Unerwartete Rochade beim FC St.Gallen

NEUE NUMMER 1 ⋅ Goalie Daniel Lopar verliert überraschend seinen Stammplatz. Neue Nummer eins ist der 24-jährige Dejan Stojanovic. Es sei ein Entscheid für die Zukunft des Clubs, sagt Trainer Giorgio Contini nach dem 2:0 im Testspiel gegen Austria Lustenau.
Aktualisiert: 
27.01.2018, 21:00
27. Januar 2018, 16:06
Patricia Loher/Daniel Walt
Der Knabe war perplex. Er schien auf seine schüchterne Frage keine so positive Antwort erwartet zu haben. Im Kabineneingang in Wil hatte der kleine Mann nach dem Testspiel St. Gallens Goalie Dejan Stojanovic um das Trikot gebeten – und es umgehend erhalten. Der junge Anhänger hatte einen guten Moment für sein Anliegen erwischt, denn seit gestern Samstag ist der 24-jährige Stojanovic offiziell St. Gallens neue Nummer eins. Der in Vorarlberg aufgewachsene Torhüter verdrängt den 32-jährigen Daniel Lopar, den mit Abstand treuesten Spieler im Kader der Ostschweizer. Der Thurgauer gehört seit zwölf Jahren dem FC St. Gallen an. Insgesamt absolvierte er für den Club 291 Pflichtspiele.

Zwar hatte die Meldung auf ihrem Weg an die Öffentlichkeit noch einige kleine Hindernisse zu nehmen. Denn nachdem Contini den Wechsel auf der Torhüterposition schon vor der Testpartie gegen Austria Lustenau als definitiv vermeldet hatte, korrigierte die Kommunikationsabteilung den eigenen Facebook-Eintrag. Plötzlich war da nicht mehr die Rede von einem Goaliewechsel. Nur, nach dem 2:0-Erfolg gegen Austria Lustenau bekräftigte Contini erneut, künftig auf Stojanovic als Nummer eins zu setzen: «Es ist ein Entscheid für die Zukunft des Vereins. Stojanovic ist jung und talentiert. Er verfügt über gute Perspektiven.» Der Entschluss stehe aber 
in keinem Zusammenhang mit Lopars Leistungen. «Der eine ist mutig und jung, der andere sicher und erfahren. Stojanovic kann noch Kapital abwerfen, Lopar nicht», so Contini. 
 

Stojanovic und Lopar seit Sommer mit neuen Verträgen

Der mazedonisch-österreichische Doppelbürger Stojanovic wechselte im Sommer 2016 zu den St. Gallern und kam in sechs Cup- und vier Ligaspielen zum Einsatz. Im vergangenen August haben Stojanovic und der Club den Vertrag bis 2020 verlängert. Zwei Monate später unterschrieb auch Lopar einen neuen Kontrakt, der ebenfalls bis 2020 läuft.

Der Entscheid, den Goalie in der Winterpause zu wechseln, überrascht. Zwar unterliefen Lopar in der Vorrunde zwei, drei grössere Fehler. Spielentscheidend aber waren sie nicht. Contini sagt, er habe diesen Entschluss gefällt, die Vereinsleitung trage ihn mit. Er habe auch nichts mit den Vorkommnissen der vergangenen Woche zu tun, als mit drei Entlassungen die Gruppe um den Technischen Leiter Marco Otero zerschlagen wurde. Lopar wird so wie Contini und Otero auch eine Nähe zu Spielerberater Donato Blasucci nachgesagt. «Für die Mannschaft bin ich verantwortlich», sagte der Trainer. «Am Ende des Tages muss ich hinstehen. Also fälle auch ich solche Entscheide.»

Lopar eroberte auf den Beginn der Rückrunde 2007/2008 hin den Stammplatz im Tor der St. Galler von Stefano Razzetti. Im Sommer stiegen die Ostschweizer mit ihm ab und ein Jahr später wieder auf. Trainer Uli Forte setzte dem Goalie in der Folge Germano Vailati vor die Nase. Lopar profitierte unter Fortes Nachfolger Jeff Saibene dann von einer Verletzung Vailatis und eroberte sich den Stammplatz zurück. Auch unter Jeff Saibene blieb Lopar aber nicht unumstritten: So setzte der Luxemburger eine Zeit auf das Duo Daniel Lopar/Marcel Herzog, das sich im Zweispielerhythmus abwechselte. Die Torhüterrotation bewährte sich aber nicht, und Lopar erhielt seinen Platz zwischen den Pfosten zurück.
 

Zwei Tore durch Itten, Muheim dürfte kommen

Doch am Samstag musste Lopar 90 Minuten zusehen. Der Mann, der ihn überholt hat, hielt gegen die Lustenauer kurz vor Spielende einen Foulpenalty und warf sich dann auch erfolgreich in den Nachschuss. St. Gallen gewann die Partie gegen das Team aus der zweithöchsten österreichischen Liga verdient mit 2:0. Zweifacher Torschütze war vor der Pause Neuzugang Cedric Itten, der schon im Trainingslager in seinem ersten Testspiel für die St. Galler gegen Dynamo Kiew getroffen hatte. Vor allem das 2:0 war wunderschön herausgespielt. Der Ball kam über mehrere Stationen zu Boris Babic, der von rechts Itten bediente. 

Die Lustenauer waren besser ins Spiel gekommen und mehr im Ballbesitz. Die Mannschaft von Contini liess trotzdem nicht viel zu, in der 19. Minute aber war Lustenau der Führung doch nah, als Ronivaldo nur den Pfosten traf. In der Folge kontrollierten die St. Galler den Gegner besser. Sie wirkten gut organisiert und verkrafteten auch, dass Contini in der zweiten Halbzeit viele Wechsel vornahm. Eine der St. Galler Stärken der zweiten Saisonhälfte, die nächsten Samstag beginnt, dürfte sein, dass der Trainer über eine überdurchschnittlich gut besetzte Ersatzbank verfügt. Nächste Woche dürfte mit dem 19-jährigen Miro Muheim, der das Trainingslager mit St. Gallen absolvierte, gestern aber nicht zum Einsatz kam, ein weiterer Spieler definitiv zum Kader stossen.

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