Contini als Verlierer, Musavu-King als Gewinner: Der FC St.Gallen vor dem Start gegen YB

VORBEREITUNG ⋅ In der Vorbereitung erhält jeder Spieler eine neue Chance. Akteure, die noch im Vorjahr unangefochten waren, fallen zurück. Andere stossen zum Kader und überzeugen. Und wiederum andere machen den Schritt nach vorne. Wer beim FC St.Gallen zu den Gewinnern der Vorbereitung gehört - und wer als Verlierer zu sehen ist.
02. Februar 2018, 05:17
Christian Brägger, Patricia Loher

Christian Brägger, Patricia Loher

Das Ende der Vorbereitungszeit des FC St.Gallen naht, vorbei ist die Warterei für die Freunde der Super League. Zum Auftakt treffen die Ostschweizer morgen ab 19 Uhr auf Leader Young Boys, und das erst noch auswärts, im Stade de Suisse, wo die St.Galler eigentlich nie brillieren. Hinter den Spielern von Trainer Giorgio Contini liegen vier Wochen harte Arbeit, Wochen des Kondition-Bolzens, Körper-Schindens, Technik-Feilens und Spielsystem-Verinnerlichens. Nebenbei galt es auch, den Teamspirit zu fördern, das Teamgefüge zu formen.

Wie das so ist nach der Phase der Vorbereitung, nach der trotz etlicher Testspiele keiner so richtig weiss, wo er selber und die Gegner stehen, gibt es in den ­Reihen der St.Galler natürlich Gewinner und Verlierer: in der Führungsetage, der nach der sportlich ruhigen ersten Saisonhälfte der Sinn nach Ruhe im Umfeld steht. Und bei den Spielern.

Die Gewinner

  • Auf der Sonnenseite steht laut Formbarometer der 21-jährige Cedric Itten, der vom FC Basel ausgeliehene Stürmer, der nicht nur wegen seiner drei Tore in den Testspielen die neue Nummer eins im St.Galler Sturm sein dürfte.
  • Auch Boris Babic hat Fortschritte erzielt im vergangenen Monat, er wirkt robuster und scheint einen Schritt nach vorne gemacht zu haben. Ob es dem 20-jährigen Walenstadter reicht, in der Hierarchie an Roman Buess vorbeizuziehen, wird sich weisen – Routine steht der Jugend noch oft im Weg, oft auch zu Recht.
  • Im Mittelfeld ist Toko ein Gewinner. Beinahe die gesamte Hinrunde hat der Captain verpasst, nach seiner Rückkehr ­bewies der 27-Jährige noch im Dezember, wie unverzichtbar ­seine Präsenz für St.Gallen ist. Dieser Eindruck hat sich in der Vorbereitung manifestiert, obwohl Toko an Zehenproblemen litt. Noch ist ungewiss, ob er beim FC St.Gallen bleibt, der Vertrag läuft im Sommer aus.
  • Weiter an Profil gewonnen hat Alain Wiss, den Trainer Contini zuletzt in der Innenverteidigung einer Dreierkette forcierte.
  • Gut möglich scheint, dass morgen in Bern neben Wiss auch Yrondu Musavu-King aufläuft, dem die Vorbereitungswochen nach dem wegen fehlender Spielpraxis holprigen Einstieg sichtlich gutgetan haben.
  • Daneben ist Silvan Hefti ­unangefochten. Dabei muss die Clubführung des FC St.Gallen damit beginnen, einen Nachfolger für den Nachwuchsinternationalen Hefti aufzubauen, um gerüstet zu sein, wenn dieser den nächsten Schritt in der hoffnungsvollen Karriere in Angriff nimmt.
  • Der grösste Gewinner auf Ostschweizer Seite ist natürlich Dejan Stojanovic, die neue Nummer eins im Tor.

Damit geht einher, wer auf Spielerseite der Verlierer der Winterpause ist: Daniel Lopar. Aber auch andere Spieler werden in der Rückrunde einen schweren Stand haben - oder sich zumindest warm anziehen müssen:

  • Vorerst keine wichtigen Faktoren im St.Galler Spiel dürften Philippe Koch, Nassim Ben Khalifa und wohl auch Yannis Tafer sein. In dieser ­Kategorie muss sich vermutlich auch Karim Haggui ansiedeln, dessen Vertrag im Sommer ausläuft. Bei Ben Khalifa hat sich ­zuletzt auch der «Blick» dazu bemüssigt gefühlt, eine Geschichte über sein offenbar schwieriges Verhältnis zum Trainer zu schreiben. Man rede nicht mehr miteinander, hiess es. Contini bestritt das. Ben Khalifa schwieg. Wie dem auch sei, der Offensivmann Ben Khalifa ist nicht wirklich angekommen im FC St.Gallen, die Erwartungen hat der U17-Weltmeister jedenfalls selten erfüllt.
  • Gewarnt sind Tranquillo Barnetta, Danijel Aleksic und auch Peter Tschernegg, die mit Runar Sigurjonsson Konkurrenz erhalten haben: Der Isländer will an die WM nach Russland, auf sich aufmerksam machen kann er nur mit guten Leistungen. Mindestens Barnetta wird in seinem zweiten Jahr nach der Rückkehr aber noch gesetzt sein.
  • An Terrain eingebüsst hat Stjepan Kukuruzovic, der fast die gesamte Vorbereitung aufgrund einer Prellung handicapiert war.
  • Nebst Lopar gehört auch jener Mann, der den Goalie zurückgestuft hat, zu den Verlieren der Winterpause. Giorgio Contini hat innert zweier Wochen vier Vertrauenspersonen verloren – die neue Vereinsleitung hat damit ein Zeichen gegen Seilschaften gesendet. Die Position von Contini, der ebenfalls zu der nun zerschlagenen Gruppe Otero gehört hat, ist geschwächt. Der 44-Jährige kann sich nur selber helfen, indem er die neuen Gegebenheiten professionell akzeptiert, weiterhin gut arbeitet und: Erfolg hat.

Doch wie das so ist im Fussball, können sich die Dinge rasch ändern, und schnell einmal kann nichts mehr so sein, wie es war. Zumal das Startprogramm für die St.Galler mit den Young Boys, Zürich und Basel die laut Tabelle schwierigsten drei Happen gleich zum Auftakt vorsieht. Vielleicht strahlt dann für andere bereits die Sonne.

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