Auf der Suche nach Mitteln gegen den Fachkräftemangel | W&O

Buchs 15.05.2024

Auf der Suche nach Mitteln gegen den Fachkräftemangel

An der Feierabendveranstaltung des BZBS referierte Marco Salvi zum Thema «Weiterbilden, aber gezielt».

Von PD
aktualisiert am 15.05.2024

Peter Keller, Leiter Grundbildung und Prorektor am BZBS, begrüsste die Gäste zur 24. Feierabendveranstaltung. Seit mehr als zehn Jahren gibt es diesen Anlass, der die Wichtigkeit der Berufsbildung hervorhebe und zur Vernetzung in der Region beiträgt. Zur Frage, ob sich mit Weiterbildung der Fachkräftemangel eindämmen lasse, konnte Marco Salvi, Senior Fellow und Forschungs­leiter Chancengesellschaft bei Avenir Suisse, als Referent gewonnen werden.

Ein Blick zurück ins Jahr 1972 

Als Ursache für den Fachkräftemangel nannte Marco Salvi die gute Konjunktur, aber auch strukturelle Themen. Er brachte einen Zeitungsartikel aus dem Jahr 1972 mit, schon damals wurde von einem «notorischen Fachkräftemangel» gesprochen. Weltweit hätten aktuell drei von vier Unternehmen Mühe, Fachkräfte zu finden, erwähnte der Referent.

Referent Marco Salvi, Avenir Suisse.
Referent Marco Salvi, Avenir Suisse.
PD

Ab 2030 nimmt der Anteil der über 65-jährigen Menschen zu, bei den 20-jährigen wird es nur eine leichte Zunahme geben. Die Wirtschaft wird da­rum um 300000 Arbeitskräfte schrumpfen, so seine Aussage. Als unterschätztes Wachstumspotenzial sieht Marco Salvi, dass die Beteiligung am Erwerbsleben bei den Frauen und den Älteren (55- bis 64-Jährige) weiterhin zunehme. Die jüngere Generation sei beim Eintritt in den Arbeitsmarkt besser qualifiziert und produktiver.

Künstliche Intelligenz betrifft nicht alle

Die künstliche Intelligenz (KI) spielt für die künftige Arbeitswelt und damit den Fachkräftemangel eine Rolle. Betroffen von KI seien nach einer Analyse von Avenir Suisse vor allem die mittleren Qualifikationen, nach Altersgruppen seien die Risi­ken eher gleich verteilt. In der Schweiz ist lebenslanges Lernen wichtig, die öffentlichen Bildungsausgaben würden aber zum grössten Teil im ersten Drittel des Lebens eingesetzt. Das Weiterbildungsverhalten hänge stark vom Bildungsstand ab.

Es würden sich besonders jene Menschen fortbilden, die bereits höher qualifiziert sind. Dabei würden mehr als 80 Prozent der Weiterbildungen vom Arbeitgeber finanziell und zeitlich gefördert.
Marco Salvi sieht Potenzial darin, dass Bildungsunterschiede verringert werden, indem die staatliche Förderung im Bildungsbereich gezielt eingesetzt werden soll. Zielführend nannte Marco Salvi dabei Weiterbildungsgutscheine oder Weiterbildungsdarlehen.

Qualifikationen in jungen Jahren sammeln

Ein Fazit der Ausführungen von Marco Salvi war, dass grundlegende Qualifikationen in frühen Jahren erworben werden. Weiter, dass informelles Lernen im Berufsalltag essenziell ist, dass es keine Umschichtung der öffentlichen Bildungsausgaben braucht und dass staatliche Förderung gezielt eingesetzt werden soll.

In der Fragerunde mit den über 50 Teilnehmenden wurden die Erfahrungen hervorgehoben, die in der Berufsausübung gesammelt werden. Mit einer Steuerung der Studienrichtung könne der Fachkräftemangel bekämpft werden, wurde weiter genannt. Nicht gefährdet werden solle die Ausbildung zugunsten der Weiterbildung, war eine weitere Antwort von Marco Salvi.

Der Vernetzung untereinander diente der Apéro im Anschluss an das Referat.