FC St.Gallen: Es drohen weitere Abgänge

UNRUHE ⋅ Nach Pascal Kesseli und Michael Hüppi verlässt auch Martin Schönenberger den Verwaltungsrat der FC St.Gallen Event AG. Die von Hüppi geübte harsche Kritik an der Vereinsführung teilt er. Laut Insidern könnte der Aderlass bei der Event AG weitergehen.
14. September 2017, 05:20
Ralf Streule

Ralf Streule

Die Medienmitteilung des FC St.Gallen ist dünn, besteht aus zwei Sätzen: «Martin Schönenberger hat den Verwaltungsrat an seiner jüngsten Sitzung vom 12. September 2017 informiert, dass er sich an den nächsten Generalversammlungen der FC St.Gallen Event AG und der FC St.Gallen AG nicht mehr zur Wiederwahl stellen wird. Ungeachtet dessen bleibt Martin Schönenberger Präsident der Sponsorenvereinigung Dienstags-Club sowie Präsident des Organisationskomitees der Nacht des Ostschweizer Fussballs.» Eine Kurzmeldung, die aber in den unruhigen St.Galler Zeiten einem weiteren Knall gleichkommt. Schönenberger, der seit 2009 im Verwaltungsrat (VR) sass, war zuletzt wie Hüppi nicht zufrieden mit den Entwicklungen im Verein. Dies deutete er gestern in einer persönlichen Erklärung an Freunde und die Mitglieder des Dienstag-Clubs an – das Schreiben liegt auch dieser Zeitung vor. Veränderungen böten Chancen, schreibt er darin. Die Art und Weise, wie diese Veränderungen umgesetzt werden, dürften aber nicht ausser Acht gelassen werden. Den von Hüppi im «Tagblatt» gemachten Aussagen nach dessen Rücktritt habe er nichts mehr hinzuzufügen.
 

Das Verwaltungsrats-Team um Präsident Stefan Hernandez ist nur noch halb so gross, wie vor einer guten Woche. Zoom

Das Verwaltungsrats-Team um Präsident Stefan Hernandez ist nur noch halb so gross, wie vor einer guten Woche.

Hernandez: «Gremium gezielt erneuern»

Unterdessen ist der VR von sieben auf vier Personen geschrumpft – Präsident Stefan Hernandez, Ferruccio Vanin, Sascha Roth und Brigitta Mettler verbleiben. Dass sich Schönenberger nicht mehr zur Wiederwahl stelle, «gibt dem VR die Möglichkeit, das Gremium gezielt zu erneuern», sagt Hernandez. Der Abgang sei zu akzeptieren. Es gebe bereits konkrete Ideen, wer neu für den Verwaltungsrat vorgeschlagen werden soll, so der Präsident weiter. Bei den neuen Personen soll es sich wieder – wie in einem VR üblich – um Personen handeln, die nicht im Sold des Clubs stünden. Gewählt wird der VR im Herbst an den Generalversammlungen der beiden Aktiengesellschaften. Hier stellt sich die Frage, ob Dölf Früh bis dahin seine Anteile wie angekündigt verkauft haben wird – sollte dies nicht so sein, wäre er bei der Wahl der Verwaltungsräte als Hauptaktionär weiterhin in der Hauptrolle. Die Gerüchte zu Frühs angeblich weiterhin grossem Einfluss auf den Verein, was zuletzt unter anderem von Hüppi kritisiert und von Früh bestritten wurde, würde somit weitere Nahrung erhalten. Erhofft sich Hernandez, dass Früh verkauft? «Er wird den richtigen Entscheid treffen. Dass er die Aktien an Personen aus der Region verteilen will, sehe ich positiv. Wichtig ist, dass der Verein in Ostschweizer Hand bleibt.»

Drei weitere Abgänge in der Event AG

Unter den derzeitigen Umständen beim FC St.Gallen erhält auch folgende Meldung Brisanz: Gemäss Informationen aus dem Clubumfeld sollen der Leiter Event Yannik Amhof, der Leiter Vermarktung Claude Hollenstein sowie die Leiterin Sponsoring Jana Städler gekündigt haben. Es sind Rücktritte von Personen in wichtigen Positionen. Die angeblichen Kündigungen werden von den betreffenden Personen nicht kommentiert – vieles deutet aber darauf hin, dass auch sie im Zusammenhang mit den Umwälzungen und Unruhen der vergangenen Monate stehen. Stadionmanager Marco Sessa, der vor einer Woche abtrat, hatte seine Kündigung mit der aktuellen Führung des Clubs, dem Abgang von Kesseli sowie der «fehlenden Basis» begründet.

Insider sprechen davon, dass voraussichtlich in den kommenden Tagen weitere Abgänge in der Event AG folgen werden. Für Hernandez, der interimistisch für Kesseli der Event AG vorsteht, sind auch diese Abgänge «verständlich, wenn eine neue Führung kommt». Er bedauere die Rücktritte. «Wer sich aber nicht mehr zu 100 Prozent hinter den Verein stellen kann, muss eigene Wege gehen.»
 

Wer folgt auf Stübi?

Seit dem Rücktritt von Christian Stübi im Juni hat St. Gallen keinen Sportchef. Präsident Stefan Hernandez sagt, man sei in intensiven Gesprächen. Obwohl er grossen Respekt für ihre Arbeit habe, befänden sich auf der Kandidatenliste aber weder Vaduz-Sportchef Bernt Haas, noch der frühere Grasshoppers-Sportchef Dragan Rapic oder Martin Andermatt, der derzeit Mitglied des Verwaltungsrates in Hannover ist. (pl)


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