Der Fall begann in der Stadt St.Gallen, wie die Kantonspolizei mitteilt. Am Dienstagmorgen, kurz vor 10 Uhr, ging bei der Stadtpolizei eine Vermisstenmeldung ein. Die Mutter meldete, dass der getrennt lebende Vater das gemeinsame Kind nicht wie vereinbart an den Übergabeort zurückgebracht hatte. Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, erklärt auf Anfrage, dass die Polizei bei solchen Meldungen immer aktiv werde, da es sich um ein Kind handle, das nicht für sich selbst sorgen könne.
Die Kantonspolizei übernahm den Fall von der Stadtpolizei und versuchte, Vater und Kind ausfindig zu machen. «Die Herausforderung zu Beginn des Falls war, dass der Vater und das Kind unbekannten Aufenthalts waren», sagt Schneider. «Wir mussten zuerst den Aufenthaltsort eruieren, und erst dann wussten wir, dass etwas Schlimmes passiert war.»
Mutmasslich erweiterter Suizid
Nach mehrstündigen Ermittlungen fand die Kantonspolizei den 33-jährigen Vater und den 2-jährigen Sohn gegen 22 Uhr in einem laufenden Beherbergungsbetrieb in Wattwil. Beide waren tot. Laut Kantonspolizei deuten die Umstände beim Auffinden darauf hin, dass der Vater das Kind mit einer Faustfeuerwaffe tötete und sich damit anschliessend selbst das Leben nahm. Die Beteiligung einer Drittperson könne aber erst nach der Obduktion definitiv ausgeschlossen werden, sagt Schneider. Gemäss dem Mediensprecher hatte der Vater keine Waffe auf seinen Namen registriert. Die Herkunft der Tatwaffe sei Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
Der Betrieb befindet sich an der Ebnaterstrasse in Wattwil, wie die Kantonspolizei auf Anfrage bestätigt. Die Betreiber wollten sich gegenüber dieser Zeitung nicht äussern. Bei einem Augenschein am Mittwochnachmittag waren vor Ort keine Hinweise auf den Polizeieinsatz vom Vorabend mehr zu sehen.
Rechtsmedizin klärt Todeszeitpunkt ab
Bei den Verstorbenen handelt es sich um kroatische Staatsangehörige mit Wohnsitz im Kanton St.Gallen. Die Kantonspolizei hat unter der Leitung der Staatsanwaltschaft die Ermittlungen zu den genauen Umständen aufgenommen.
Ob Vater und Kind zum Zeitpunkt der Vermisstenmeldung der Mutter noch am Leben waren, ist noch unklar. Die Rechtsmedizin klärt nun den genauen Todeszeitpunkt ab. Das sei wichtig, um den Ablauf der Ereignisse zu rekonstruieren, erklärt Schneider.
Im Einsatz standen neben mehreren Patrouillen und Fachspezialisten der Kantonspolizei auch die Stadtpolizei St.Gallen, das Institut für Rechtsmedizin am Kantonsspital St.Gallen sowie die Staatsanwaltschaft.
«Dann wussten wir, dass etwas Schlimmes passiert war»: Gewalttat in Wattwil schockiert auch Polizei