«Fluch der Linde»

SONNENTAL ⋅ Der Rosenmontagsball 2018 der Sonnentaler Zugvögel könnte der letzte in der Geschichte der lokalen Fasnachtsclique sein. Über der Inhaberin des Vereinslokals, der «Linde», ist der Konkurs eröffnet worden.
05. Februar 2018, 10:40
Andrea Häusler

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

Das Motto des diesjährigen Maskenballs der Zugvögel ist Programm. «Reiner Zufall», sagt Vereinspräsident Roman Eggenberger. Das Leitthema «Fluch der Linde» sei in Anlehnung an den US-amerikanischen Piratenfilm «Fluch der Karibik» kreiert worden. Bereits im September vergangenen Jahres, also lange bevor über die Inhaberin des Einzelunternehmens Restaurant Linde der Konkurs eröffnet worden war.

Der Gastwirtschaftsbetrieb an der Abt-Beda-Strasse 56 ist seit der Gründung der Fasnachtsclique vor 25 Jahren auch deren Vereinslokal. Dass die roten Rollladen nun heruntergelassen und Türen verschlossen sind, lässt die Fasnächtler nicht kalt. Obwohl der bereits organisierte und breit publizierte Maskenball vom 12. Februar durchgeführt werden kann. «Für uns ändert sich eigentlich nichts», sagt Roman Eggenberger. Bereits in früheren Jahren sei das Lokal für den Maskenball gemietet worden. Getränke und Würste habe man selber besorgt und auf eigene Rechnung verkauft. Der einzige Unterschied bestehe darin, dass der Mietpreis für die Lokalität dieses Jahr ans Konkursamt gezahlt werden müsse.
 

Schluss nach 20 Jahren

Bei diesem liegen derzeit sämtliche Kompetenzen. Dies bestätigt Jörg Frei, Leiter der Regionalstelle Wil des kantonalen Konkursamtes. Die Bewilligung zur Durchführung des traditionellen Fasnachtsanlasses bezeichnet er als Entgegenkommen. Darüber hinaus bleibe das Lokal aber weiterhin geschlossen. Denn abwenden lasse sich die Liquidation nicht mehr: Die Fristen hierfür sind abgelaufen.

Die Konkurseröffnung sei auf Begehren eines Gläubigers erfolgt, macht Frei klar und tritt damit Spekulationen entgegen, nach denen «die Bank» den wirtschaftlichen Zusammenbruch heraufbeschworen habe. Ursächlich verantwortlich oder zu­mindest mitverantwortlich sind mehreren Quellen zufolge «gesundheitliche Probleme» der Firmeninhaberin. Frieda Kühne selber war für eine Stellungnahme telefonisch wiederholt nicht erreichbar. Für sie endet mit der Betriebsschliessung eine fast 20-jährige Ära auf der «Linde». Das Restaurant hatte sie 1998 übernommen, nachdem sie bereits zuvor im Gastronomiebereich tätig gewesen war. Während mehrerer Jahre hatte sie das «Rössli» (später «Blume») an der Mitteldorfstrasse in Ebnat-Kappel betrieben.

Zugvögel-Maskenball 2019 gefährdet

Jörg Frei geht davon aus, dass das Konkursverfahren im Frühling, spätestens im Sommer abgeschlossen werden wird. Was mit der Liegenschaft Abt-Beda-Strasse 56 passieren wird, ist offen. Ob der «Fluch der Linde» zum Fluch für den Rosenmontagball wird, hängt wesentlich davon ab, ob in den Räumen der «Linde» nach deren Verwertung weiterhin ein Restaurant betrieben wird. Denn einen alternativen Durchführungsort sieht Roman Eggenberger nicht. Die nächste lokale «Beiz», das Mühle-Stübli in Brübach, sei zu klein, Schulhausräume und ähnliche Säle seien zu gross, sagt er. Traditionell beteiligten sich am Maskenball jeweils 60 bis 70 Personen. Den Anlass grösser anzurichten kann er sich schwer vorstellen. Umso mehr nicht, als dieser eben am Montag, dem letzten Tag der Fasnachtszeit stattfinde.


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