Zurück im Scheinwerferlicht

EISHOCKEY ⋅ Am Sonntag treffen die Rapperswil-Jona Lakers aus der NLB im Cupfinal auf den Spitzenclub Davos. Ob der grösste Erfolg in der Vereinsgeschichte perfekt wird, hängt stark von Goalie Melvin Nyffeler ab.
02. Februar 2018, 07:00
Sergio Dudli

Sergio Dudli

Der Cup schreibt seine eigenen Geschichten, heisst es im Volksmund. Auf dem besten Weg, das Buch der Märchen aus der Welt des Sports um ein Kapitel zu erweitern, sind die Rapperswil-Jona Lakers. Der Tabellenführer aus der NLB wird in der Meisterschaft kaum gefordert und führt die ­Tabelle mit elf Punkten Vorsprung bei einem Spiel weniger an. Dass die Ostschweizer Mannschaft des kanadischen Trainers Jeff Tomlinson das Potenzial hat, um auch in der höchsten Liga der Schweiz zu bestehen, zeigt sie im Cup: Im Achtelfinal gewannen die St. Galler 3:0 gegen Lugano, eine Runde später besiegten sie Zug 5:1. «Diese Spiele haben uns gezeigt, dass wir gegen solche Teams bestehen können», sagt Torhüter Melvin Nyffeler. Nach dem anschliessenden Sieg im Halbfinal gegen Ajoie stand Rapperswil-Jona als Finalteilnehmer fest.

Hier wartet am Sonntag vor heimischer Kulisse der HC Davos. Nyffeler ist sich bewusst, dass in einem Final die Ergebnisse und Erfolge aus den vorangegangenen Runden nicht mehr zählen: «Gegen Zug und Lugano gelang uns zweimal das perfekte Spiel. Aber jetzt geht es um mehr, als nur eine Runde weiterzu­kommen – jetzt geht es um den Titel.» Trotzdem unterstreicht der 23-Jährige, dass es für ihn ein Spiel wie jedes andere ist. «Wir wollen in die NLA, Davos spielt dort. In Zukunft soll diese Partie also häufiger vorkommen.»

Ein Wechsel mit Folgen

Für Nyffeler ist der Auftritt im Scheinwerferlicht eine Genugtuung. Als 19-Jähriger debütierte er in der Saison 2013/2014 für die ZSC Lions in der NLA. In elf Spielen in dieser Saison weist er eine Fangquote von 96 Prozent auf. Von den Medien und den Anhängern wird er daraufhin als Jahrzehnttalent gefeiert. Doch dann kommt die Karriere ins Stocken. Nyffeler unterschreibt einen Dreijahresvertrag bei Servette, dort soll er die neue Nummer eins werden. Doch kurz vor dem Saisonstart verpflichten die Westschweizer Robert Mayer und lösen den Vertrag mit dem jungen Zürcher auf. «Das hat mich ins Wanken gebracht», gibt Nyffeler offen zu. «Wenn dir so etwas passiert, ist es doch menschlich, wenn du nicht verstehst, wieso gerade dir das passiert. Vor allem, wenn du noch so jung bist wie ich damals.»

Der Goalie reagiert mit einem Wechsel zu Fribourg, wo er aber trotz guter Leistungen nicht über den Status als Nummer zwei ­hinauskommt. «Da habe ich gemerkt, dass im Sport nicht nur die sportliche Leistung gewichtet wird. Es spielt immer ein gewisses Politikum mit.» Nach all ­diesen Rückschlägen macht der Goalie einen Schritt zurück: Er geht zu Rapperswil-Jona in die NLB, abseits des Scheinwerferlichts. «Hier habe ich wieder den Spass am Eishockey gefunden», so Nyffeler. In der Ostschweiz ­bekommt er Spielpraxis und ist Bestandteil eines Teams, das in der NLB seit dem Abstieg vor drei Jahren zu den Spitzenclubs gehört. Das Vertrauen zahlt der 23-Jährige mit starken Leistungen zurück. Pro Meisterschaftsspiel kassiert er im Schnitt nur rund 1,7 Gegentore und pariert über 93 Prozent aller Schüsse. Aufgrund dieser Werte werden Stimmen laut, die sagen, Nyffeler sei zu gut für die NLB. «Ich möchte aber nicht nochmals denselben Fehler machen und zu früh in die NLA wechseln», so der Torhüter. Nyffeler hat einen Vertrag, der noch bis Ende der kommenden Saison läuft. «Und ich habe keine Ausstiegsklausel. Ich will mir die Zeit nehmen. Lieber mache ich 130 Spiele als Nummer eins in der NLB statt ein paar Partien in der höchsten Liga als Nummer-zwei-Goalie.»

Die eigenen Anhänger im Rücken

Dass Nyffeler auf der Position des Torhüters spielt, sieht er in diesem Zusammenhang als Vorteil. «Ein Goalie kann bis er 40 Jahre alt ist auf Topniveau spielen. Ich bin 23-jährig und habe somit noch 15 Jahre vor mir. Weshalb sollte ich mir da einen Stress machen?» Auch die Umwege der vergangenen Jahre sieht Nyffeler mittlerweile in einem anderen Licht. Er kann ihnen sogar Positives abgewinnen: «Das hat mich sportlich und menschlich weitergebracht. Deshalb kann ich jetzt auf einem hohen Level Eishockey spielen.»

Mit dem Cupfinal rückt ­Nyffeler wieder in den Fokus der Eishockey-Schweiz. Druck spürt der Goalie vor der Partie gegen Davos nicht: «Wir haben als unterklassiger Club nichts zu verlieren.» Dass der Final im heimischen Stadion ausgetragen wird, könnte am Ende das entscheidende Zünglein an der Waage sein. «Wenn unser Stadion ausverkauft ist, herrscht eine Stimmung, wie ich sie selten erlebe. Das gibt dir als Spieler Sicherheit, denn du weisst: Ich werde bis zur letzten Sekunde angefeuert.»


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