Angstort Bahnhof Wil: Das will die SBB tun, damit sich die Pendler sicherer fühlen

WIL ⋅ Obwohl am Bahnhof Wil nur selten etwas passiert, fühlen sich viele Leute vor allem abends unsicher und meiden das Gebiet. In einer Studie der SBB wird nun publik, wo der Hebel angesetzt werden soll. Ein zentraler Punkt ist die bessere Beleuchtung.
08. Februar 2018, 06:19
Simon Dudle

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

«Wil hat kein Sicherheitsproblem. Der Bahnhof ist sicher.» Diese Aussage von SBB-Sprecher Christian Ginsig mag auf den ersten Blick erstaunen. Denn es ist kein Zufall, dass ausgerechnet Wil als einer von nur drei Schweizer Städten für eine Pilotstudie zum Thema Sicherheit ausgewählt wurde – zusammen mit Winterthur und Biel. Im Falle des Äbtestädter Bahnhofs ist bei einer Befragung vor allem das subjektive Sicherheitsempfinden deutlich schlechter als bei vergleichbaren Bahnhöfen des Landes eingestuft worden. Von 100 möglichen Punkten gaben die Befragten beim Stichwort Sicherheitsempfinden untertags durchschnittlich 84,3 Punkte, nachts nur 48,3. Beide Werte sind unterdurchschnittlich. Gar noch deutlicher sind die Ergebnisse bei einer Befragung, welche die Stadt Wil durchgeführt hat. 63 Prozent gaben, den Bahnhof nachts als «eher unsicher» zu empfinden. 91 Prozent der befragten Personen nennen «bestimmte Gruppen» als Gründe für dieses Unsicherheitsgefühl.

Sowohl die Stadt Wil als auch die SBB sind interessiert daran, dies zu ändern. Für die Stadt ist der Bahnhof derzeit eine unschöne Visitenkarte. Der SBB drohen Kunden abhandenzukommen, wenn sich diese nicht sicher fühlen. Kommt dazu, dass ab Dezember dieses Jahres der Vollknoten zerfällt und wegen der schlechteren Verbindungen mehr Zeit am Bahnhof Wil verbracht werden muss.
 

Viele Störfaktoren an verschiedenen Plätzen

Darum wurde eine Studie in Auftrag gegeben, deren Inhalt nun vorliegt. Beruhigend zu wissen: Es passiert wenig. In den Ereignisjournalen der vergangenen Jahre gab es 2014 keinen einzigen Eintrag, 2015 war es einer und 2016 waren es deren drei wegen Vandalismus, Schlägerei und Pöbelei. «Es ist davon auszugehen, dass es zusätzlich zu den dokumentierten Ereignissen noch weitere, kleinere Ereignisse gab», ist in der Studie zu lesen.

Ein zentrales Problem ist die Szenenbildung beim Rondell, in der Nähe der Velostation und vor dem Stadtsaal. «Dort halten sich wiederholt junge, vermutlich arbeitslose Personen mit Migrationshintergrund, Sozialhilfeempfänger, Personen aus der Drogenszene und Alkoholiker auf», ist in der Studie weiter zu lesen. Gelegentlich komme es zu Auseinandersetzungen mit Gewaltpotenzial innerhalb der Szene. Andere Personen würden in der Regel nicht direkt belästigt oder bedroht. Durch konsequentes Wegweisen unruhestiftender Personen durch die Kantonspolizei habe die Situation im Vergleich zu früher etwas beruhigt werden können. Die Szenenbildung beim Aufgang zur Allee hat gemäss der Studie zur Folge, dass viele Personen diesen Zugang zum Bahnhof meiden, weil sie die anwesenden Personen als störend empfinden. Betroffen ist auch der Zugang zum Aufzug. Für gehbehinderte Personen und Menschen mit Kinderwagen ist die Unterführung aber praktisch nur mit den Aufzügen zu erreichen.

Auch das Betteln in den Unterführungen ist ein Problem, das trotz Wegweisungen immer wieder vorkommt. Zudem wird einfach so in die Ecken uriniert. Dies hauptsächlich bei der Tiefgarage, rund um das Rondell, in der Nähe der Frauenfeld-Wil-Bahn und bei den Grünflächen der Veloparkplätze. Dass sich rund um den Bahnhof immer wieder Personen von den umliegenden Psychiatrien aufhalten, wird ebenfalls als störend empfunden.
 

Bildschirme in der Unterführung und Hintergrundmusik

Aus der Studie gehen Handlungsempfehlungen hervor. Es gelte, die Lichtverhältnisse anzupassen. In der Nebenunterführung wird eine wärmere Farbe empfohlen. Zu prüfen sei zudem eine Leuchtwand mit einem sich immer wieder änderndem Lichtspiel. Im Bahnhof Aarau sei dies erfolgreich umgesetzt worden. Schaukästen mit regelmässig anderen Inhalten oder Grossbildschirmen sind eine weitere Option. In der Hauptunterführung machen es die zugeklebten Fenster noch dunkler. An beiden Orten könnte mit Hintergrundmusik Abhilfe geschaffen werden.

Um dem wilden Urinieren Herr zu werden, sind zusätzliche Toiletten ein Ansatz, aber auch ein Rückspritz-Lack an Fassaden. Dieser bewirkt, dass der Urin zurückspritzt. Auch das Beschneiden der Vegetation bei der Velostation soll geprüft werden.

Um die Szenenbildung zu verhindern, braucht es alternative Plätze. «Dabei ist es wichtig, die betroffenen Personen bei der Planung und Gestaltung einzubeziehen. So kann die Akzeptanz für den neuen Standort gefördert werden», ist in der Studie zu lesen. Vor dem Stadtsaal sei ein Mäuerchen abzubrechen, damit das Bier nicht mehr auf dieses gestellt werden kann.


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