Bio-Weinbauring tauscht sich über Pflanzenschutz und neue Rebsorten aus | W&O

Frümsen vor 1 Stunde

Bio-Weinbauring tauscht sich über Pflanzenschutz und neue Rebsorten aus

Der Bio-Weinbauring traf sich kürzlich im Staatswingert in Frümsen zum ersten Austausch dieses Jahres.

Von PD
aktualisiert vor 1 Stunde
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Rund 30 Winzerinnen und Winzer aus der Ostschweiz, Graubünden, Liechtenstein sowie dem benachbarten Vorarlberg folgten der Einladung in den Staatswingert. Das sei eine erfreuliche Beteiligung, die das grosse Interesse an aktuellen Themen im biologischen Weinbau widerspiegelt, heisst es in einer Medienmitteilung der Fachstelle Weinbau des Landwirtschaftlichen Zentrums in Salez.

Intensivere Beobachtung bei viel Niederschlag

Im Zentrum der Veranstaltung standen ein Rückblick auf die Saison sowie ein Ausblick auf kommende Herausforderungen. Linnéa Hauenstein vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) eröffnete den fachlichen Teil mit einer Einordnung der Pflanzenschutzsaison 2025 und bezog dabei auch die Erfahrungen der Anwesenden aktiv mit ein.

In Frick AG, wo das FiBL seinen Hauptsitz hat, sei das Jahr bis zum regnerischen Juli vergleichsweise entspannt verlaufen. Eine Einschätzung, die von vielen Teilnehmenden aus anderen Regionen bestätigt wurde. Unterschiede zeigten sich jedoch insbesondere im Kanton St.Gallen, wo höhere Niederschlagsmengen eine intensivere Beobachtung erfordern. So berichtete Philipp Bosshart aus Walenstadt, dass das Klima in Seenähe speziell sei und der Pflanzenschutz entsprechend früh habe beginnen müssen – insgesamt jedoch gut zu bewältigen gewesen sei.

Pflanzenschutz im Fokus: Linnéa Hauenstein vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau diskutiert mit dem Publikum über Erfahrungen und kommende Herausforderungen im Bio-Weinbau.
Pflanzenschutz im Fokus: Linnéa Hauenstein vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau diskutiert mit dem Publikum über Erfahrungen und kommende Herausforderungen im Bio-Weinbau.
PD

Krankheiten und Schädlinge beschäftigen die Forschung

Ein zentrales Thema des Vortrags war die Krankheit Black Rot (Schwarzfäule). Diese tritt vermehrt in Anlagen mit pilzwiderstandsfähigen Rebsorten (Piwi) auf, da dort oft weniger oder teilweise gar kein Pflanzenschutz eingesetzt wird. Dadurch kann sich jedoch über mehrere Jahre unbemerkt eine Pilzpopulation aufbauen. Tritt die Krankheit einmal auf, sei sie insbesondere im biologischen Anbau nur schwer zu bekämpfen.

Auch der Japankäfer wurde von den Teilnehmenden angesprochen. Das Fazit: Die Forschung arbeitet mit Hochdruck an Lösungen, doch einfache Antworten gibt es derzeit nicht.

Langer Weg bis zur Markteinführung

Im zweiten Teil des Nachmittags widmete sich Thierry Wins von Agroscope dem Thema Pflanzenzüchtung. Anschaulich erläuterte er den langen Weg von der Kreuzung bis zur Markteinführung einer neuen Rebsorte – ein Prozess, der je nach Sorte 15 bis 30 Jahre dauern kann und erhebliche personelle und finanzielle Ressourcen erfordert. Am Beispiel der Sorte Divico zeigte Wins zudem auf, wie komplex die «Stammbäume» moderner Neuzüchtungen sind.

Zukunft im Glas: Thierry Wins (Agroscope) präsentiert neue PIWI-Rebsorten aus der Pflanzenzüchtung.
Zukunft im Glas: Thierry Wins (Agroscope) präsentiert neue PIWI-Rebsorten aus der Pflanzenzüchtung.
PD

Nach dem theoretischen Input folgte der genussvolle Teil: Wins präsentierte sieben neu zugelassene robuste Rebsorten (Piwi) in Form von Datenblättern und Mikrovinifikationen. Die Verkostung solcher Kleinmengen ist eine Herausforderung, wurden doch pro Sorte lediglich 10 bis 30 Liter vinifiziert. Dennoch liess sich bei mehreren Weinen ein interessantes Potenzial erkennen. Besonders positiv fiel auf, dass zwei der drei roten Sorten eine moderate Farbtiefe aufwiesen – ganz ohne die Sorge, den Raum mit blau gefärbten Zähnen zu verlassen. Alle Weine konnten degustiert und bewertet werden.

Den Abschluss bildete ein feiner Apéro in gemütlicher Atmosphäre, der Raum für angeregte Gespräche und vertiefende Diskussionen bot.