Abstandsinitiative und lokale Energieproduktion | W&O

Sevelen 11.04.2026

Abstandsinitiative und lokale Energieproduktion

Arnold Nägele vom Verein «Windkraft ja, mit Anstands-Abstand» reagiert auf den Leserbrief von Elsbeth Schrepfer.

Von Arnold Nägele, «Windkraft ja, mit Anstands-Abstand»
aktualisiert am 11.04.2026

«Lieber Atomstrom als Windenergie?», Ausgabe vom 8. April

Im jüngsten Leserbrief von Frau Schrepfer werden erneut Themen vermischt, die mit der Abstandsinitiative nur am Rande zu tun haben. Die Initiative verbietet Windkraftanlagen nicht. Sie legt Mindestabstände fest, und wie Frau Schrepfer selbst schreibt, kann ein Sondernutzungsplan diese Abstände übersteuern. Der Bau von Windkraftanlagen bleibt also weiterhin möglich.

Wenn über die Energiezukunft gesprochen wird, gehört auch die Wasserkraft dazu. Sie ist seit jeher der wichtigste erneuerbare Energieträger der Schweiz. Historisch zeigt sich das deutlich: Während im Jura gerade einmal eine einzige Windmühle betrieben wurde, entstanden im ganzen Land Hunderte von wasserbetriebenen Mühlen. Unsere Vorfahren wussten genau, wo die natürlichen Stärken dieses Landes liegen – und das gilt bis heute.

Die Frage nach der Energiestrategie 2050 ist berechtigt. Die Schweizer Kernkraftwerke liefern im Winter rund zwölf Terawattstunden Strom. Diese Menge zu ersetzen, ist eine enorme Herausforderung. Ob Standorte wie Sevelen, die laut öffentlich zugänglichen Windkarten zu den schwachen Windlagen gehören, einen relevanten Beitrag leisten könnten, ist mehr als fraglich. Rechnet man mit typischen Erträgen bezogen auf den Standort Sevelen, bräuchte es schweizweit über 2500 Windräder, um die Winterproduktion der AKW zu ersetzen – und zusätzlich riesige Speicherkapazitäten, um längere windarme Phasen zu überbrücken. Gerade in einer Zeit, in der auf allen staatlichen Ebenen aufgrund des Spardrucks sorgfältig mit öffentlichen Mitteln umgegangen werden muss, stellt sich die Frage, ob die vorhandenen finanziellen Ressourcen nicht dort eingesetzt werden sollten, wo sie den grössten Nutzen bringen. An den besten Schweizer Windstandorten wird, bezogen auf die «Produktionsschätzung» am Infoanlass der Gemeinde vom 4. Dezember 2025, rund doppelt so viel Strom produziert, wie in Sevelen geschätzt wird. Dies zum Thema «guter Windstandort».

Frau Schrepfer betont die demokratische Mitbestimmung. Genau darum geht es vielen Befürworterinnen und Befürwortern der Abstandsinitiative: dass grosse Energieanlagen nicht ohne Zustimmung der lokalen Bevölkerung entstehen. Wenn übergeordnete Behörden solche Projekte trotz Widerstand vor Ort durchsetzen könnten, wäre das ein Widerspruch zu diesem demokratischen Anspruch.

Die Diskussion über die Energiezukunft ist wichtig. Umso mehr braucht sie eine klare Trennung der Themen: Die Abstandsinitiative entscheidet nicht über die Energiestrategie, nicht über Atomkraft und nicht über den Ausbau erneuerbarer Energien im Allgemeinen. Sie regelt einzig, in welchem Abstand grosse Windkraftanlagen an Wohngebäude gebaut werden dürfen – und ob die betroffenen Gemeinden dabei ein Mitspracherecht behalten.
gen möglich.

Arnold Nägele, Verein «Windkraft ja, mit Anstands-Abstand»‹Pfäfersbüel 3, Sevelen