Die ISR versteht KI als Kompass | W&O

Buchs vor 10 Stunden

Die ISR versteht KI als Kompass

An der International School Rheintal (ISR) in Buchs wird die neue Technologie in den Schulalltag integriert.

Von PD
aktualisiert vor 10 Stunden
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15 Jahrgänge lernen an der ISR – vom dreijährigen Kind bis zum 18-jährigen Teenager. Unterrichtet wird auf Englisch nach dem International Baccalaureate (IB)-Programm. Zudem bietet der international anerkannte Abschluss die Möglichkeit an Universitäten in der Schweiz und weltweit zu studieren. Entsprechend wichtig sei ein zeitgemässer Umgang mit neuen Entwicklungen und Technologien. «Der Mensch steht immer im Mittelpunkt. Auch im Umgang mit KI», wird Oliver Beck, Leiter Oberstufe und Gymnasium, in einer Mitteilung zitiert. KI sei ein Werkzeug wie andere auch. Nützlich und schnell. Die Verantwortung bleibt hingegen bei den Nutzenden.

Beck erklärt es metaphorisch: «KI ist ein Kompass, der die Richtung vorgeben kann. Kein GPS, das den Weg und das Ziel vorgibt.» Diese Haltung teile der ISR-Vorstandsvorsitzende Heiner Graf. Er zieht den Vergleich zum Taschenrechner. «Als vor Jahrzehnten der Taschenrechner eingeführt wurde, bestand die Angst, dass man das Kopfrechnen verlernt. In der Realität haben wir gelernt zu plausibilisieren», wird er zitiert. Heute sei es ähnlich. KI liefere Vorschläge. Der Mensch müsse prüfen, einordnen und entscheiden.

Für Sicherheit bezahlen, statt mit Daten handeln

Im Unterricht werde deshalb KI abgestuft eingesetzt. In den unteren Stufen zähle vor allem das eigene Überlegen. KI darf helfen, Gedanken zu spiegeln oder einen Text zu erklären. Später kommt die Recherche hinzu. Auch dann gelte: KI ersetzt nicht das kritische Denken. Darum werde der Umgang mit KI bewusst geübt. Dazu gehöre die Sensibilisierung der Anwenderinnen und Anwender bezüglich der Nutzung und der Sicherheit.

Gerade die Sicherheit sei für die ISR ein grosses Thema, bei dem es internationale Standards zu erfüllen gilt. «Unser Gelände ist geschützt. Intern fällt dafür der Ausdruck ‹eingemauerter Garten›», wird Graf weiter zitiert, «drinnen bewegen sich die Schülerinnen und Schüler frei.»

Die digitale Verbindung stelle hingegen das Tor zur Welt und den damit verbundenen Gefahren dar. «Bei sämtlichen Programmen und insbesondere bei KI setzen wir nicht einfach auf Gratisangebote. Bei diesen Produkten bezahlt man mit den eigenen Daten», sagt Gus Alcalá, Head of Educational Technology.

Die ISR wolle, dass Informationen im schulischen Rahmen bleiben. Bildlich gesprochen innerhalb der vier Wände. Die Haltung gegenüber KI bleibe trotzdem offen, denn neue Technologien sollen nicht verteufelt werden. Entscheidend sei, wie sie genutzt werden.

Transparenz als Regel für alle Beteiligten

KI hilft den Lehrpersonen. An Kursen auf Lernplattformen und in internen Trainings eignen sie sich ihr neues Wissen an. Ziel ist stets ein Wissensvorsprung bezüglich der Entwicklung und der Nutzung sowie das Erkennen von sinnvollen Anwendungsmöglichkeiten. Im Unterricht selbst gelte Transparenz. Schülerinnen und Schüler müssen zeigen, wo KI eingesetzt wurde und mit welchen Fragestellungen. Lehrpersonen tun das ebenfalls.

Prompten, also das Formulieren von Rechercheanfragen, wird damit Teil der Kompetenz genauso wie die Quellenangabe der Informationen. Wer den Einsatz von KI im Unterricht nicht deklariert, fliegt rasch auf. «Gerade in einer kleinen Schule fällt auf, wenn der Stil eines Textes nicht zur Person passt», wird Oliver Beck zitiert.

An Prüfungen ist KI nicht zugelassen. Tests fänden ohne Internet und ohne Recherchetools statt. Zudem gewinnt das Präsentieren der Resultate laufend an Bedeutung. «Wer vorne steht und sein Thema präsentiert, muss zeigen, dass er oder sie es verstanden hat», so Beck weiter.

Besonders hilfreich sei KI an der International School Rheintal bei Neueintritten von Schülerinnen und Schülern. In Buchs treffen viele Nationen aufeinander. Nicht alle Kinder verstehen und sprechen Deutsch oder Englisch. KI kann helfen, Unterrichtsinhalte zu übersetzen und den Einstieg in den Schulalltag zu erleichtern. So kann ein neu zugezogener Schüler schneller mitlernen, bis er sprachlich angekommen ist.

Beck führt in der Mitteilung weiter aus: «KI kann Tempo bringen, aber keine Tiefe. Tiefe entsteht erst, wenn Menschen sich Zeit nehmen, Fragen auszuhalten und Schlüsse zu ziehen.» Genau das wolle die ISR fördern. Mit Regeln, Schutz, Werkzeug und einem Kompass, der Orientierung gibt.