Bienen sind sozial – Imkerinnen und Imker auch | W&O

Region 29.07.2023

Bienen sind sozial – Imkerinnen und Imker auch

Dem Werdenberger Bienenzüchterverein dient das Refugium Valcup allerdings nicht nur als schöne Festwiese, sondern vor allem als Belegstation.

Von Lorenz Huber
aktualisiert am 29.07.2023
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Honigbienen sind hochsoziale Tiere, sie sind auf ihre Gemeinschaft angewiesen, um zu überleben. Verlässt ein Bienenschwarm den alten Bienenstock, suchen Spürbienen in allen Richtungen nach einem geeigneten, geschützten Platz für das zukünftige Nest. Haben sie sich auf ein Ziel geeinigt, zieht der ganze Schwarm ein.

Zuerst wird gründlich geputzt, alles Unappetitliche muss raus. Störendes, das sich nicht entfernen lässt, wird mit Propolis desinfiziert und versiegelt. Sie richten den neuen Raum mit Waben ein, sammeln und lagern Vorräte. Sorgfältig werden die empfindlichen jungen Larven gefüttert, gepflegt und warm gehalten oder bei Hitze gekühlt. Aufmerksame Wächterinnen vertreiben Diebe und andere uner­wünschte Gäste. Jedes einzelne Mitglied sorgt fürs Überleben des ganzen Volkes.

 Im vergangenen Frühling war das Wetter ideal für die Honigbienen.
Jede Biene sorgt fürs Überleben des Volkes.
PD

Futter wird von Rüssel zu Rüssel weitergereicht, tanzende Bienen verraten Richtung und Distanz zu lohnenden Nektarquellen. Schon immer haben Menschen gestaunt, wie harmonisch und gut organisiert die kleinen Tiere zusammenleben, arbeiten und sich verteidigen können. Religiöse und weltliche Führer sahen in der Biene ein Vorbild für ihre Untertanen. Ein Vorbild für Fleiss, Ordnungssinn, Mut und Opferbereitschaft für die Gemeinschaft.

Imkerinnen und Imker pflegen Gemeinschaft

Obwohl Imkerinnen und Imker als ausgeprägte Individualisten gelten, brauchen sie den Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten. Die regelmässigen Vereinstreffs und Beratungsangebote werden rege besucht. Ganz besonders stimmungsvoll war der Vereinsabend Anfang Juli, im schönen Valcup.

Wie Bienen den gesammelten Nektar teilen, teilte und verzehrte man die mitgebrachten Kuchen. Es wurde grilliert und bei Wein, Bier und Kaffee genoss man den milden Abend auf der schönen Waldwiese, pflegte Freundschaften, besprach Aktuelles, erinnerte sich an alte Zeiten und gab Imkerlatein zum Besten.

Königinnen begatten lassen

Dem Werdenberger Bienenzüchterverein dient das Refugium Valcup allerdings nicht nur als schöne Festwiese, sondern vor allem als Belegstation. Vor Ort beherbergt ein stattliches Bienenhaus rund ein Dutzend Bienenvölker, spezielle auserkorene Völker der Dunklen Biene «Apis mellifera mellifera», der ursprünglichen, nördlich der Alpen beheimateten Schweizer Bienenrasse. Bienenzüchterinnen und Bienenzüchter können auf Valcup Jungköniginnen von reinrassigen Drohnen begatten lassen. Sie stellen ihre Begattungskästchen in der Umgebung auf, das sind kleine Kästchen, bestückt mit je einer Jungkönigin, mit ausreichend Begleitbienen und Proviant. Wenn alles klappt wie gehofft, werden die Königinnen von den erwünschten Drohnen begattet und legen bald Eier.

Der langjährige Zuchtchef Werner Walker leitet die Belegstation und organisiert die Zucht. Er sorgt für gesunde, vitale Bienenvölker im Bienenstand, die mit Drohnen die gewünschten Merkmale weitervererben. Eine anspruchsvolle Aufgabe die viel Arbeitseinsatz, Können und Fingerspitzengefühl fordert.

Autor Lorenz Huber lebt seit 25 Jahren in Gams und ist Mitglied des Werdenberger Bienenzüchtervereins. Er ist Vizepräsident und Wanderimker. In der monatlichen Rubrik «Im Werdenberg summt es» geht er auf Themen rund um Bienen und Biodiversität ein, dies im Rahmen des 125-Jahr-Jubiläums des Bienenzüchtervereins Werdenberg.