Dank gezielter Artenförderung: Die Kiebitze kehren zurück | W&O

Altstätten vor 2 Stunden

Dank gezielter Artenförderung: Die Kiebitze kehren zurück

Dieses Jahr gab es gleich vier Bruten des stark gefährdeten Kiebitzes rund ums Naturschutzgebiet Bannriet.

Von wo/pd
aktualisiert vor 2 Stunden

Mit seinem markanten Federschopf und den imposanten Balzflügen ist der Kiebitz die wohl bekannteste Limikolenart und ein auffälliger Bewohner unserer offenen Landschaft. Doch der Bodenbrüter hat schwere Zeiten hinter sich. Bis zum Jahr 1998 war der Kiebitz ein lokaler Brutvogel im Schollenriet, danach blieb der charakteristische Vogel im Gebiet fast vollständig aus.

Ein historischer Tiefststand und die Wende

Der Rückgang im Rheintal spiegelte den landesweiten Rückgang wider, schreibt der Verein Pro Riet Rheintal: Zwischen 1972 und 1976 wurde der Schweizer Bestand noch auf mindestens 1000 Brutpaare geschätzt. Bis Mitte der 1990er-Jahre halbierte sich diese Zahl auf rund 450 Paare, bevor im Jahr 2005 mit nur noch 83 Brutpaaren der absolute Tiefststand erreicht wurde. Der Kiebitz stand damit unmittelbar vor dem Aussterben.

Dank gezielter Artenförderungsprojekte erholten sich die Zahlen bis 2016 wieder auf 180 Paare. Die aktuellsten Daten der Vogelwarte (2021–2024) zeigen eine leichte Stabilisierung bei rund 200 Brutpaaren in der Schweiz – die Art ist aber nach wie vor stark gefährdet.

Dass der Kiebitz heute grossmehrheitlich auf vernässten Acker- und Weideflächen brütet, liege an einem massiven Wandel seines Lebensraums. Ursprünglich in offenen, baumarmen Feuchtgebieten zu Hause, nutzt der ausgesprochene Kulturfolger die Äcker heute als Ersatzhabitat. Die vier aktuellen Bruten rund ums Bannriet fanden entsprechend auf umliegenden Ackerflächen und auf einer frisch angesäten Wiese statt. Der Verein Pro Riet Rheintal hat die Bruten intensiv begleitet und frühzeitig Abklärungen mit den betroffenen Landwirten getroffen.

Ebenfalls wurde eng mit der Naturschutzgruppe «Alta Rhy» aus Diepoldsau zusammengearbeitet, die bereits jahrelang erfolgreich «Kiebitzschutz» betreibt. Dank dieser Absprachen und Schutzmassnahmen stand den Kiebitzen trotz des landwirtschaftlichen Betriebs ein ungestörtes Brutgeschäft bevor. Zwei der vier Bruten verliefen erfolgreich: Mindestens fünf Jungvögel sind geschlüpft und zwei davon wurden mit Sicherheit flügge.

Hitze brachte Herausforderungen

Die Aufzucht der Jungen sei in diesem Jahr eine Herausforderung gewesen, heisst es weiter. Aufgrund der extremen Trockenheit in der Brutzeit trockneten die Böden auf den Äckern rasant aus. Kiebitze ernähren sich von kleinen Bodentieren wie Insekten, deren Larven, Regenwürmern und Spinnentieren, nach denen sie in feuchten Böden oder kurzrasigen Wiesen stochern.

Ein bereits flügger Jungkiebitz auf Nahrungssuche im Naturschutzgebiet Bannriet. Küken gehen nach der Geburt selbst auf Nahrungssuche.
Ein bereits flügger Jungkiebitz auf Nahrungssuche im Naturschutzgebiet Bannriet. Küken gehen nach der Geburt selbst auf Nahrungssuche.
Bild: Verein Pro Riet

Da die Kiebitzküken als Nestflüchter von Geburt an komplett selbstständig auf Nahrungssuche gehen, wurde die Trockenheit schnell existenzbedrohlich. Auf den Ackerflächen fanden die Küken bald keine Nahrung mehr. Die Rettung bot das nahe gelegene Naturschutzgebiet Bannriet, in welchem auch bei extremer Trockenheit noch genügend feuchte Flächen vorhanden sind – nicht zuletzt auch dank der Aktivitäten des Bibers. Die Kiebitze wechselten rechtzeitig ins Bannriet, was den Wert solcher Schutzgebiete einmal mehr unterstreicht.

Menschliche Spuren locken den Fuchs an

Damit sich dieser positive Trend im Rheintal fortsetzen kann, brauche es während der Brutzeit mehr Rücksichtnahme der Bevölkerung. Weil Kiebitze am Boden brüten, sind die Gelege extrem verletzlich. Es ist äusserst wichtig, sich auf keinen Fall den Gelegen zu nähern, denn dieses Verhalten birgt eine unsichtbare Gefahr: Die menschliche Spur hinterlässt eine Duftfährte. Diese lockt Füchse gezielt an, welche den Spuren folgen und in der Folge das Gelege ausräumen. Leider geschah dies bei einer Brut in diesem Jahr, da sich eine Person dem Gelege genähert hatte.