Die Augen von Rico Grüneis leuchten, als er mit seinen Ausführungen beginnt. «Ich sagte mir, dass dies mein letzter Anlauf sein würde. Und ausgerechnet jetzt hat es geklappt», sagt der Buchser. Was er damit meint?
Er wurde in diesem Jahr ausgewählt, um beim beliebten TV-Format «Ninja Warrior Germany» teilzunehmen. Grüneis ist als einer von nur wenigen Schweizern Teil der elften Staffel, die ab dem 2. Oktober auf dem deutschen Unterhaltungssender «RTL» ausgestrahlt wird. Rund 300 Teilnehmer muss er dabei ausstechen, wenn er der sogenannte «Last Man Standing» werden will. Die Aufnahmen sind längst im Kasten. Die Vorrunde mit Rico Grüneis wird voraussichtlich Ende Oktober oder Anfang November ausgestrahlt.
Als der Glaube fast verloren war
Dass es doch noch mit der Teilnahme klappen würde, daran glaubte Grüneis selbst nicht mehr wirklich. Zehn Jahre hat er es versucht, auf verschiedene Art und Weise. Denn bei einem solchen Format gilt es nicht nur, sportlich konkurrenzfähig, sondern auch «TV-tauglich» zu sein. Er versuchte es als Spider-Ninja, hat sich gar den Namen des Kultmoderators Frank Buschmann in die Haare gefärbt. Alles hat nichts gebracht. Nun bewarb er sich zusammen mit seiner Frau und dem Hinweis, dass er es seit zehn Jahren versucht – und hatte damit Erfolg.
Als er die E-Mail mit der Zusage erhielt, konnte er sein Glück kaum fassen. Er gerät ins Schwärmen:
Wenn du ein Jahrzehnt ein Ziel hast und darauf hinarbeitest und dann erfüllt sich dein Traum endlich, ist das unglaublich.
Für den Buchser war es nicht die erste Teilnahme bei «Ninja Warrior». Vor sieben Jahren schaffte er es bei der Schweizer Version in den Final. Der Wettkampf in Deutschland ist eine ungleich grössere Schuhnummer. «Das Niveau ist unglaublich hoch und gerade auch in den letzten Jahren enorm gestiegen», sagt Grüneis.
Die Vorbereitung war intensiv und happig
Was es bei diesem äusserst anspruchsvollen Wettkampf für den Erfolg braucht: Griffkraft, Gleichgewicht, Koordination, Ausdauer und Schnelligkeit – und zwar von allem viel. So müssen Hindernisse wie die Himmelsleiter, der Fünfsprung oder die Wand überwunden werden.
Von der Zusage bis zum Wettkampf hatte Grüneis drei Monate Zeit, um sich vorzubereiten. Fünfmal in der Woche trainierte er, speckte rund acht Kilogramm ab – und das neben seinem Pensum als Leiter des 10. Schuljahres in Buchs und als Sportlehrer. Einmal in der Woche ging er in eine Ninja-Warrior-Halle, war insgesamt 3500 Kilometer mit dem Auto unterwegs, weil es in der Region nicht wirklich geeignete Trainingsorte gibt. «Es war schon hart und manchmal waren die Tage lang.» Gerne hätte er gar noch mehr trainiert, aber: «Mit 42 muss ich schon mehr auf die Regeneration schauen als früher», sagt er mit einem Lachen. Daneben betätigte er sich auch noch polysportiv, spielt Tennis, Padel, Fussball – und ging manchmal auch noch mit seiner Frau ins Fitnesszentrum.
Mit seinem Alter gehört er zum älteren Eisen der «Warriors». Auch wenn er sich hie und da schon gefragt habe, warum er sich das alles antue, ist es eine grosse Leidenschaft, die ihn mit diesem Sport verbindet. «Als die Sendung erstmals gezeigt wurde, sass ich auf dem Sofa und zappte per Zufall rein. In dem Moment sagte ich zu meiner Frau, dass ich das auch machen will», erzählt er.
Tolle Erlebnisse in Deutschland
Nun hat er sich den grossen Traum der Teilnahme am Wettkampf in Deutschland erfüllt. Dabei wurde er auch von seiner Familie vor Ort in den Studios von Köln unterstützt.
Was bleibt ihm von den Produktionstagen am meisten in Erinnerung? «Es war sehr cool, zu sehen, wie eine solche Sendung produziert wird. Und mit den anderen Athleten, die teilweise schon seit Jahren dabei sind, gab es sehr coole Begegnungen. Ich hatte das Gefühl, als wäre ich schon von Anfang an dabeigewesen», schwärmt Grüneis.
Konkurrenzdenken gibt es nicht wirklich, denn am Schluss zählt nur die individuelle Leistung. «Es kommt mir vor wie eine sportliche Familie – jeder drückt dem anderen die Daumen und hofft, dass es jemand wieder einmal bis ganz zum Schluss schafft.» Den sogenannten Mount Midoriyama erreichte in den bisher zehn Staffeln der Sendung nur jemand.
Ob es vielleicht gar Grüneis gelingt? Das wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Auch wenn er sich in diesem Jahr zum letzten Mal bewerben wollte, hat die unerwartete Zusage seine Sicht noch einmal verändert. So will er noch einmal alles in die Waagschale werfen, damit es im nächsten Jahr erneut klappt. «Jetzt kennen sie mich ja und ich glaube, ich bin auch noch recht aufgefallen», sagt er mit einem Grinsen, während die Augen noch immer leuchten.
Dieser Buchser «Ninja Warrior» erfüllt sich seinen grossen Traum