Aufmunterung, Pralinés um die Stimmung zu heben, Dekorationsgegenstände als Glücksbringer oder aufbauende Worte – die persönliche Wertschätzung der Kunden war gross. «Sie haben mir gut zugeredet und mich bekräftigt, das Geschäft weiterzuführen», erzählt Susanne Schär. Schliesslich ist es nicht das erste Mal, dass Kriminelle über die Bijouterie in Oberuzwil hergefallen sind. Es war bereits der dritte Einbruch nach demselben Muster. Ausserdem wurde die Geschäftsinhaberin vor zwei ­Jahren mit einer Pistole zur Geld­herausgabe gezwungen.

Dank all der neuen Sicherheitsmassnahmen werde sie endlich wieder durchatmen können. Genau solche schlimmen Vorfälle, die Susanne Schär erlebt hat, geben ihr aber arg zu denken. «Die Kriminalität hat zugenommen. Nicht nur in unserer Branche, sondern generell», sagt sie nachdenklich. «Selbst wenn man nur spazieren geht, kann es sein, dass man verprügelt wird. Davor gefeit ist niemand.»


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