Schweizer verpassen Exploit deutlich

DAVIS CUP ⋅ Das Schweizer Davis-Cup-Team enttäuscht bei der 1:4-Niederlage in Kasachstan und wird im September gegen den Abstieg spielen. Captain Severin Lüthi glaubt aber an eine gute Zukunft für sein Team.
04. Februar 2018, 16:42

Kasachstan war siebeneinhalb Jahre nach einem 0:5-Debakel für das Schweizer Tennis und dem letzten Abstieg aus der Weltgruppe erneut keine Reise wert. Das Davis-Cup-Team war zwar nur Aussenseiter, das klare 0:3 nach zwei Tagen ist dennoch eine Enttäuschung. Zwar zeigten Debütant Marc-Andrea Hüsler mit einem Sieg und Adrian Bodmer mit einer knappen Niederlage in den bedeutungslosen Einzeln am Sonntag einen versöhnlichen Abschluss, doch Captain Severin Lüthi suchte nicht nach Ausreden. "Kasachstan war grundsätzlich sicher eine gute Auslosung für die Weltgruppe", stellte er nüchtern fest. Es wäre mehr möglich gewesen. "Klar bin ich enttäuscht, denn ich verliere nicht gern."

Den Schweizern gelang im eisig kalten Astana nicht nur kein Exploit, mit der Schlappe am Freitag von Henri Laaksonen gegen den gut 100 Plätze schlechter klassierten Dimitri Popko und der knappen Fünfsatz-Niederlage des Doppels am Samstag wurden auch die Spiele verloren, in denen man hätte gewinnen können ohne über sich hinauszuwachsen. So war der vierte Fall ins Abstiegs-Playoff in Folge natürlich nicht zu verhindern.

Dort konnte sich die Schweiz seit dem Triumph im Davis Cup 2014 noch immer retten, meist auch ohne Roger Federer und Stan Wawrinka und auch dank der Setzung, von der die Schweizer noch immer profitieren und so meist einen schlagbaren Gegner erhalten. Es stellt sich die Frage, ob es für die jungen Spieler allenfalls besser wäre, in der Europazone gegen einfachere Kontrahenten Erfolgserlebnisse zu sammeln. Der 21-jährige Hüsler bestritt in Kasachstan seine erste Davis-Cup-Partie, der ein Jahre ältere Bodmer seine zweite. "Das kann man so sehen", sagt Lüthi. "Aber auch Matches wie diese Woche sind sehr lehrreich."

Für den Captain und erfolgsverwöhnten Coach von Roger Federer ist dies der entscheidende Punkt. "Jeder muss bereit sein, sich zu hinterfragen und zu lernen. Ich glaube, dann ist viel möglich." Nicht gerade der erneute Gewinn des Davis Cups, aber eine Zukunft in der Weltgruppe der besten 16 Nationen. Mit der Einstellung in Astana sei er jedenfalls sehr zufrieden gewesen.

Klar ist, dass neue Leute das Schweizer Davis-Cup-Team tragen müssen. Mit Federer und Wawrinka rechnet auch Lüthi nicht mehr. Der 36-jährige Federer hat durchblicken lassen, dass er wohl nicht mehr Davis Cup spielen wird. Auch Wawrinka konzentrierte sich in den letzten zwei Jahren strikt auf seine Einzelkarriere und kommt zudem von einer schweren Knieverletzung zurück. Wollen die beiden bei den Olympischen Spielen 2020 dabei sein, müssten sie aber gemäss Reglement nochmals Davis Cup spielen. (sda)


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