Antwort auf: «Windräder: Alle Fakten abwägen»
Im Leserbrief von Frau Schrepfer wird gefordert, man solle «alle Fakten abwägen». Genau das wäre richtig – doch die entscheidenden Fakten liegen bis heute nicht auf dem Tisch. Stattdessen wird mit historischen Anekdoten argumentiert, die mit der heutigen Situation nicht vergleichbar sind.
Unbestritten ist, dass der Stromverbrauch steigt. Doch weshalb der Stromverbrauch «wegen Photovoltaik» steigen soll, bleibt unerklärt. Photovoltaik produziert Strom – sie verbraucht ihn nicht. Sie ist eine wichtige Stütze unserer einheimischen Stromproduktion.
Besonders zentral ist die Frage der tatsächlichen Winterstromproduktion. In den Gutachten wird jeweils das Winterhalbjahr (Oktober bis März) betrachtet. Für die Winterstromlücke entscheidend ist jedoch vor allem der meteorologische Winter – also Dezember, Januar und Februar – sowie der März.
Wie hoch wäre der Ertrag, wenn man nur diese drei oder vier Monate berücksichtigt? Ein Blick auf andere Standorte zeigt, dass Vorsicht angebracht ist: In Ruggell und Fläsch lag der Winterstromanteil bei früheren Gutachten bei rund 50 Prozent – jeweils bezogen auf das Winterhalbjahr. Ohne transparente, standortspezifische Messdaten bleibt daher offen, wie viel Strom im eigentlichen Winter – losgelöst von den Herbstmonaten – tatsächlich produziert werden kann.
Trotz all dieser offenen Fragen wird der Standort Sevelen bereits als «gut» und «wirtschaftlich sinnvoll» bezeichnet. Dies widerspricht einer sachlichen und fairen Debatte. Die Schweiz ist kein Wind-Land; im internationalen Vergleich gilt sie klar als «windschwach». Zur Wirtschaftlichkeit gehört auch die Frage, ob die hohen Subventionen (bis 60 Prozent) und die weiteren Nachteile für den Standort Sevelen ehrlich eingerechnet werden. Subventionen sind keine Geschenke – sie stammen aus unseren eigenen Portemonnaies.
Die Abstandsinitiative wird teilweise als übertrieben dargestellt. Dabei sind Mindestabstände in führenden Windkraftländern wie Dänemark, Frankreich oder Deutschland klar geregelt – und fast ausnahmslos deutlich grösser als jene, die hier gefordert werden. Auch die Aussage, eine Annahme der Initiative käme einem Verbot gleich, ist nicht korrekt. Der Bau von Windkraftanlagen wäre weiterhin möglich. Wer fordert, Fakten abzuwägen, sollte dies auch berücksichtigen.
Noch etwas zur Demokratie: Über den Bau des Windparks selbst, darf die Bevölkerung nicht abstimmen. Die Regierung entscheidet über den Sondernutzungsplan. Die ebenfalls direkt betroffenen Menschen in Liechtenstein und Buchs haben gar kein Mitspracherecht, obwohl sie Sichtbarkeit, Lärm und mögliche Wertverluste auch tragen müssten.
Mitbestimmung ist nur über die Abstandsinitiative möglich – und über 700 Personen haben dieses Anliegen bereits mit ihrer Unterschrift unterstützt. Auch das ist ein Fakt, der abgewogen werden soll.
Arnold Nägele, Pfäfersbüel 3, 9475 Sevelen, «Windkraft ja, mit Anstandsabstand»
Abstände, Fakten und Demokratie